25. Mai 2012 22:28 | |||||
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Also nahtlos weiter: Mogwai, die Band aus Schottland mit dem finsteren Blick, ließen ihre geniale Musik für sich sprechen und brachten ein fast ausschließlich instrumentales Set. Mehr als nur eine Entschädigung für die Enttäuschung beim ATP Festival.
Eine weitere Band, die ich ebendort aber gesehen habe, spielt direkt darauf auf der zweiten Bühne: Modest Mouse. Da das Programm von Tag drei aber mehr als nur dicht ist - und Arcade Fire!!!!! gleich beginnen, gönne ich ihnen wieder nur ca. 20 Minuten, die mich wieder nicht ganz überzeugen können. Der raue Sound, die nicht wirklich hörbare Gitarre von Johnny Marr, die zwei Schlagzeuger, die trotzdem nicht genügend Druck machen .... Nein, besser zu Arcade Fire.
Dem wunderwunderwunder-baren kanadischen Kollektiv fliegen schon nach den ersten Tönen von "Keep the car running" völlig uzu Recht die Herzen des Publikums zu. Euphorie, Song für Song - und zwar bei den Fans und bei den Musikern selbst, die sichtlich großen Spaß an ihrer Musik haben. Und wenn man in Holland Bands heiraten könnte, sollte es am besten diese sein.
Als ich Bright Eyes bzw. Connor Oberst das erste Mal gesehen habe, saß er völlig verloren mit Akustik-Gitarre auf der Frequency-Bühne, als Metallica-Aufheizer völlig deplatziert (eigentlich eine Frechheit der Veranstalter) und wurde von aufgebrachten Metalheads beschimpft. Ein ganz anderer Connor war nun auf der Bühne des Southside zu sehen: Ganz in weiß gekleidet, mit einem sexy All-Female-Streichquartett und Band verstärkt (auch alle ganz in weiß gekleidet). Leider lockt auf Bühne eins schon wieder ein Highlight, also weiter ...
... zu Bloc Party. Sänger Kele Okereke, der wohl einzige schwarze Superstar der Indie-Szene, und seine Band haben schon bei ihrem letzten Wien-Konzert zwiespältige Kritiken erhalten und so verhält es sich für mich auch bei diesem Festival-Gig. Obwohl - Achtung, jetzt kommt ein kurzer Teeniegirlie-Kreisch-Satz: - Kele in einem schwarzgelb gestreiften Bienen-Shirt zum Anbeißen aussieht, will der Funke nicht so richtig überspringen. Vielleicht sind die Alben einfach zu gut, irgendetwas fehlt leider. Obwohl sich die Band zum Ende ("Helicopter") hin steigert, denke ich, dass da irgendwie mehr drin sein sollte.
Wieder eine wunderbare Band aus New York steht mit Interpol an, doch vorher gibt es eine Gedenkminute für den am Donnerstag bei dem durch ein Unwetter verursachten Zusammensturz der Zeltbühne ums Leben gekommenen Sanitäter Daniel. Ein zweiter Helfer, der ebenfalls schwer verletzt wurde, ringt immer noch im Krankenhaus ums Leben.
Gut, dass nach so bewegten Momenten mit Interpol eine eher düstere Band auf die Bühne kam. Die vier New Yorker, die auf jeden Fall in Sachen Stil Platz eins meiner persönlichen Southside-Charts verdient hätten, brachten wenig Überraschungen, dafür einfach ein sehr gutes Konzert mit ein paar Vorgeschmäckern auf ihr in Bälde erscheinendes drittes Album "Our love to admire".
Die würdige Abschlussband des Festivals kam ebenfalls aus New York: Die Beastie Boys, längst von frechen unkorrekten Buben ("Fight For Your Right To Party") zu überall ernst genommenen Kritikerlieblingen mutiert, haben es trotz leichter Überschreitung eines "Boy"-Alters immer noch voll drauf, eine Riesenshow abzuziehen. Mixmaster Mike, ein wahrer Wizard an den Turntables tut sein Übriges zur Stimmung. Die Songs reichen von früheren Punk-Zeiten ("Heart-Attack Man") über alte Partyhits wie "No Sleep Till Brooklyn" bis hin zu Konsens-Krachern wie "Intergalactic" und der Zugabe "Sabotage" - letzteres wurde George W. Bush gewidmet.
Damit ging ein wirklich wunderbares Festival zu Ende, das vor allem durch tolle Bands (ganz besonders hervorzuheben: Sonic Youth, Arcade Fire, Mogwai, Art Brut und eben die Beastie Boys), sehr gute Organisation, braves Wetter (wäre nur der Sturm am Donnerstag nicht gewesen, davon bekamen die Festivalbesucher Gott sei Dank nur durch das Fehlen einer Bühne mit) und viele sympathische Besucher möglich wurde. Auf die Frage des örtlichen Supermarktbetreibers hin habe ich geantwortet "Ich komme gerne wieder". Vielleicht sollte man aber hinzufügen: Wenn das Southside ein bisschen näher an die Steiermark rückt (jetzt sind es über 700 km)´...