25. Mai 2012 17:39 | |||||
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Ermutigung
Du, laß dich nicht verhärten
in dieser harten Zeit.
Die allzu hart sind, brechen,
die allzu spitz sind, stechen
und brechen ab sogleich.
Du, laß dich nicht verbittern
in dieser bittren Zeit.
Die Herrschenden erzittern
- sitzt du erst hinter Gittern -
doch nicht vor deinem Leid.
Du, laß dich nicht erschrecken
in dieser Schreckenszeit.
Das wolln sie doch bezwecken
daß wir die Waffen strecken
schon vor dem großen Streit.
Du, laß dich nicht verbrauchen,
gebrauche deine Zeit.
Du kannst nicht untertauchen,
du brauchst uns und wir brauchen
grad deine Heiterkeit.
Wir wolln es nicht verschweigen
in dieser Schweigezeit.
Das Grün bricht aus den Zweigen,
wir wolln das allen zeigen,
dann wissen sie Bescheid
geb. 27. 10. 1928 im nur per schiff erreichbaren dorf natashquan am nordufer des st.lorenz-stroms, beginnt schon in den 40er jahren als gymasiast in rimouski gedichte zu schreiben, sammelt während des studiums in laval und montréal erste theatererfahrungen, arbeitet anschließend, neben seiner tätigkeit als lehrer, für das fernsehen, gründet einen verlag und wendet sich ab 1960 dem chanson zu. 1967, nach de gaulles denkwürdigem staatsbesuch in kanada ("vive le québec libre!") wird er auch in europa entdeckt: gemeinsam mit anderen frankokanadischen chansonniers tritt er an 3 abenden im pariser "olympia" auf und macht 1968 eine frankreich-tournee. In den folgenden jahren pendelt er zwischen kanada und europa, erhält u.a. den renommierten schallplatten-preis der "académie charles cros" und gibt bejubelte konzerte im olympia, im bobino und im théâtre de la ville. In québec engagiert er sich für die unabhängigkeitsbewegung, tritt 1974 gemeinsam mit felix leclerc und robert charlebois bei der "superfrancofête" vor 130.000 zuschauern auf. heute, mehr als 30 jahre später, ist er zweifellos der "barde national du québec", hat aber nichts an spontaneität, herzenswärme und poetischer kraft verloren, wie eine seiner letzten cds, "au bout du coeur" (2003), eindrucksvoll beweist.
geboren in brüssel, bricht im alter von 24 jahren aus seiner bürgerlichen existenz (ehe, arbeit in der väterlichen kartonagenfabrik) aus, um in paris als chansonnier zu reüssieren, auftritte in kleinen klubs, bevor ihm 1957 mit seiner 2. lp und 1958 mit dem auftritt im pariser "olympia" der durchbruch gelingt. es folgen zahlreiche plattenaufnahmen, konzerte und tourneen, bis er 1967 das ende seiner laufbahn als chansonnier verkündet. er schreibt die frz. fassung des musicals "der mann von la mancha" und spielt in filmen (u.a. von claude lelouch); 1975 zieht er sich, bereits schwer krank, auf die insel hiva-oa in französisch-polynesien zurück. im herbst 1977 nimmt brel seine letzte lp "les marquises" auf, die zu einem millionenerfolg wird, ein jahr später, am 9. oktober 1978, stirbt er in einer pariser klinik und wird auf hiva-oa, ganz in der nähe des malers paul gauguin, beigesetzt. zu brels populärsten chansons zählen "ne me quitte pas", "amsterdam", ?"a valse à mille temps", "quand on n'a que l'amour", die nicht nur von französischen künstlern, sondern u.a. auch von david bowie und sting interpretiert wurden; bei uns wurden seine lieder vor allem in der kongenialen version von michael heltau bekannt. ob das folgende lied sich auch in heltaus repertoire findet, weiß ich nicht; bekannt wurde es jedenfalls, als ein gewisser terry jacks 1973 - mit einem reichlich verharmlosten text - damit den welthit "seasons in the sun" landete.
le moribond (der todgeweihte)
adieu, émile, ich mochte dich gern,
adieu, émile, ich mochte dich wirklich gern,
wir haben den gleichen wein,
die gleichen mädchen
und den gleichen kummer besungen.
adieu, émile, ich werde sterben,
es ist hart im frühling zu sterben, du weißt,
aber ich gehe zu den blumen mit frieden in der seele,
denn weil du harmlos wie weißbrot bist,
weiß ich, dass du dich um meine frau kümmern wirst.
ich will, dass ihr lacht,
ich will, dass ihr tanzt,
ich will, dass ihr euch wie verrückte amüsiert,
ich will, dass ihr lacht,
ich will, dass ihr tanzt,
wenn man mich in die grube legt.
adieu, pfarrer, ich mochte dich gern,
adieu, pfarrer, ich mochte dich wirklich gern,
wir standen nicht auf derselben seite,
wir waren nicht auf demselben weg,
aber wir suchten denselben hafen.
adieu, pfarrer, ich werde sterben,
es ist hart im frühling zu sterben, du weißt,
aber ich gehe zu den blumen mit frieden in der seele,
denn da du ihr vertrauter warst,
weiß ich, dass du dich um meine frau kümmern wirst.
ich will?
adieu, antoine, dich mochte ich nicht,
adieu, antoine, dich mochte ich wirklich nicht,
ich krepiere beim gedanken, heute zu krepieren,
während es dir verdammt gut, viel zu gut geht.
adieu, antoine, ich werde sterben,
es ist hart im frühling zu sterben, du weißt,
aber ich gehe zu den blumen mit frieden in der seele,
denn da du ihr liebhaber warst,
weiß ich, dass du dich um meine frau kümmern wirst.
ich will?
adieu, meine frau, ich mochte dich gern,
adieu, meine frau, ich mochte dich wirklich gern,
aber ich nehme jetzt den zug zum lieben gott,
ich nehme den zug, der vor deinem abfährt,
aber wir alle nehmen den zug, den wir gerade erwischen.
adieu, meine frau, ich werde sterben,
es ist hart im frühling zu sterben, du weißt,
aber ich gehe zu den blumen mit geschlossenen augen, meine frau,
denn da ich die augen oft zugedrückt habe,
weiß ich, dass du dich um mein seelenheil kümmern wirst.
ich will...
zu georges moustaki:
geboren in alexandria (ägypten) als sohn eines griechischen buchhändlers, kam anfang der 50er jahre nach paris, erste auftritte im vorprogramm von jacques brel, schrieb zunächst hauptsächlich lieder für andere interpreten, u.a. yves montand, juliette gréco, barabara und vor allem edith piaf ("milord" ), mit der er auch eine zeitlang liiert. war. mit "le métèque" begann 1968 seine erfolgskarriere als interpret, die bis heute andauert; "le temps de vivre", "ma liberté", "ma solitude", "il est trop tard" sind zu klassikern des chansons geworden. immer wieder reagierte er auch auf politische ereignisse (zb mai 68, "nelkenrevolution" in portugal 1974) und griff einflüsse anderer stilrichtungen auf, zb in seiner "brasilianischen" phase mitte der 70er jahre.
die carte du tendre entstand im frankreich des 17. jahrhunderts als eine art "gesellschaftsspiel" in den adeligen salons unter maßgeblicher beteiligung von mademoiselle de scudéry und madame de rambouillet. in form einer allegorischen landkarte mit ortschaften, bergen und gewässern wird der weg der liebe mit allen gefahren und irrwegen dargestellt.flussaufwärts, entlang
der ufer des zusammentreffens
bis zu den quellen der verzauberung
dort sieht man im anbrechenden tag,
wie sich ein traumland öffnet:
das zärtliche land der liebenden.
man geht los, mit herzen bebend
vom glück, gemeinsam aufzubrechen,
ohne zu wissen, was einen erwartet.
so beginnt die reise
quer durch die klippen und luftspiegelungen
der liebe und ihrer wirrungen.
wildbäche der verleumdung
zerreißen jäh die stille
und versuchen alles mitzunehmen.
und dann riskiert man schiffbruch,
wenn einen der wind zu den
inseln der untreue trägt.
anderswo treibt einen die strömung
zu den felsen der zwietracht
und des einander-nicht-ausstehen-könnens.
schließlich wird die gegend kahl:
das ist die wüste der gewohnheit,
wo der überdruss alles zerstört hat.
wenn der weg zu lang wird,
kommt der rastplatz der lüge,
die herberge ?zur eifersucht?:
man sättigt sich dort mit rachsucht
und betrinkt sich mit bitterkeit,
die überheblichkeit leistet dabei gesellschaft.
aber während alles den bach runter zu gehen scheint,
lässt der fluss weiter sein lebendes wasser fließen,
und man bricht wieder ins unendliche auf,
bis man an der küste der zärtlichkeit
den garten entdeckt, wo man sich niederlassen kann:
das gelobte land des vergessens
Die 1972 gegründete Gruppe trat zuerst in kleinen Cafés und Studentenklubs in Montréal auf und schuf sich eine so große Fangemeinde, dass ihre ersten LPs Verkaufsrekorde erreichten. Die Mischung aus Jazz- und Rock-Elementen, der mehrstimmige Gesang und die aus dem urbanen Alltagsleben gegriffenen Texte machten Beau dommage auch im frankophonen Europa populär. 1978 trennten sich die 6 Musiker, um Solokarrieren zu starten, fanden aber 1984 und nochmals ab 1992 zu gemeinsamen Auftritten und der Produktion eines Albums zusammen. Ihre Lieder sind mittlerweile Klassiker der "chanson québecoise"
Samedi soir
In Montréal, in den Dörfern und Städten
wo es Clubs, Bars oder Grills gibt
zieht man sich gut an, als ob Sonntagmorgen wär -
es ist Samstagabend.
Wenn man zufällig auf der anderen Seite des Zauns steht,
man zu denen gehört, die man "Gegenkultur" nennt,
zieht man an, was man halt hat und geht in die Altstadt runter -
es ist Samstagabend.
Der Samstagabend ist ein leuchtender Spiegel im Dunklen,
Der Samstagabend ist eine Münze, die du hochwirfst
"Kopf" - du hast Glück, "Zahl" - du hast keins.
selbst wenn du verlierst, brauchst dir nichts draus zu machen,
beim nächsten Mal erfängst du dich wieder
Wieviele Hockey-Ehefrauen und -Witwen
schauen ihren Brüdern und später ihren Männern vor dem Fernseher zu,
wie sie zu zweit eine Kiste Bier leeren? "Vorwärts, Lemaire!" -
Es ist Samstagabend.
In ihren großen Schlitten, die wie läufige Katzen wirken,
lassen die Typen an der Straßenecke ihre Motoren aufheulen,
um den anderen zu sagen, dass sie allein sind oder nicht allein -
es ist Samstagabend.
Der Samstagabend ist...
Solche wie ich sind inzwischen unterwegs, um was zu sehen
und hoffen, was anderes als einen billigen Porno zu finden,
Liebesfilme, Horrorfilme, alles wär recht ...
Es ist Samstagabend.
Vergiss alle, die dir gestern auf die Nerven gegangen sind,
vor allem denk nicht an den öden Sonntag,
für einen Abend öffnet die Woche uns ihre weißen Hände -
es ist Samstagabend.
Le samedi soir c't' un miroir brillant dans le noir
Le samedi soir c't' un trente sous lancé d'ins airs
Pile t'as du fun, face t'en as pas
Même si tu perds, faut pas t'en faire
Tu te r'prendras la prochaine fois
Moi, mes souliers ont beaucoup voyagé
Ils m'ont porté de l'école à la guerre
J'ai traversé sur mes souliers ferrés
Le monde et sa misère.
Ich und meine Schuhe sind weit gereist
sie haben mich von der Schule in den Krieg getragen,
ich habe in meinen eisenbeschlagenen Schuhen
die Welt und ihr Elend durchquert.
Ich und meine Schuhe, wir sind durch Wiesen gegangen,
ich und meine Schuhe, wir haben den Mond betreten
dann haben meine Schuhe bei den Feen geschlafen
und haben mehr als eine zum Tanzen gebracht.
Auf meinen Schuhen ist das Wasser der Felsen,
der Schmutz der Felder und die Tränen der Frauen,
ich kann aber sagen, dass sie immer den Pfarrer,
unser Land, den lieben Gott und die Seele respektiert haben
Alle Schuhe, die in den Städten unterwegs sind,
Schuhe eines Bettlers und Schuhe einer Königin,
eines Tages werden sie aufhören, die Böden abzunutzen,
vielleicht noch diese Woche
Im Paradies, meine Freunde, scheint kein Platz zu sein
für blank polierte Schuhe,
also beeilt euch, eure Schuhe schmutzig zu machen,
wenn ihr Vergebung erlangen wollt.