26. Mai 2012 02:35 | |||||
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Mitglied seit: 08.05.2003
Geschlecht: männlich |
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Liebe Userinnen und User! Wichtige Informationen zu den Meine-Kleine-Weblogs
Herzlichen Dank, dass Sie unser Weblog-Service in den vergangenen Jahren intensiv und hoffentlich zu Ihrer Zufriedenheit genutzt haben. Leider ist es uns nicht länger möglich dieses Angebot technisch mängelfrei zur Verfügung zu stellen, weswegen wir auch auf eine Wartung der bereits bestehenden Blogs und Statistiken verzichten müssen. Wir hoffen, Ihnen in absehbarer Zeit eine attraktive Alternative in diesem Bereich anbieten zu können.
Mit der Bitte um Ihr Verständnis,
Das Team von Kleine Zeitung Digital
Bei einer Party hat ein
afrikanischer Freund gegenüber einer jungen Schwedin das Wort
"Tattare" fallen gelassen. Ihre Reaktion war entsetzt -
"Sag dieses Wort nie wieder in Gegenwart eines Schweden",
sagte sie. "Das ist das schlimmste Bezeichnung, die es gibt."
Warum das so ist, und wie diese Volksgruppe der Roma sonst zu
bezeichnen wäre, wollte sie nicht sagen. "Wechseln wir das
Thema". Auch ich habe die Sache mit den Tattare von einer
deutschen Gastprofessorin erfahren - in der offiziellen
Geschichtsschreibung unterbleibt das Thema.
Großartig. So gegen Mitternacht läuft hier auf irgend einem
Privatsender die HBO-Soap „Oz“ über den Alltag in einem US-Gefängnis.
Regie führt Steve Buscemi der hierzulande vor allem für seine Filme
mit den Gebrüdern Coen („The Big Lebowski“) bekannt ist. Die Sendung
wurde in den Staaten für ihre Realitätsnähe gelobt (und wohl insgeheim
dafür verteufelt) – exzessive Gewaltszenen, korrupte Vollzugsbeamte,
Drogenmissbrauch und selbstredend kiloweise F-Wörter auf der einen
Seite, eine verquere Ästhetik menschlicher Abgründe, ab und an
transzendiert durch kaum mehr als angedeutete Momente der
Menschlichkeit hinter Gittern auf der anderen.
Ein rastalockiger Afroamerikaner im Rollstuhl ist – Häftling selbst – wie in einer
griechischen Tragödie Kommentator der collageartig aufgebauten
Aufzeichnungen aus dem Kellerloch.
Tatsächlich nämlich feiert die gute alte sozialpartnerschaftliche
Tradition des Konsens in Schweden fröhliche Urständ. "Das hängt damit
zusammen, dass bei diesen Temperaturen jeder Streit
Energeiverschwendung wäre". Mein Schwedisch-Professor hält eine etwas
hausbackene Erklärung bereit. Anders ein schwedischer Historiker, der
es folgendermassen auf den Punkt bringt: "Seit dem Frieden von Nystad
(1721) hat es in Schweden keinen
Krieg mehr gegeben. Und die Herrschenden haben erkannt dass es schlicht ökonomischer
ist, im Einklang mit ihren Untergebenen zu handeln." Ein interessanter
Aspekt: Neutralität, immerwährender Friede, eine exzellente
Gesprächsbasis zwischen den (mittlerweile gewählten) Autoritäten und
dem Volk plus der behaglichen Nestwärme des "Volksheimes" (wie der
Volksmund zum Wohlfahrtssystem sagt, dass allen Reformen zum Trotz
immer noch sehr gemütlich ist).
Das alles sei nur einem Ziel geschuldet: Kostenminimierung "on the
long run", weil Konflikte einen unkalkulierbaren Kostenfaktor
darstellen. Zugegebenermassen eine ziemliche Vereinfachung, die
aber ein unbestreitbares Merkmal
schwedischer Mentalität durchaus trifft.
Und jetzt fällt mir partout
nix mehr ein dazu.
Fortsetzung folgt.
Varberg liegt ziemlich genau auf halbem Weg von Halmstad nach Göteburg. Laut Eigendefinition auf der Homepage www2.varberg.se gehört das Städtchen zu einer der expandierendsten Regionen Schwedens.
Eigentlich sind wir nur mit dem Auto in der
Gegend herumgekurvt - ein zweifelhaftes Vergnuegen mit einer
ueberaus emotionalen Französin (Julie) in einem kleinen Twingo,
der wie die Hölle geht, auf schwedischen Strassen zu fahren. Die
Autofahrer hierzulande halten sich nämlich peinlichst genau an die
Geschwindigkeitsbegrenzungen (am liebsten noch darunter). Julie: "Merde, merde, fucking Swedes". Dann den dritten Gang reingedroschen undnix wie auf die linke Fahrspur. Ihre
Uberholmanöver waren selbst nach österreichischen Massstäben... kreativ.
Schätze mal wir wären kollektiv des Landes verwiesen worden, wenn uns
die Kieberei erwischt hätte. Hat sie aber zum
Glueck nicht, weil die hier oben davon ausgehen dass sich wegen der
rigorosen Strafen eh niemand traut zu schnell zu fahren.
In Varberg sind wir dann eher
zufällig angekommen. Das Städtchen/Die Gemeinde/Der Markt/Das Dorf
(keine Ahnung wie die richtige Bezeichnung lautet) ist relativ bekannt
wegen seines
Badehauses,
das auch im Winter geöffnet hat (hier wird das Meerwasser so weit
erwärmt, dass man darin baden kann.) Das Badehaus birgt ein ziemlich
nettes Cafe, das Kaffee-Junkies wie Schreiber dieser Zeilen mit
erfreulich niedrigen Preisen ueberrascht (umgerechnet cirka 1 Euro
40 oder so fuer eine megamässig grosse Tasse).
Die
zweite Sehenswuerdigkeit in Varberg ist das Schloss, dass
ausserordentlich gut erhalten ist. (eigentlich ist in Schweden alles
gut erhalten weil es nämlich in Schweden seit seit 400 Jahren oder so
keinen Krieg gegeben hat. Ähnlich wie die Schweiz hat
sich Schweden gegenueber Hitler - kooperativ - verhalten, am
Anfang durften sogar deutsche Truppen durchmarschieren. Erst
später, als sich der Endsieg partout nicht einstellen
wollte, haben sich die schlauen Schwedinnen und Schweden auf die
Seite der Aliierten geschlagen).
Schloss Varberg konnten wir nur von aussen beaugapfeln, das im Inn
eren
untergebrachte Museum war blöderweise geschlossen. In frueheren
Zeiten muss das eine ziemlich uneinnehmbare Festung gewesen sein
- von ihrer frueheren Stellung zeugt noch der Name
Varberg (=Wehrburg) sowie ein gutes Dutzend Kanonen
die sowohl auf die Zufahrtswege als auch aufs Meer hin gerichtet
sind. Arme Schweine muessen das gewesen sein, die
einmal geglaubt haben, Varberg angreifen zu muessen (oder
warscheinlich eher: denen glauben gemacht wurde, dass sie es muessten).
Die Strand-Fotos sind schon einige Wochen alt - mittlerweile duerfte es in Tylosand (20 km ausserhalb von Halmstad) schon etwas wirtlicher aussehen.
Interessant habe ich vor allem gefunden, wie öde und abgefuckt sich dieser Strand im Winter gibt - in ein paar Monate ist er Tummelplatz fuer tausende Touris, schnieker Ausflugsort fuer die schwedische Prominenz, die scharenweise in den Sueden pilgert.
Der Sänger von Roxette (dessen Name mit entfallen ist) betreibt einen grossen Club dort. Tylosand wird die "Riviera", oder (je nach Belieben) die Cote d'Azur Skandinaviens genannt.
Klarerweise nur von Skandinavieren...