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Liebe Userinnen und User! Wichtige Informationen zu den Meine-Kleine-Weblogs

Herzlichen Dank, dass Sie unser Weblog-Service in den vergangenen Jahren intensiv und hoffentlich zu Ihrer Zufriedenheit genutzt haben. Leider ist es uns nicht länger möglich dieses Angebot technisch mängelfrei zur Verfügung zu stellen, weswegen wir auch auf eine Wartung der bereits bestehenden Blogs und Statistiken verzichten müssen. Wir hoffen, Ihnen in absehbarer Zeit eine attraktive Alternative in diesem Bereich anbieten zu können.

Mit der Bitte um Ihr Verständnis,

Das Team von Kleine Zeitung Digital

von gangflow am: 19.05.2005, 15:51 Uhr

Die beliebteste aller Suchmaschinen kommt immer mehr in ein schiefes Licht - seit Gmail am am digitalen Marktplatz ist. Das ist ein webbasierter E-Mail-Dienst, der zwar fünf Gigabyte an freiem Speicher mit
integrierter Google-Suche unter den Mails bietet - sich auf der anderen
Seite aber sehr für den Inhalt dieser E-Mails interessiert und nach
eingehendem Scannen dementsprechend Werbung platziert. Verdient doch
Google gut und ausschließlich mit Anzeigen. Der Verlust der
Privatsphäre ist der Preis für den Gratis-Dienst.

Eine weiteres Google-Werkzeug ist die Desktop-Suche. Auch hier gilt: Bezahlt wird mit Aufgabe der Intimsphäre am eigenen Rechner.


So. Und die kritische Vorrede ändert nix daran, dass die Desktop-Suche
aber so was von einem genialen Tool ist, dass.... Keine Ahnung. Einfach
super. Es dauert zwar einige Zeit bis sämtliche Dateien (Texte, Fotos,
E-Mail- und Instant-Messenger-Korrespodenz, abgespeicherte Websites
u.v.m. was sich halt so ansammelt) indiziert werden. Das geht übrigens
während der PC im Ruhestand ist.
Dann aber geht suchmäßig die Post ab dass es dem Wauwau von der
integrierten Windows-Suche die Ohrwaschel nur so beutelt vor Neid. Dann finden sich
die Dokumente beim Suchen auf Mausklick -
so schnell wie Google Websites ausspuckt (ich gehe von einer
Breitbandverbindung aus). Schwere Empfehlung!
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von gangflow am: 15.05.2005, 02:03 Uhr

Bei einer Party hat ein
afrikanischer Freund gegenüber einer jungen Schwedin das Wort
"Tattare" fallen gelassen. Ihre Reaktion war entsetzt -
"Sag dieses Wort nie wieder in Gegenwart eines Schweden",
sagte sie. "Das ist das schlimmste Bezeichnung, die es gibt."
Warum das so ist, und wie diese Volksgruppe der Roma sonst zu
bezeichnen wäre, wollte sie nicht sagen. "Wechseln wir das
Thema". Auch ich habe die Sache mit den Tattare von einer
deutschen Gastprofessorin erfahren - in der offiziellen
Geschichtsschreibung unterbleibt das Thema.

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von gangflow am: 08.05.2005, 02:03 Uhr
Der Schwede ist blond, hellhäutig und groß gewachsen. Er fährt
einen nicht  mehr ganz neuen Volvo, auch wenn er - weil
umweltbewusst - bei jeder Gelegeheit mit dem Fahrrad zu seinem Arbeitsplatz fährt. Er trinkt
gerne Leichtbier (aber nur am Wochenende!), isst für sein Leben gerne
Weißbrot mit Erdbeermarmelade und ist aus Konservativismus heraus
Sozialdemokrat.
Er hat 1,35 Kinder und heißt Herr Svensson.
Jedes Jahr machen sich schwedische Medien auf die Suche nach Herrn
Svensson, den tyischen Schweden. Bislang ohne Erfolg. Denn ebenso wie
seine 1,35 Kinder ist
Herr Svensson reine Fiktion,  Produkt einer statistik-verliebten
Bürokratie auf der Suche nach Prototypen - die nebenbei chauvinistisch
genug ist, Frau Svensson völlig zu ignorieren. Was Frau Svensson (die
ich mir schon aus Prinzip sympathischer vorstelle) wohl ziemlich recht
sein dürfte. Weil, ich glaube sie geniert sich irgendwie für
ihren sterbenslangweiligen Mann und seinen ebenso freundlichen wie
nichtssagenden Erdbeermarmeladen-Sozialismus.

Vielleicht ist es ein Zuviel an Erdbeermarmelade das den Blick auf die
Vergangenheit verschleiert. Denn auch wenn der schwedischer
Wohlfahrtsstaat zu seiner besten Zeit (in den 60er Jahren, als Schweden
durch eine ebenso geschickte, wie für den westlichen Teil der Welt
äußerst radikal anmutende Umverteilung der Güter zu
beispiellosem Wohlstand kam) vieles richtig
gemacht hat - etwa in der Außenpolitik, die von bedingungsosen
Humanismus gezeichnet war - so verleugnet die Mehrzahl der Schwedinnen
und Schweden doch die Leichen im Keller des "folkhemm".

Tatsache ist, dass quasi-faschistische, sozialdarwinistische
Geister bei der Gründung des Wohlfahrtsstaates in den 20ern des
vorherigen Jahrhunderts Pate gestanden sind. Das für seine Zeit
einzigartige soziale Netz war nicht zuletzt der Hoffnung geschuldet,
die maßloßen Schweden  zu disziplinieren (im
Foucaultschen Sinne). Getragen wurde der Wohlfahrtstaat von der Idee
einer homogenen Gemeinschaft der Schwedinnen und Schweden die in der Lage waren,
sinnvoll an der Gesellschaft teilzuhaben. Teilzuhaben setzte voraus:
Sesshaftigkeit, Arbeitsfähigkeit und den Willen zur Partizipation am
gesellschaftlichen Leben.

Bis Ende des zweiten Weltkrieges wurden im sozialistischen Schweden
(das dem unter anderem ebenfalls "Sozialismus" in seinem Namen
führenden deutschen Regime Zeit durchaus Sympathien entgegenbrachte)
Tausende Roma (in
Schweden pejorativ "Tattare" genannt) zwangssterilisiert. Erst nach dem
Krieg besann man sich eines Besseren und fand eine (um nicht zu
sagen österreichische) Lösung: Die Volksgruppe der Tattare wurde als
nicht mehr existent erklärt. Sagma es war nix. Durch dieses Vorgehen
ersparte man sich gewissermaßen ein öffentliches mea culpa - die der
Zwangssterilisation zugrundeliegende Idee wurde keineswegs aufgegeben,
bloß
wurden die Tattare in den "Volkskörper" integriert.

Aber nicht nur diese Nomaden verwehrten sich nolens volens dem
heimeligen Volksheim - eine zweite Gruppe war nicht in der Lage der
Gemeinschaft zurückzugeben was sie empfangen hatte: Behinderte, vor
allem geistig Behinderte. Ihre Zwangsserilisation wurde weiter geführt
(auch wenn der Gesetzgeber prinzipiell vorsah, ihr Einverständnis
einzuholen, was de facto  in vielen Fällen durch Erpressung
geschah). Diese Eugenik,
die sich nicht zuletzt durch eine (Zitat!) "ökonomische" Notwendigkeit
rechtfertigte, dauerte bis 1975
an. Und es dauerte wiederum bis 25 Jahre, bis ein Journalist die
Geschichte
aufdeckte um sie einer breiteren Mehrheit bekannt zu machen - mit mehr
oder
weniger Erfolg. In den öffentlichen Diskurs ist dieses Kapitel bis
heute nicht eingegangen.
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von gangflow am: 03.05.2005, 01:43 Uhr

Großartig. So gegen Mitternacht läuft hier auf irgend einem
Privatsender die HBO-Soap „Oz“ über den Alltag in einem US-Gefängnis.
Regie führt Steve Buscemi der hierzulande vor allem für seine Filme
mit den Gebrüdern Coen („The Big Lebowski“) bekannt ist. Die Sendung
wurde in den Staaten für ihre Realitätsnähe gelobt (und wohl insgeheim
dafür verteufelt) – exzessive Gewaltszenen, korrupte Vollzugsbeamte,
Drogenmissbrauch und selbstredend kiloweise F-Wörter auf der einen
Seite, eine verquere Ästhetik menschlicher Abgründe, ab und an
transzendiert durch kaum mehr als angedeutete Momente der
Menschlichkeit hinter Gittern auf der anderen.

Ein rastalockiger Afroamerikaner im Rollstuhl ist – Häftling selbst – wie in einer
griechischen Tragödie Kommentator der collageartig aufgebauten
Aufzeichnungen aus dem Kellerloch.

„Here
is the story, and it is true“, moderiert er eine Sequenz über einen
schwachsinnigen
Mörder an, der hingerichtet werden sollte. Sein Bruder, auch er ein
Häftling, klagt das amerikanische System an: „Er ist krank, er
wusste nicht was er tat, als er den Mann umbrachte. Er ist unschuldig.“
Dennoch ist der Narr, der sich kindlich über die Henkersmahlzeit und
den Fernseher - „ganz für mich allein?“ - freut, des Todes. Er lacht
noch als er zum elektrischen Stuhl geführt wird, unwissend, was ihn
erwartet. Erst als sich die Gummi-Spangen um seine Hände schließen und
ihm ein verkabelter Eisen-Helm, der seinem kleinen imbezibilen Kopf
viel zu groß ist, aufgesetzt wird, bekommt er es mit der Angst zu tun.
„Was für ein Spiel ist das? Ich mag das nicht.“ Überblendung durch die
Plexiglasscheibe zu seiner Mutter, die auf einer Art Gallerie sitzt und
die Hände faltet. Eine Nonne drückt sie um die Schultern,
sagt etwas Unverständliches. Was soll eine Nonne in so einem Moment
auch sagen? Schnitt. Sein Bruder wirft Körbe am Baskeltball-Platz und
betet zu Gott dass ein Wunder geschen möge. Ein Gefängnisbeamter legt
einen Schalter um, die Kamera hält unbarmherzig drauf während der Strom
den zitternden Körper des Kurt-Cobain-Lookalikes mit den fettigen
Haaren durchfährt, bis sein Kopf zur Seite fällt.

Vordergründig ohne politische Intention kommt diese Soap daher (ganz
anders als zum Beispiel "Dead Man Walking"). Der
gesellschaftspolitische Anspruch ergibt sich vielmehr dadurch, dass sie
die ungeschönte Realität in amerikanischen Gefängnissen als TV-Soap
getarnt in die Wohnzimmer der US-Bürgerinnen und -Bürger trägt.
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von gangflow am: 13.04.2005, 20:19 Uhr
Mein Vater, der in den 60ern des vorherigen Jahrhunderts den Sueden
Schwedens erkundet hatte (als Gastarbeiter, was damals durch die extrem
hohen Löhne ziemlich populär war) weiss zwar zu erzählen, dass ihm ein
plötzlicher Wutanfall sämtliche Tueren geöffnet hatte. Auf
Wohnungssuche machte seinem Ärger lautstark Lufte, weil er sich von
einer Vermittlung ausgenommen fuhlte. Kurz danach hatte er eine
Wohnung, aber mit seiner Einschuechterungstaktik ist er zweifellos moralisch
abgestunken.

Tatsächlich nämlich feiert die gute alte sozialpartnerschaftliche
Tradition des Konsens in Schweden fröhliche Urständ. "Das hängt damit
zusammen, dass bei diesen Temperaturen jeder Streit
Energeiverschwendung wäre". Mein Schwedisch-Professor hält eine etwas
hausbackene Erklärung bereit. Anders ein schwedischer Historiker, der
es folgendermassen auf den Punkt bringt: "Seit dem Frieden von Nystad
(1721) hat es in Schweden keinen Freundliche Schweden, wollen nicht streitenKrieg mehr gegeben. Und die Herrschenden haben erkannt dass es schlicht ökonomischer
ist, im Einklang mit ihren Untergebenen zu handeln." Ein interessanter
Aspekt: Neutralität, immerwährender Friede, eine exzellente
Gesprächsbasis zwischen den (mittlerweile gewählten) Autoritäten und
dem Volk plus der behaglichen Nestwärme des "Volksheimes" (wie der
Volksmund zum Wohlfahrtssystem sagt, dass allen Reformen zum Trotz
immer noch sehr gemütlich ist).

Das alles sei nur einem Ziel geschuldet: Kostenminimierung "on the
long run", weil Konflikte einen unkalkulierbaren Kostenfaktor
darstellen. Zugegebenermassen eine ziemliche Vereinfachung, die
aber ein unbestreitbares Merkmal
schwedischer Mentalität durchaus trifft.

Und jetzt fällt mir partout
nix mehr ein dazu.
Fortsetzung folgt.

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von gangflow am: 07.04.2005, 16:26 Uhr

Foto: G. FladertVarberg liegt ziemlich genau auf halbem Weg von Halmstad nach Göteburg. Laut Eigendefinition auf der Homepage www2.varberg.se gehört das Städtchen zu einer der expandierendsten Regionen Schwedens. 

Eigentlich sind wir nur mit dem Auto in der
Gegend herumgekurvt - ein zweifelhaftes Vergnuegen mit einer
ueberaus emotionalen Französin (Julie) in einem kleinen Twingo,
der wie die Hölle geht, auf schwedischen Strassen zu fahren. Die
Autofahrer hierzulande halten sich nämlich peinlichst genau an die
Geschwindigkeitsbegrenzungen (am liebsten noch darunter). Julie: "Merde, merde, fucking Swedes". Dann den dritten Gang reingedroschen undnix wie auf die linke Fahrspur. Ihre Uberholmanöver waren selbst nach österreichischen Massstäben... kreativ.
Schätze mal wir wären kollektiv des Landes verwiesen worden, wenn uns
die Kieberei erwischt hätte.  Hat sie aber zum
Glueck nicht, weil die hier oben davon ausgehen dass sich wegen der
rigorosen Strafen eh niemand traut zu schnell zu fahren.

In Varberg sind wir dann eher
zufällig angekommen. Das Städtchen/Die Gemeinde/Der Markt/Das Dorf
(keine Ahnung wie die richtige Bezeichnung lautet) ist relativ bekannt
wegen seines Badehauses,
das auch im Winter geöffnet hat (hier wird das Meerwasser so weit
erwärmt, dass man darin baden kann.) Das Badehaus birgt ein ziemlich
nettes Cafe, das Kaffee-Junkies wie Schreiber dieser Zeilen mit
erfreulich niedrigen Preisen ueberrascht (umgerechnet cirka 1 Euro
40 oder so fuer eine megamässig grosse Tasse).

Die
zweite Sehenswuerdigkeit in Varberg ist das Schloss, dass
ausserordentlich gut erhalten ist. (eigentlich ist in Schweden alles
gut erhalten weil es nämlich in Schweden seit seit 400 Jahren oder so
keinen Krieg gegeben hat. Ähnlich wie die Schweiz hat
sich Schweden gegenueber Hitler - kooperativ - verhalten, am
Anfang durften sogar deutsche Truppen durchmarschieren.  Erst
später, als sich der Endsieg partout nicht einstellen
wollte, haben sich die schlauen Schwedinnen und Schweden auf die
Seite der Aliierten geschlagen).  

Schloss Varberg konnten wir nur von aussen beaugapfeln, das im Inneren
untergebrachte Museum war blöderweise geschlossen. In frueheren
Zeiten muss das eine ziemlich uneinnehmbare Festung gewesen sein
- von ihrer frueheren Stellung zeugt noch der Name
Varberg (=Wehrburg) sowie ein gutes Dutzend Kanonen
die sowohl auf die Zufahrtswege als auch aufs Meer hin gerichtet
sind.  Arme Schweine muessen das gewesen sein, die
einmal geglaubt haben, Varberg angreifen zu muessen (oder
warscheinlich eher: denen glauben gemacht wurde, dass sie es muessten).

 

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von gangflow am: 24.03.2005, 21:04 Uhr

Die Strand-Fotos sind schon einige Wochen alt - mittlerweile duerfte es in Tylosand (20 km ausserhalb von Halmstad) schon etwas wirtlicher aussehen.

Interessant habe ich vor allem gefunden, wie öde und abgefuckt sich dieser Strand im Winter gibt - in ein paar Monate ist er Tummelplatz fuer tausende Touris, schnieker Ausflugsort fuer die schwedische Prominenz, die scharenweise in den Sueden pilgert.
Der Sänger von Roxette (dessen Name mit entfallen ist) betreibt einen grossen Club dort. Tylosand wird die "Riviera", oder (je nach Belieben) die Cote d'Azur Skandinaviens genannt.

Klarerweise nur von Skandinavieren...

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