26. Mai 2012 05:02 | |||||
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So ein Sonntag im Bett, ist gemütlich und nett, sang einmal Wencke Myhre. In Kitzbühel ist das anscheinend Programm. Zum ersten Slalom-Durchgang verirrten sich gerade eine handvoll Zuschauer. Der Rest wird wohl noch schwerstens am Kater vom Samstag leiden, an dem die Innenstadt eher einer Alkoholiker-Party gleicht. Gut, umfallen kann man kaum, gegen 15.00 Uhr waren in der Innenstadt geschätzte 30.000 Menschen unterwegs. Normal hat Kitz 6500 Einwohner, man kann sich also vorstellen, dass es, sagen wir, gedrängt zu geht. Aber nicht nur Normalbürger blieben anscheinend lieber im Bett, auch die VIP-Tribüne war, gelinde gesagt, spärlich besetzt.
Die Slalom-Fahrer waren aber putzmunter. Und das Tagesgespräch war auch schnell gefunden: Der Loch-Schi von Fischer, die Renaissance des berühmten Schis, mit dem Harti Weirather, der jetzige Kitz-Macher, 1982 in Schladming Abfahrts-Weltmeister wurde.
Jetzt hat man im Slalom ein Loch im Schi - Zeit für ein bisschen Fachsimpelei und einen Versuch der Erklärung, was das Loch im Schi bringen soll.
Aerodynamisch macht es im Slalom keinen Sinn. Es geht viel mehr um zwei Dinge: 1.) Verwindung. Auf Slalom-Schi kommt ein ziemlicher Druck, wenn die 90-kg-Bröckerln draufsteigen. Diese Kraft muss der Schi auf die Piste bringen. Das soll möglichst ruhig geschehen, dass heißt, der Schi muss zum einen den Druck von oben aushalten, soll sich aber zum anderen dem Gelände anpassen (also etwaigen Wellen) und wenn möglich immer mit der gesamten Kantenlänge am Schnee aufliegen. Dafür muss er sich verwinden. Und das Loch vorne soll dazu beitragen, weil sich der Schi der Längsachse nach besser verdrehen kann.
Das zweite Argument ist das Gewicht. Um etwas auszuholen: Durch den Druck auf den Schi wird dieser gebogen. Rein physikalisch ist es logisch, dass etwas, dass sich verbiegt, irgendwann in die andere Richtung eine Gegenbewegung startet. Um den unheimlichen Kräften standzuhalten, sind die Schi derzeit so steif gebaut wie nie zuvor, deshalb federn sie aber erst recht zurück, wenn sie einmal gebogen werden.
An der Schispitze und am Schiende sind diese Gegenbewegungen aber nicht erwünscht, weil der Schi dadurch eine Art Eigenleben erfährt und für den Fahrer nicht mehr so leicht zu kontrollieren ist. Zitat Rainer Schönfelder: "Und das ist ja blöd, weil der Chef soll ja schon ich sein. Der Schi muss das tun, was ich will..."
Ein Loch im Schi - vorne und hinten - bedeutet in diesem Bereich auch weniger Gewicht. Und weniger Gewicht heißt weniger Schwingung. Jedes Gramm ist dabei hilfreich, denn durch den Druck auf den Schi wirkt ein Gramm etwa wie ein Kilogramm im Schwung. Weniger Gewicht heißt also, einfach ausgedrückt: Der Schi schwingt nicht mehr so viel und lange und ist leichter zu kontrollieren.
Klingt kompliziert, ist es auch...
P.S.: Ein Risiko hat der Schi natürlich auch: Durch das Loch ist die Gefahr groß, dass die Spitze bei einem Schlag oder durch einen Stein bricht. Würde das mit beiden Schi passieren, würde der Fahrer disqualifiziert. Aber das Risiko nehmen die Fischer-Fahrer anscheinend gern auf sich.