25. Mai 2012 17:29 | |||||
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Mitglied seit: 08.05.2003
Geschlecht: männlich |
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Liebe Userinnen und User! Wichtige Informationen zu den Meine-Kleine-Weblogs
Herzlichen Dank, dass Sie unser Weblog-Service in den vergangenen Jahren intensiv und hoffentlich zu Ihrer Zufriedenheit genutzt haben. Leider ist es uns nicht länger möglich dieses Angebot technisch mängelfrei zur Verfügung zu stellen, weswegen wir auch auf eine Wartung der bereits bestehenden Blogs und Statistiken verzichten müssen. Wir hoffen, Ihnen in absehbarer Zeit eine attraktive Alternative in diesem Bereich anbieten zu können.
Mit der Bitte um Ihr Verständnis,
Das Team von Kleine Zeitung Digital
in
oberösterreich lernt(e) man wahrscheinlich schon im
heimatkunde-unterricht in der volksschule davon ? schließlich soll sich
die geschichte aus dem späten 13. jahrhundert ja in dieser gegend
zugetragen haben:
helmbrecht, ein bauernbursche, will nicht mehr den pflug führen,
sondern um
jeden preis ritter werden. mutter und schwester haben ihn schon mit
prachtvoller
kleidung ausgestattet und außerdem trägt er eine mit ritterlichen
motiven bestickte haube auf seinen langen blonden haaren. nur der
vater, der recht wohlhabende meier
(gutspächter) helmbrecht, steht diesen ambitionen skeptisch gegenüber
und
versucht in langen gesprächen, den sohn vom wert des bauernlebens zu
überzeugen. die argumente des alten stoßen auf die tauben ohren des
jungen, und
sobald helmbrecht vom vater das gewünschte pferd erhält, verlässt er
den
bauernhof. als er ein jahr später zurückkehrt, wird er zuerst nicht
erkannt,
weil er ? um seine welterfahrung zu demonstrieren ? seine familie auf
lateinisch, französisch, flämisch und tschechisch begrüßt. schließlich
wird dem
jungen dann doch ein festmahl bereitet, er überhäuft seinerseits die
familie
mit wertvollen geschenken und prahlt von
dem raubritterleben, das er, der sich jetzt slintezgeu ("verschlingdasland")
nennt, gemeinsam mit seinen spießgesellen führt. noch einmal versucht der vater
den sohn von seinem verbrecherischen treiben abzubringen, aber dieser sagt sich
nun von seiner familie ganz los und nimmt auch noch seine schwester mit, die er
mit seinem gefährten lemberslint (?lämmerschling?) verheiraten will. Das vom
vater prophezeite böse ende naht während der hochzeitsfeier: der gerichtsbote
des landesherrn erscheint, neun räuber werden sofort getötet, helmbrecht als
zehnter kommt mit dem leben davon, allerdings werden ihm die augen
ausgestochen und die rechte hand (schwurhand) und der linke fuß (steigbügelfuß)
abgeschlagen. als blinder bettler irrt helmbrecht nun durchs land und gelangt
auch zu seinem elternhaus, doch der vater weist ihn zurück, obwohl ihm dabei
das herz weh tut. schließlich erkennen bauern in ihm den einstigen übeltäter und
machen seinem leben ein ende, die haube helmbrechts wird zerfetzt.
über den
dichter weiß man nur, dass er geistlich, juristisch und literarisch gebildet
war ? in alois brandstetters geistreich-witzigem roman ?der geborene gärtner?
(2005) ist er klostergärtner im
chorherrenstift ranshofen, der über seinen poetischen ambitionen seine
eigentliche aufgabe vergisst. und die ?moral von der geschicht??? lange sah man
darin ausschließlich eine illustration des 4. gebots, bestens geeignet für
schullesebücher, um 'aufsässigen' jugendlichen ein abschreckendes beispiel vor
augen zu halten. der vater wurde, wie ja auch der früher übliche titel ?meier
helmbrecht? zeigt, als die eigentliche hauptperson angesehen. heute meint man darin
auch handfeste politische propaganda zu erkennen: kritik an aufsteigern, die
die ?gottgewollte? gesellschaftsordnung stören, aber indirekt auch kritik an den
adligen grundherren, die die autorität des landesfürsten nicht respektieren und
für ihre privatkriege, die fehden, bauernburschen rekrutieren und sie mit der
erlaubnis zum plündern entlohnen.
Man zoch uff einmal uß in einen Krieg mit grosen Büchsen und mit vil Geweren, wie dan Sit ist. Da stünd ein Nar da und fragt, was Lebens das wer. Man sprach: ?Man zücht in die Reiß?. Der Nar sprach: ?Was thüt man in der Reiß?? Man sprach: ?Man verbrent Dörffer und gewint Stet und verderbt Wein und Korn, und schlagen einander zü Dot.? Der Nar sprach: ?Warumb geschicht das?? Man sprach: ?Das man Friden mach.? Da sprach der Nar: ?Es wer besser, man macht vorhin Friden, damit semlicher Schaden vermitten blib. Darumb so bin ich witziger, dan euwer Herren sein, wan es mir befolhen wer, so wolt ich vor dem Schaden Friden machen und nit darnach, so der Schaden geschehen ist.?
Aus: Johannes Pauli, Schimpf und Ernst (1522)
Ir leben, ir tôt sint unser brôt,
sus lebet ir leben, sus lebet ir tôt.
sus lebent si noch und sint doch tôt
und ist ir tôt der lebenden brôt.
In den Jahren um 1210 schrieb Gottfried von Straßburg
diesen großen Liebesroman, der dann mehr als 6 Jahrhunderte später die
Vorlage für Richard Wagners Oper bilden sollte. Über den Dichter ist so
gut wie nichts bekannt, auch seinen Namen kennt man nur aus den
Fortsetzungen des unvollendet gebliebenen Werks.
Der
Waisenknabe Tristan tritt zunächst unerkannt in die Dienste seines
Onkels, des Königs Marke von Cornwall; nach Aufdeckung des
Verwandtschaftsverhältnisses wird er zum Ritter geschlagen und zum
Erben des Reichs bestimmt, was natürlich viele Neider auf den Plan
ruft. Tristan tötet im Kampf den Riesen Morolt, erhält aber durch
dessen vergiftetes Schwert eine Wunde, die nur Morolts Schwester,
Königin Isolde, heilen
kann:
So zieht er, als Spielmann Tantris verkleidet, nach Irland,
unterrichtet Isoldes gleichnamige Tochter in Sprachen und Musik, und
kehrt schließlich geheilt nach Cornwall zurück. Auf Anraten seiner
Barone beschließt der schon etwas betagte König Marke zu heiraten und
Tristan wird als Brautwerber nach Irland, zur jungen Isolde geschickt.
Die heikle Mission - jetzt kommt ja heraus, dass er der Mörder Morolts
ist ? besteht er bravourös; mit der jungen Prinzessin und deren
Dienerin Brangaene besteigt er das Schiff, das sie in das Reich Markes
bringen soll.
Was
bis jetzt wie die Karriere eines vorbildlichen ritterlichen Helden
verlaufen war, nimmt nun eine entscheidende Wende, denn versehentlich
trinken Tristan und Isolde von dem für Marke bestimmten Liebestrank:
sâ
was ouch der werlde unmuoze dâ, Minne, aller herzen lagaerîn, und
sleich z?ir beider herzen în?si wurden ein und einvalt, die zwei und
zwîvalt wâren ê, oder, wie es Dieter Kühn übersetzt hat: ?schon war
der Menschheit Unrast da, LIEBE, die Fallenstellerin der Herzen, stahl
sich hinein in beider Herzen?die vorher zwei und zwiegeteilt, sie
wurden eins und ungeteilt?
(Fortsetzung folgt)
Nach der Ankunft in Cornwall beginnen das ?Versteckspiel?
und die Täuschungsmanöver der Liebenden: In der Hochzeitsnacht nimmt die
Dienerin Brangaene den Platz Isoldes im Bett ihres Gatten ein, als König Marke seine
Frau leichtfertig an den Spielmann
Gandin verliert, gewinnt Tristan sie zurück, und Isolde kann mit ruhigem
Gewissen behaupten, nur in den Armen Tristans gelegen zu sein, als er sie vom
Schiff zurück an Land trug. Immer wieder versuchen die Neider den König vom
Ehebruch seiner Gattin zu überzeugen, aber mit List schaffen es Tristan und
Isolde, jeden Verdacht zu entkräften, selbst ein Gottesurteil (Isolde soll ein
glühendes Eisen tragen) geht zu Gunsten der Liebenden aus, und der Erzähler
bemerkt, dass auch der tugendhafte Christus Sympathie für das Paar zeigt und
?wie ein Ärmel im Wind flattert? ? *danke, Herr Eckart, wie Sie sehen, hab ich
es nicht vergessen!:-)*
Schließlich verbannt König Marke das Paar, das
daraufhin fernab der gesellschaftlichen Zwänge ein paradiesisches Leben in der
so genannten ?Minnegrotte? führt. Jedes Bauelement dieser ?Grotte? trägt, wie
der Erzähler erklärt, eine symbolische Bedeutung, so steht zum Beispiel der
grüne Marmorfußboden für die Treue und der Türriegel aus Elfenbein für die Reinheit,
das kristallene Bett ist der ?Göttin Minne? geweiht. Als aber Tristan und
Isolde dort schlafend entdeckt werden, liegt zwischen ihnen Tristans Schwert,
als Zeichen dafür, ?dass nichts passiert sei?? Da nach der Rückkehr an den Hof
das Paar doch einmal ?in flagranti? erwischt wird, muss Tristan ins Ausland
fliehen und steht im Herzogtum Arundel dem dortigen Fürsten im Krieg bei ; der
Lohn soll die Ehe mit der ? nicht zuletzt wegen der Namensgleichheit reizvollen
? Prinzessin Isolde Weißhand sein.
Hier bricht Gottfrieds Roman ab. Den Schluss kennt man aus
einer früheren Fassung des Stoffes (Eilhart von Oberge) sowie aus den
Fortsetzungen Ulrichs von Türheim und Heinrichs von Freiberg aus dem 13. Jahrhundert: Im Kampf wird
Tristan schwer verwundet, nur die ?echte? Isolde kann ihm Heilung bringen. Als
das Schiff kommt und Isolde Weißhand dem im Sterben liegenden Tristan in
lügnerischer Absicht sagt, die Segel seien schwarz - sie sollten weiß sein,
wenn die Geliebte an Bord wäre -, stirbt der Held. An seiner Bahre stirbt auch
Isolde ihren Liebestod, und der reumütige König Marke lässt das Paar nach
Cornwall überführen und in einem gemeinsamen Grab bestatten.
Aus diesem Grab
wachsen ein Rosenstrauch und ein Weinstock, die sich untrennbar ineinander
verschlingen.
Warum Gottfried von Straßburg den Roman nicht vollendet hat, ob er zu
früh starb, ob er in Anbetracht der ?anstößigen? Geschichte die Gunst seines
Auftraggebers verlor oder einfach nicht mehr weiter wusste, wird unklar
bleiben. Tristan und Isolde sind ? wie Pyramus und Thisbe, wie Romeo und Julia
? seit langem tot, aber der Mythos lebt(e) weiter, inspiriert(e) immer wieder
die künstlerische Fantasie, und diente ? wie im Fall Richard Wagner ? auch
dazu, der ?privaten Beziehungskiste? höhere Weihen zu verleihen *ggg* - liebe Wagnerianer,
bitte verzeiht mir diese sehr ketzerische Interpretation!;-)
diesmal in der Version von Martin Luther:
EJn Lewe, Fuchs und Esel iagten mit einander und fiengen
einen Hirs. Da hies der Lewe den Esel das Wilpret teilen. Der Esel macht drey Teil,
des ward der Lewe zornig und reis dem Esel die Haut über den Kopff, das er
blutrüstig da stund, Und hies den Fuchs das Wilpret teilen. Der Fuchs sties die
drey Teil zusamen und gab sie dem Lewen gar. Des lachet der Lewe und sprach,
Wer hat dich so leren teilen? Der Fuchs zeiget auff den Esel und sprach, Der Doctor
da im rotten Parret.
Diese Fabel leret zwey Stücke. DAs erste, Herrn wollen
vorteil haben, und man soll mit Herrn nicht Kirsschen essen, sie werfen einen
mit den Stilen. Das ander, Felix, quem
faciunt aliena pericula cautum. Das ist ein weiser Man, der sich an eines
andern Unfal bessern kan.
magnolies eintrag zum film "das sakrileg" hat mich auf die idee gebracht, hier für alle, die es interessiert, ein bisschen darüber zu erzählen, was in der dichtung des mittelalters über diesen geheimnisvollen "gral" berichtet wird:
der gral taucht erstmals beim französischen dichter chrétien de troyes ("le conte du graal", ca. 1180) auf, wo er als goldene, mit juwelen besetzte schale beschrieben wird. auf einer geheimnisvollen burg sieht der romanheld perceval eine prozession, wo neben dem gral auch eine blutende lanze herumgetragen wird: ganz offensichtlich wird der burgherr, der todkranke "fischerkönig", von der im gral aufbewahrten hostie am leben erhalten. perceval aber hätte durch die frage nach der bedeutung des grals den könig von seinem leid und die stehen gebliebene zeit wieder in gang setzen können.
wie die geschichte ausgeht, erzählt dann mehr als 20 jahre später wolfram von eschenbach in seinem "parzival": bei ihm allerdings ist der gral nun keine schale mehr, sondern ein vom himmel gefallener magischer stein, und er weiß das von einem kyot aus der provence, der wiederum in arabischen büchern eines gewissen flegetanis im spanischen toledo darüber gelesen haben soll. verschwörungstheorien gab es also schon 800 jahre vor dan brown;-) jedenfalls schafft es wolframs held, noch einmal die gralsburg zu finden, dem kranken könig die erlösungsfrage zu stellen (ganz banal übrigens: "oheim, was fehlt euch?") und schließlich, da er ja familiär vorbelastet ist, selbst gralskönig zu werden.
ein anderes, bis heute nachwirkendes bild des gral liefert der französische dichter robert de boron: der gral sei der abendmahlskelch, in dem nach der kreuzigung joseph von arimathia das blut christi aufgefangen habe. dieser kelch sei dann später von den nachfahren josephs nach england, nach avaron bzw. avalon gebracht worden, womit für die zukunft die gralsgeschichte mit der von könig arthur und den rittern seiner tafelrunde verknüpft wird.
diese geschichte wird ausführlich im französischen lancelot-roman des 13. jahrhunderts erzählt, der dann später auch ins deutsche übersetzt wurde: man erfährt hier vom zauberer merlin, der die eltern von arthur/artus zusammenführt und deren sprößling trickreich auf den thron bringt, man erfährt von der verhängnisvollen beziehung zwischen lancelot, dem besten ritter der tafelrunde, und der frau des königs artus, guinevere, und man liest auch vom plötzlichen erscheinen des grals an einem pfingsttag, der zur auflösung der tafelrunde führt: alle ritter brechen nun zur suche nach dem gral auf, das "pantscherl" zwischen lancelot und der königin sowie die machtergreifung von artus' unehelichem sohn mordred führen in der folge zum tod des königs und zum untergang seines reiches.
im späten 15. jahrhundert hat dann der englische dichter sir thomas malory der geschichte einen optimistischeren schluss verliehen: artus sei nicht tot, sondern von den feen nach avalon gebracht worden, wo er auf seine wiederkehr warte.
"und was passierte mit dem gral?", werden jetzt viele fragen. auf dieses schon von chrétien de troyes und wolfram von eschenbach hinterlassenene rätsel versuchte zb im 13. jahrhundert ein deutscher dichter namens albrecht eine antwort zu geben, indem er fabulierte, der gral sei nach indien gebracht und von dort in den himmel entrückt worden. steven spielbergs "indiana jones" fand den gral (in "der letzte kreuzzug" 1989) dann in höhlenlabyrinthen des nahen ostens, und nach dan brown soll er nun unter der umgedrehten pyramide des neuen louvre-eingangs in paris platz gefunden haben - ob es seine letzte ruhestätte ist, möchte ich bezweifeln...
wer allerdings die meiner meinung nach witzigste geschichte über den gral (und andere mittelalterliche mythen) lesen will, dem empfehle ich umberto ecos roman "baudolino", mehr sei hier nicht verraten!;-)