25. Mai 2012 06:26 | |||||
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Sternzeichen: Zwilling |
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Liebe Userinnen und User! Wichtige Informationen zu den Meine-Kleine-Weblogs
Herzlichen Dank, dass Sie unser Weblog-Service in den vergangenen Jahren intensiv und hoffentlich zu Ihrer Zufriedenheit genutzt haben. Leider ist es uns nicht länger möglich dieses Angebot technisch mängelfrei zur Verfügung zu stellen, weswegen wir auch auf eine Wartung der bereits bestehenden Blogs und Statistiken verzichten müssen. Wir hoffen, Ihnen in absehbarer Zeit eine attraktive Alternative in diesem Bereich anbieten zu können.
Mit der Bitte um Ihr Verständnis,
Das Team von Kleine Zeitung Digital
Heute also nicht in der geschützten Zone, sondern in der hektischen Redaktion. Aber der fünfte Tage in meinem neuen, rauchfreien Leben verläuft bisher weniger schlimm als befürchtet. Sicher, beim Schreiben sind noch immer die alten Rituale programmiert: Zigarette, schreiben, Pause, Zigarette, Kaffee, schreiben, Pause, Zigarette usw.usf. Das Schwierigste am Nichtrauchen ist, dass man plötzlich "Zeitlöcher" hat, die man füllen muss.
Wie breit die "Raucherautobahn" durch das Gehirn ist, habe ich heute auf dem Weg zur Arbeit bemerkt. Als ich an einer Tankstelle vorbeifuhr, an der die früher oft Zigaretten gekauft habe, bog ich auch heute automatisch dorthin ein - und wollte aus dem Wagen steigen, um Tschick zu erwerben. Im letzten Moment realisierte ich, dass ich ja nicht mehr rauche.
Der körperliche Entzug ist noch immer gegenwärtig, aber es wird langsam besser. Viele Menschen, denen ich begegne, ermutigen mich durchzuhalten. Am Gang traf ich eben eine Kollegin, von der ich gar nicht wusste, dass sie das Qualmen ebenfalls eingestellt hat. Sie hat bereits 10 Monate durchgehalten. Hey, Doris, gratuliere!
Ansonsten: Ich denke andauernd ans Essen - und esse auch! Und ich trinke sehr viel. Dadurch wird wohl auch der orale Reflex bedient. Egal, dem Körper tut es gut und außerdem beruhigt es.
Ich habe beschlossen, mit dem Zählen meiner Nichtraucher-Tage aufzuhören. Also: Wieder ein Tag ohne Qualm! Ich werde den Staatsfeiertag damit verbringen, die gute österreichische Luft nicht zu verpesten. Auch ein Beitrag zum Umweltschutz. Meine Güte, vor knapp einer Woche hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal solche Sätze schreiben würde.
Gestern abend hatten wir liebe Freunde zum Abendessen. Und niemand hat geraucht. Da ich im Haus nicht tschicke, bin ich früher immer ins Freie gegangen, um mir eine anzuzünden. Das hat total genervt, musste aber sein, da der Körper bekanntlich regelmäßig nach seiner Dosis Nikotin verlangt.
Der Abend wurde lang und verlief total angenehm. Die Gespräche drehten sich hauptsächlich darum, wie man sein Leben ändert, um eine gewisse Zufriedenheit und Ausgeglichenheit und wohl auch Gesundheit zu erlangen. Georg z.B. hat mehr als neun Kilo abgenommen, Ulli arbeitet gerade an ihrer "inneren" Seelenlandkarte, meine Frau war das erste Mal beim Shiatsu und ich habe neben dem Nichtrauchen damit begonnen, mich für Buddhismus zu interessieren. Eigenartig, in der Mitte des Lebens beginnt man offenbar darüber nachzudenken, dass das Leben etwas ist, mit dem man sorgsamer umgehen sollte.
So, genug der philosophischen Feiertagsgedanken. Aber Nichtrauchen hat eben nicht nur mit dem Nichtkonsum einer gewissen Substanz zu tun. Zum Praktischen: Ich werde mir den Rat der Kollegin zu Herzen nehmen und nach 17 Uhr nichts mehr essen. Ich werde mit dem Rad eine kleine Tour machen. Und ich werde mir Biokarotten besorgen, damit ich morgen am Arbeitsplatz etwas zum Knabbern habe.
Auch ohne zu zählen weiß ich, dass ich seit einer Woche rauchfrei bin. Ich gratuliere mir herzlich dazu. Ich habe das geschafft - und niemand sonst. Mein freier Wille hat sieben Tage lang über einen nach Nikotin süchtigen Körper gesiegt. Sicher, das ist noch nicht viel. Aber es ist ein erster, wichtiger Schritt. Und ich werde diesen Weg weitergehen.
An dieser Stelle möchte ich mich für die vielen Ratschläge bedanken, die mich seit einer Woche begleiten. Manche empfehlen mir Bücher, andere diverse Raucherseminare. Ein Leser weiß von jemandem, der mit geheimnisvollen Strahlen das Rauchen bzw. die Lust danach "wegzaubern" kann. Bitte nicht böse sein: Aber ich habe schon soviele Aufhör-Versuche hinter mir, dass ich genau weiß, dass sich das Qualmen leider nicht - wodurch auch immer - wegzaubern lässt. Das Einzige, das wirklich funktioniert, ist der feste Entschluss, aufzuhören. Das klingt einfach - ist es aber nicht.
Ich habe diesmal beschlossen, keinen dogmatischen Weg zu gehen, sondern es einfach zu tun. Vielleicht habe ich das bereits im Buddhismus gelernt: nicht theoretisches zählt, das ist toter Ballast, sondern die Praxis. Und genauso wie der Buddhismus eine durch und durch praxisorientierte Religion ist, ist auch Nichtrauchen eine durch und durch praktische Übung. Alle guten Ratschläge und alles theoretisches Wissen hilft nichts, wenn man es nicht TUT. Nämlich keinen Tschick anzuzünden.
Liebe Kollegin, zu einem Morgenlauf habe ich mich heute nicht aufraffen können, aber an der frischen Luft war ich trotzdem. Wie jeden Samstag, verbrachte ich den Vormittag am Fußballplatz. Nein, nein, nicht was du denkst. Ich bin nicht plötzlich sportlich geworden, mein Sohnemann kickt in einem Verein und hatte heute wieder ein Turnier. Der kleine Mann hat sich wacker geschlagen. Und wie immer, ist der Herr Papa an der Outlinie gestanden und hat ihm g'scheite Ratschläge gegeben, die er nicht braucht.
Selbstverständlich hatte ich keinen Glimmstängel in der Hand. Aber ich gestehe: Es ist mir heute besonders schwer gefallen. Leute, die nicht wussten, dass ich mit dem Qualmen aufgehört habe, haben mir Zigaretten angeboten. Und wenn ich ganz ehrlich bin, hätte ich liebend gerne eine "angeheizt". Aber ich bin stark geblieben!
Du hattest Recht: Nach einer Woche kommt offenbar ein Tiefpunkt. Wenn man die erste Woche hinter sich hat, wird man übermütig. Im Kopf spielt sich derzeit etwas eigenartiges ab: Irgendwie scheint mich mein "Es" überrreden zu wollen, wieder mit dem Rauchen zu beginnen. Mein "Ich" wehrt sich tapfer, aber es ist verdammt schwer, standhaft zu bleiben. Ich spüre, dass ich mich jeden Tag neu motivieren muss. Wenn der Schlendrian einkehrt, besteht die große Gefahr, dass ich "kippe". Und das will ich nicht!
Die Krise, die ich gestern hatte, habe ich hinter mir. Die Lust nach einer Zigarette hat wieder nachgelassen. Aber ich wähne mich nicht in Sicherheit, noch lange nicht.
Erste Erfolge des Nichtrauchens spüre ich bereits. Vielleicht ist es Einbildung, aber ich glaube, meine Geschmacksnerven haben sich bereits nach einigen Tagen ohne Qualm etwas erholt. "Was hast du denn da für ein tolles Gewürz reingetan?", fragte ich heute beim Mittagessen. "Nichts, was nicht immer drin ist", antworte meine Frau. Wie auch immer. Nicht mehr den Geschmack eines ausgeschleckten Aschenbechers im Mund zu haben ist ziemlich angenehm!
Etwas Angst habe ich vor der nächsten Woche. Ich weiß, dass ich stressige Tage vor mir habe. Und immer wenn es unruhig wird, liegt der Griff zur Zigarette nahe. Aber ich bin darauf vorbereitet. Die Lust nach der Zigarette wird mich nicht mehr überraschen. Was nicht heißt, dass es einfacher ist. Aber schließlich hat ja niemand behauptet, dass es einfach werden wird.
Der gestrige Sonntag dürfte wohl tatsächlich der letzte Spätherbsttag gewesen sein. Ich habe ihn dafür genutzt, mir noch eine große Brise frische Luft zu holen. Auf der Weinebene ging es zur Grillitschhütte. Rund eine Stunde Gehzeit, das schaffe sogar ich. Der Rucksack war voll "gesunder Sachen": Obst, Vollkornweckerl, Wasser. Wenn mir jemand vor 10 Tagen gesagt hätte, dass ich so großen Wert darauf lege, was ich in mich reinmampfe, hätte ich zu ihm gesagt: "Vergiss es! Ich muss ja nicht gesund sterben!" Aber seit ich nicht mehr rauche, hat mich offenbar auch eine unbändige Lebenslust gepackt. Ja, tatsächlich. Ich will älter werden. Und wenn es geht, einigermaßen gesund.
Was nicht heißt, dass ich jetzt total auf die Bio-Schiene abfahre. Auf dem Rückweg von der Alm habe ich mir eine herrliche Ribiseltorte samt Kaffee gegönnt - und es hat wunderbar geschmeckt. Ein Dorf weiter habe ich dann einen großen Sack voll wunderbar duftender Äpfel gekauft. Das müsste für ein paar Tage reichen.
Das Rauchen selbst? Ganz, ganz langsam scheint es etwas leichter zu werden. Nicht dass die bekannten Rituale schon vergessen wären, das nicht. Aber es fällt nicht mehr ganz so schwer, bei gewissen Handgriffen (schreiben!) zur Zigarettte zu greifen. Und die Tatsache, dass mir mein Körper die Enthaltsamkeit mit Wohlbefinden dankt, motiviert auch ungemein. Dass dem derzeitgen Hoch bald wieder eine Talfahrt folgen kann, dessen bin ich mir bewusst. Aber jeder Tag ohne Nikotin ist für mich eine gewonnene Runde in einem Kampf, der noch lange nicht ausgestanden ist.
So, meine Kollegin hat wohl Recht gehabt: Wenn man die erste Woche hinter sich hat, ist das Schlimmste noch längst nicht vorbei. Ich befinde mich gerade in einem Zustand, wo ich viel für eine Zigarette geben würde. Es fällt mir sogar schwer, an einer Trafik vorbeizugehen, ohne nach Nikotin zu lechzen. Jede Zigaretten-Werbung fährt mir ins Herz bzw. in den Kopf. Ich merke, dass es nicht reicht, nur mit dem Qualmen aufzuhören. Ich muss auch meine Lebensführung mehr ändern. Ein paar Biokarotten zwischendurch reichen nicht!
Vielleicht hängt diese miese Phase auch mit der Jahreszeit zusammen. Rund um Allerheiligen ist auch mein Inneres von Nebelschwaden umhüllt. Aber wahrscheinlich ist auch das wieder nur eine Ausrede. Die einfache Erklärung dürfte sein, dass mein Körper jetzt massiv nach etwas verlangt, was er viele Jahre hindurch bekommen hat.
Was ich dagegen tue? Ich weiß es noch nicht. Hoffen, dass der Durchänger bald vorbeigeht. Und mir fest vornehmen, auch andere Änderungen in meinem Leben bald in Angriff zu nehmen. Nein, nicht bald. Jetzt!
Der Durchhänger ist geschafft. Und danke für die guten Tipps, Heli, sie haben tatsächlich geholfen. Ich bin in der kritischen Phase sofort an die frische Luft gegangen und habe tief durchgeatmet. Das hat gut getan! Es ist erstaunlich, wie sich das Nikotin im Kopf eines Rauchers festgekrallt hat und darum kämpft, wieder konsumiert zu werden. Es ist fast so, als brülle dieses verdammte Gift: "Nimm mich wieder, du brauchst mich doch." Einen Schmarren werde ich tun! Auf einem Raucher-Seminar habe ich einmal gelernt, dass man sich immer einreden müsse: "Ich bin der König in diesem Land." Mit "Land" ist der eigene Körper, das eigene Denken, die eigene Selbstständigkeit gemeint. Also: "Ich bin der König in diesem Land!" Und ich denke nicht daran, mein "Reich" aufzugeben.
Der heutige Allerheiligentag stimmt mich traurig. Ich werde wieder am Grab meiner Mutter stehen, mit ihr reden, ihr meine Gedanken und Gefühle mitteilen und sie darum bitten, mir beizustehen auf meinem Erdenweg. Meine Mutter war ein Mensch, der mich nie verurteilt hat, egal, welche Dummheiten ich gemacht habe. Wenn so eine völlig bedingungslose Liebe plötzlich fehlt, bricht eine Welt zusammen.
Auch meine Mutter hat geraucht. Und sie hat immer Gewissensbisse gehabt, dass ich durch ihr Vorbild zum Nikotin gekommen bin. Aber es ist wie allen Dingen, die man von seinen Eltern mitbekommt: Anfangs mag man dadurch beeinflusst sein, aber irgendwann trifft man dann die eigene Entscheidung, dieses Verhalten fortzusetzen - oder eben damit aufzuhören. Auch das hat mit Eigenverantwortung zu tun. Aber es ist halt schwer, dazu zu stehen. Ausreden sind immer der einfachere Weg.
Trotz der Traurigkeit habe ich heute das Gefühl der Stärke und Kraft. Ich stelle mir vor, dass meine Mutter - wo auch immer sie ist - lächelt und fest daran glaubt, dass ich es diesmal schaffe, vom Rauchen loszukommen. So, wie sie immer an mich geglaubt hat.
Nicht dass ich extrem eitel wäre (wie das meine Kollegin hier ja schon fälschlicherweise angedeutet hat), aber wenn einem ständig auf den Bauch gestarrt wird, ist das nicht wirklich witzig. Heute bei der Redaktionssitzung war neben dem aktuellen Weltgeschehen meine "Wampe" DAS Gesprächsthema. Blöderweise habe ich wegen der empfindlichen Temperaturen am Vormittag einen ziemlich enganliegenden Pullover angehabt. Und es stimmt ja auch: Ja, liebe Leute, ich habe zugenommen, seit ich mit dem Rauchen aufgehört habe. Und soll ich ihnen noch etwas gestehen. Soeben im Supermarkt habe ich zwei Tafeln Schokolade eingekauft und neben dem Computer hingelegt. Noch sind die Tafeln unberührt. Noch!
Davor haben mich alle gewarnt: Pass auf dein Gewicht auf! Aufgepasst habe ich ja, zugelegt habe ich trotzdem. Ich trag es voerst einmal mit Fassung. Bis ich meine persönliche Schmerzgrenze erreicht habe, ist's noch ein wenig Zeit bzw. Gewicht. Vielleicht hängt das viele Essen auch damit zusammen, dass meine Geschmacksnerven wieder top sind und es einfach ein totaler sinnlicher Genuss ist, zum Beispiel eine Schoko mit Birnengeschmack auf der Zunge zergehen zu lassen. Ein Chippendale werde ich sowieso nicht mehr, also was solls.
Ansonsten: Ich habe einen Tag hinter mir, an dem ich selten an eine Zigarette gedacht habe. Vielleicht deshalb, weil ich derzeit - siehe oben - nicht Nikotin, sondern Kalorien im Kopf habe.
Bevor es Ihnen die Kollegin erzählt: Heute hatte ich statt eines enganliegenden, beigen Pullovers ein weitgeschnittenes, schwarzes Hemd an, das meinen kleinen Nichtraucher-Bauch gut kaschiert hat. Ein Kollege konnte sich die Bemerkung, dass er neuerdings zweimal hinschauen muss, um mich in ganzer Breite zu erfassen, trotzdem nicht verkneifen. Aber Sie wissen ja - Journalisten übertreiben maßlos.
Ansonsten ist die Welt derzeit gut zu mir. In der Früh genoß ich eine Shiatsu-Massage und spürte ganz deutlich, dass meine Lebensenergie schön fließt. Eine nette Dame in der Redaktionsküche gab mir dann den Tipp, tagsüber möglichst viel Ingwerwasser zu trinken. Dass stärkt einerseits das Immunsystem und spült andererseits den Körper gut durch. Beim Einkauf im Supermarkt habe ich heute auf die Schokolade verzichtet und stattdessen zu Sushi und Studentenfutter gegriffen. Und in meinem ipod läuft nicht mehr Trauermusik, jetzt sind fröhliche Klänge angesagt. Das einzige Problem: Happy Sound findet sich in meiner Songsammlung ziemlich wenig. Aber auch das werde ich noch ändern.
So, eine weitere rauchfreie Woche hinter mich gebracht. Nicht dass ich jetzt übermütig werde, aber zwei Wochen ohne Qualm durchgehalten zu haben, erfüllt mich schon mit etwas Stolz. Wenn Sie glauben, dass ein freier Samstag die Belohnung dafür ist, irren Sie allerdings gewaltig. Ich bin zwar nicht in der Redaktion, aber meine liebe Gattin hat beschlossen, heute einen Putztag einzulegen. Na ja, hat vielleicht auch Vorteile. Da komme ich ins Schwitzen, ohne in ein Fitness-Studio gehen zu müssen.
Manchmal frage ich mich, warum mir das Nichtrauchen solche Probleme bereitet. Gestern in der Apotheke sah ich eine CD, die neue Wunderwaffe gegen das Tschicken. Einmal anhören, nie mehr rauchen! Na wunderbar! Jeder, der schon einmal versucht hat, von den Glimmstängeln loszukommen, weiß, das solche Versprechungen reiner Unsinn sind. Der Weg in ein Nichtraucher-Leben ist lang und beschwerlich. Und es gibt kein Mittel, das die Lust nach Nikotin wegzaubert.
So, jetzt muss ich leider aufhören. Der Putztag findet leider nicht ohne mich statt. Ich freue mich direkt schon auf die Gratis-Erschöpfung. Danach eine heiße Dusche, eine gute Tasse Tee und ein Buch. Mah, gehts mir eigentlich saugut!
Ups, beinahe hätte ich heute auf mein Nichtraucher-Tagebuch vergessen. Und wissen Sie, wann es mir eingefallen ist? Jetzt eben, nach dem Essen. In einem Moment also, in dem ich ans Rauchen selbst gedacht habe. Die Zigarette nach dem guten Essen ist also fix in meinem Gedächtnis verankert. Wäre auch ein Wunder, wenn es nicht so wäre. Was man lange Jahre getan hat, "verlernt" das Gehirn nicht so schnell.
Der Putztag gestern hat mich tatsächlich ins Schwitzen gebracht. Und heute Früh bin ich mit einem fürchterlichen Muskelkater erwacht. Das zeigt mir, dass ich meinen Körper noch ziemlich auf Vordermann bringen muss. Heute, wenn das Wetter hält, werde ich eine Radtour einlegen. Da wird mir zwar jede Bewegung höllisch weh tun, aber umso mehr spüre ich mich selbst.
Erstaunlich ist, wieviele Leute mich auf dieses Tagebuch bzw. die Kurzversion davon in der Zeitung ansprechen. Selbst wenn ich wollte, könnte ich mir in der Öffentlichkeit keine Zigarette anstecken. Ich stehe sozusagen unter Dauerbeobachtung. Na ja, vielleicht hat das auch etwas Gutes. Wenn ich einmal selbst nicht die notwendige Disziplin aufbringe, diszipliniert mich eben die wachsame Öffentlichkeit und schaut darauf, dass ich nicht schwach werde.
Neuer Tag, neue Woche. Die dritte ohne Rauch. Hoffentlich! Die Entzugserscheinungen - und solche hat man definitiv, wenn man Suchtraucher ist - sind zwar kaum noch spürbar, aber jetzt beginnt der Kampf im Kopf. Mein Gehirn treibt derzeit ein besonders übles Spiel mit mir und erinnert mich an vermeintlich glückliche Momente, die ich in Zusammenhang mit einem Tschick hatte. Ein Song, der mit Rauchen verbunden ist. Ein Ort, ein Gespräch, ein Erlebnis. Wie Flashbacks tauchen diese Situationen derzeit vor meinem geistigen Auge auf und suggerieren Wohlbefinden in Zusammenhang mit Nikotin. Ich muss alle Energie aufwenden, um solche Bilder abzuwehren bzw. nicht zu dominant werden zu lassen.
Ich muss wohl akzeptieren, dass Rauchen ein wesentlicher Bestandteil meines bisherigen Lebens war. So wesentlich, dass ich ich im Moment wohl so etwas ähnliches wie eine "Trennungsphase" durchlebe. Das mag eigenartig und übertrieben klingen, ist es bei näherer Betrachtung aber nicht. Hat man sich einmal an etwas gewöhnt - und mag es noch so negativ und schädlich gewesen sein - vermisst man es, wenn es nicht mehr da ist. Wie bei jeder Trennung muss ich jetzt Loslassen. Und das geht eben nicht von heute auf morgen.
Meine Raucher- bzw. Nichtraucherbefindlichkeit ist derzeit wechselhaft wie das Wetter. Gestern war der Himmel bedeckt, heute ist er wieder strahlend blau. Langsam aber sicher kann ich mir ein Leben ohne Zigaretten vorstellen, ohne Tränen gleich der Verzweiflung zu vergießen. Sicher, um auch im Kopf ein völlig rauchfreies Leben zu führen, wird es sicher noch lange brauchen.
Natürlich ist der eigentliche, natürliche Zustand ein rauchfreier. Da haben die Leute in diesem Online-Forum schon Recht. Aber für Raucher war eben das Leben MIT dem Rauch selbstverständlich. Jetzt wieder den natürlichen und gesunden Zustand zu erreichen, ist halt der Weg, der hier beschrieben wird. Das hat nichts mit Gschisti-Gschasti zu tun, wie einige kritische Geister hier vermerkt haben, sondern mit dem Versuch, eine verloren gegangene Autonomie wiederzuerlangen.
Und ansonsten: Nüsse knabbern, weiterhin viel (Ingwerwasser und Tee) trinken, mich ab und zu belohnen, nach 17 Uhr nichts mehr essen, mehr Bewegung als vom Parkplatz bis zur Redaktion (rund 200 Meter) und der feste Vorsatz, all das länger als ein paar Wochen durchzuziehen.
Na, da habe ich mich auf etwas eingelassen! Auf Schritt und Tritt werde ich mit meinem Nichtraucher-Tagebuch konfrontiert. Unglaublich, wie viele Mensche mich ansprechen, mir mailen, mich anrufen und zum Durchhalten motivieren. Der Tag beginnt oft mit den ermunternden Worten unserer Dame in der Portiers-Loge, die selbst 40 Zigaretten geraucht hat und bereits vor langer Zeit damit aufhörte. "Sie schaffen das!", sagte mir die gute Frau erst heute in der Früh. Wenn ein Tag mit so netten Worten beginnt, kann eigentlich nichts mehr passieren.
Tut es auch nicht. Ich sitze am Computer - und vermisse nichts! Kein Gedanke an einer Zigarette! In meinem Zimmer riecht es nicht nach Tschick, sondern angenehm nach Pfefferminze und Zitrone aus der Duftlampe, im Hintergrund läuft leise Jazz-Musik und zu Mittag habe ich einen frischen Fitness-Salat genossen. Am späteren Nachmittag werde ich dann eine kurze Pause einlegen und mir eine Kanne Tee zubereiten. Was ich nie für möglich gehalten hätte: Es kann Spaß machen, gesund zu leben.
Wettermäßig ein bedeckter Tag, doch in punkto Rauchen bzw. Nichtrauchen herrscht schönster Sonnenschein! Ich fühle mich gut, habe keinerlei Bedürfnis nach einer Zigarette. Eigenartig. Sogar die Tschick, die man auf dieser Online-Seite sieht, nerven mich. Ich hoffe nur, dass ich jetzt kein militanter Nichtraucher werde.
Die Kollegin hat ihnen gestern übrigens nicht die ganze Wahrheit gesagt. Wenn sie mir etwas böses antut - wie etwa verraten, dass ich zwischendurch eine Extrawurstsemmel in der Redaktionsküche verdrücke - nenne ich sie nicht nur Hexe, sondern ALTE Hexe. Und ich sagen ihnen: Da wird sie vielleicht fuchsteufelswild! Mit "Hexe" kann sie ja leben, aber bei dem Wort "alt" sieht sie rot. Dabei besteht überhaupt kein Grund dafür. Seit Helena nicht mehr raucht, wirkt sie erstaunlich jung und frisch und lässt mich im Vergleich dazu (siehe Fotos oben) ziemlich alt aussehen. Aber abwarten: Nach jahrelangem Nichtrauchen werde auch ich ich mich wieder in einen feschen Jüngling verwandeln.
So, genug der Fantasien. Den Rest des Tages werde ich keine Gedanken mehr auf Zigaretten, Qualm oder ähnliches verschwenden. Zu lange hat dieses Zeug meine Gehirnwindungen blockiert. Jetzt wartet die neue Freiheit auf mich.
So, es ist also geschafft! In 21 Tagen rauchfrei war der Titel dieser Kolumne. Ich habe 21 Tage hinter mir - ohne Tschick! Ich könnte Purzelbäume schlagen, so gut fühle ich mich. Keine Angst, Heli, ich werde jetzt nicht übermütig. Ich weiß ja genau, dass der Schweinehund nicht schläft und mich in den nächsten Wochen und Monaten noch oft ankläffen wird. Aber ich spüre irgendwie, dass ich im Moment die Kraft habe, ihm die Stirn zu bieten.
Es wäre gelogen, zu sagen, dass diese drei Wochen ein Kinderspiel waren. Ganz im Gegenteil. Ich habe gekämpft, geflucht, gehadert, war zeitweise ungenießbar, suchte Ausreden, um wieder zu beginnen mit dem Qualmen. Aber ich habe Gott sei Dank durchgehalten. Dein Tipp zu Beginn, Heli, einem lieben Menschen zu versprechen, nicht mehr zum Glimmstängel zu greifen, hat übrigens gewirkt. War zwar nur eine "Krücke" - aber ich habe damit die ersten Schritte gemacht. Und das war sehr wichtig für mich.
Ich spüre auch, dass mir mein Körper - dem ich so lange so viel zugemutet habe - die Niktoin-Enthaltsamkeit dankt. Ich fühle mich rundum besser, wache in der Früh nicht zerschlagen auf, habe tagsüber mehr Energie, fühle mich auch im Kopf wie durchgeputzt.
Wie es weitergeht? Keine Ahnung. Mit Nichtrauchen auf alle Fälle. Und auch damit, weiterhin ausgetretene Raucher-Pfade zu vermeiden. Der Entschluss, mit dem Rauchen aufzuhören, ist für mich nur der Beginn einer Lebensumstellung, die ich anstrebe. Ich habe mir vorgenommen, mich gesünder zu ernähren, mehr Bewegung zu betreiben, mich nicht mehr vom Alltag zermürben zu lassen. Ich weiß schon, lauter gute Vorsätze, aber ich glaube, schon der Entschluss etwas zu ändern, ist viel wert. Ich bin nämlich an einem Punkt (und in einem Alter) angekommen, an dem ich merke, dass das Bisherige nicht alles gewesen sein kann und das Leben durchaus mehr zu bieten hat, wenn mas es nur zuläßt.
Bevor es zu philosophisch wird, möchte ich mich verabschieden. Aber doch nicht ganz. Die Print-Version dieser Kolumne läuft mit dem morgigen Tag aus. Aber meine Mit-Schreiberin - die mir in diesen Wochen übrigens eine wertvolle Stütze und Hilfe war - und ich haben nämlich beschlossen, das Online-Tagebuch weiterzuführen. Nicht ganz so regelmäßig wie bisher, aber wann immer wir glauben, etwas zu sagen zu haben, werden wir uns einfach melden. In diesem Sinne. See you!