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von guha am: 12.10.2009, 16:27 Uhr

Chronistin alpiner Brotkultur

 

Gerade rechtzeitig zur Woche des Brotes (12. - 18. Oktober) erschien im Mitteldeutschen Verlag das Buch "Brot - Teil des Lebens". 

 

Die Verbindung von Japan mit Kärnten und Osttirol ist um eine Facette reicher: Ein Buch zum Lesachtaler Brot, verfasst in Japan, ist neu am Markt. Zur Vorgeschichte: 2008 errichtete der Osttiroler Ofensetzer Josef Steinringer ein Brotbackhaus nach Lesachtaler Vorbild in der Millionenstadt Tokyo. Erste Versuche im Brotbacken machten die Japaner beim Lesachtaler Brotfest. Im Land der aufgehenden Sonne waren es Brigitte und Ernst Joast aus Lienz, die in einem mehrwöchigen Kurs den Japanern das Backen im neuen Backhaus beibrachte. Und Yoshiko und Hiroshi Suzuki waren ein halbes Jahr Lehrlinge in der Bäckerei Joast in Lienz. Mittlerweile haben die beiden in der Olympiastadt Nagano eine Bäckerei geründet und "schon bald gibt es frisches Schwarzbrot", schreibt Yoshiko Suzuki.

 Jetzt gibt es auch ein Buch zum Lesachtaler Brot - geschrieben von einer Japanerin: Die Universitätsprofessorin, Ethnologin und Europa-Spezialistin Eiko Funada beschäftigt sich schon über 40 Jahre lang mit dem Thema "Europäische Brotkultur". "Ich kenne viele Regionen in Europa", sagt die Volkskundlerin, "aber nirgendwo habe ich noch so viel erhaltenes Brauchtum rund ums Brot gefunden wie im Lesachtal." 1978 begann Eiko Funada mit den ersten Erhebungen zur Tradition des Brotbackens. Nahezu 80 Gewährsleute hat die Forscherin befragt. Kaum ein Haus im Tal ist ihr unbekannt. "Ich kenne deshalb fast jede Küche, den Esstisch, die Schublade und oft sogar den Inhalt." Sie untersuchte aber auch jeden Backofen im Tal und erforschte, wie die Hausfrau das Brot bäckt. In ihrem Buch "Brot - Teil des Lebens" schildert sie den mühsamen Arbeitsvorgang vom Korn bis zum fertig gebackenen Brot. Für jeden Arbeitsgang gab es Überlieferungen der Vorfahren, dazu kam die eigene Erfahrung und Weisheit. "So haben die Lesachtaler ihre Brotkultur bewahrt und eigene festliche Bräuche entwickelt, die in diesem Buch festgehalten sind." Auch viele alte Hausrezepte finden sich in dem Werk."Man kann von einer nachhaltigen Forschung reden, wie sie heute nicht mehr möglich ist", schreibt Konrad Köstlin vom Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien. Das betrifft die zeitliche Dauer und die Intensität der Langzeitstudie. Immer wieder kam Funada ins Lesachtal und hat die Frauen beim Brotbacken beobachtet und "diese haben der remden mehr und gewiss anderes erzählt, als sie das einer Wissenschaftlerin aus Österreich oder gar einem Mann erzählt hätten", meint Köstlin.

Herausgeber des Buches ist das Komitee zum Lesachtaler Brotfest, erschienen ist es im Mitteldeutschen Verlag. Die Neuerscheinung wird 2010 bei der Leipziger und auch bei der Frankfurter Buchmesse vorgestellt.

Wo gibt es das Buch?

Buchhandlung Moser, Kötschach

Bäckerei und Konditorei Matitz, Kötschach

In den Geschäften des Lesachtales

Buchhandlung Tyrolia, Lienz

Buch u. Papier Geiger, Lienz

Bäckerei und

Konditorei Joast, Lienz

Oder einfach unter www.brotfest.at bestellen. 

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