Meine Mutter und ich – zwei Frauen die weniger Gemeinsamkeiten haben als wir und doch aus einer Familie kommen, die gibt es glaub ich gar nicht. Sie ist aktiv musikalisch mit exzellentem Klavierspiel – ich bring keinen richtigen Ton zustande, nicht einmal beim Singen. Sie hasst Handarbeiten, ich tue nichts lieber als abends beim Fernsehen stricken, oder mit den Kindern Tischdecken mit Stoffmalfarben bepinseln. Sie liebt es, opulente Feste zu feiern und groß aufzukochen, ich bin froh, wenn ich mit meiner Alltagskocherei meine Familie nicht vergifte.
Als die Kinder zur Welt kamen, lernte ich meine Mutter von einer ganz neuen Seite kennen. Ich wurde eher streng und sehr konsequent erzogen. Zurückreden, überflüssige Fragen und Naschereien vor dem Essen: Undenkbar. Bei meinem Nachwuchs war sie dann der Geduldsengel in Person. Keine noch so nervende Frage nach dem Warum, Wieso, Wie lange und Weshalb blieb unbeantwortet. Kam sie zu Besuch, gab es immer Krapfen oder Pudding als Mitbringsel. Dann blieb das Gulasch oft genug unberührt – egal, Hauptsache die Nachspeise wurde gegessen. Auf meine lauten und stummen Vorwürfe sagte sie nur – und das in einem ganz besonderen Tonfall: Tja mit dem Erziehen bist jetzt du dran. Ich hab lange genug gestrenge Mutter und gleichzeitig Vaterersatz (meine Eltern ließen sich scheiden als ich drei war) spielen müssen. Meine Enkel will ich nur verwöhnen – und wenn sie mir zuviel werden, dann lade ich sie bei dir ab. Na, bravo, dachte ich mir.
Letztlich war mir aber niemand, auch nicht der Erzeuger der lieben Kinder, eine so große Hilfe bei der Erziehung, wie meine Mutter. Die Zeit, die sie sich für Gespräche, Spiele und zum Zuhören genommen hat, ist unbezahlbar. Sie hat das Familienleben auf ihre Weise unglaublich bereichert, obwohl wir oft wochenlang im Streit gelegen sind, jede Menge Meinungsverschiedenheiten über das Großziehen von Kindern ausgetragen haben, ihre Ratschläge für ein gelungenes Zusammenleben von Männlein und Weiblein völlig aus der Zeit waren, ich der Meinung war, dass es sie nichts angeht wie wir unseren Urlaub planen und welche Haustiere problemlos zu halten sind auch nicht usw, usw. .
Heute, da meine Mutter bereits seit mehreren Jahren tot ist, fehlt sie mir immer noch unglaublich. Manchmal habe ich das Bedürfnis sie einfach anzurufen, und ihr vom Tierarztbesuch mit dem Meerschweinchen zu erzählen, von den Schulproblemen der Kinder oder einem Missverständnis zwischen meinem Liebsten und mir. Was mich früher manchmal belastet hat, geht mir jetzt ab. Man möchte meinen, ich weiß nicht was ich will. Das kommt wohl daher, dass ich jetzt spüre, dass trotz aller Unterschiedlichkeit sie die Einzige war, die mich immer , zumindest versuchsweise, verstanden hat. Die Einzige, die mich ohne wenn und aber geliebt hat, wie ich eben bin – ohne Kompromisse. Egal was ich angestellt hatte. Immer.
Und das Schlimmste ist, dass mir das erst so spät bewusst geworden ist. Nicht, dass es mir niemand gesagt hätte, dass nur eine Mutter zu dieser ihr eigenen Affenliebe imstande ist. Aber wirklich gefühlt habe ich es erst, als sie schon nicht mehr da war. Was würde ich nicht alles darum geben, könnten wir noch einmal so herzhaft darüber diskutieren, ob es notwendig ist, sie täglich mindestens einmal anzurufen, das Festessen mehrmals und Wochen im Vorhinein zu planen und nicht beleidigt zu reagieren, wenn sie mich mit ihrem unbestechlichen Drang nach Wahrheit kritisiert.
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Endlich ist es wieder soweit. Der Ausverkauf hat begonnen. Jedes Jahr setzt er früher ein, diesmal genau am 27. Dezember, also genau sechs Tage nach dem kaldendarischen Winterbeginn ist schon wieder Schluss mit der kalten Saison in den Boutiquen.
Ich kann da nicht widerstehen. Ich brauche einen Wintermantel, Stiefel, eine Hose, vielleicht zwei Pullover – da in den verschiedenen Modejournalen auch schon Fotoreportagen von den Laufstegen in Paris, Mailand und New York gebracht werden, in denen die Trends von übermorgen Thema sind, ist die Wahl der richtigen Schnitte und Farben auch keine Lotterie mehr.
So weit so gut. Die erste Hürde wäre geschafft! Ich habe da eine Hose gesichtet, toll. Ein „die muss ich haben“ - Modell. Ein schmeichelndes hellgrau in Flanell, gerade und klassisch geschnitten . Damit wäre ich sicher die nächsten drei Saisonen bestens gekleidet. Allerdings wäre sie die mindestens achte dieser Art in meinem Schrank, sollte sie mir wirklich passen. Jetzt, nach den Weihnachtsfeiertagen, weiß ich nicht, brauch ich schon Größe 42 -ist natürlich nicht mehr vorrätig- oder geht Größe 40 auch noch? Es nützt nichts, ich muss probieren.
Ich hasse sie, diese Umkleidekabinen! Meist sind sie furchtbar muffig. Wessen Schweiß hier wohl gespeichert ist? Nein ich will es doch nicht wissen! Eng sind sie meist und ohne Stuhl - wohin mit der Handtasche ?- , mit einem einzigen Kleiderhaken ausgestattet, an dem eben genau das neue Stück dann hängt. Soll ich meine Kleidung auf den Boden legen, oder was? Ist auch nicht gerade ganz sauber. Logisch bei dem nassen Winterwetter. Der Vorhang geht nie ganz zu, sodass jeder meine Speckröllchen gewollt oder ungewollt zu Gesicht bekommt. Aber noch schlimmer als alles, was ich bisher aufgezählt habe, sind diese tückischen Schwingtüren. Sie sind meist so knapp gehalten, dass jeder im Laden mitkriegt, wie man sich aus seinen Klamotten wurschtelt. Spiegel? i, wo. So nach dem Motto, so nahe vor dem Spiegel kann man die Passform des guten Stückes ohnehin nicht beurteilen. Also raus in den Verkaufsraum, mit einem Teil, von dem man keine Ahnung hat, wie es einen kleidet, ohne Schuhe, ist man den mitleidigen Blicken Fremder ausgesetzt. Die Tasche mit Handy, Kreditkarten und Bargeld bleibt unbewacht in der Kabine. Wer nimmt schon sein Täschchen mit, nur um in den Spiegel zu schauen, der leider oft genug ein Bild des Grauens bietet: Die Hose hab ich zwar an, der Reisverschluss ist zu, aber sie ist viel zu lang und bei den Oberschenkeln zu weit. Ich sehe aus, wie die Verliererin beim Sackhüpfen. Oh Schreck. Da kommt gerade die modebewusste und äußerst elegant gekleidete Mutter einer Freundin meiner Tochter durch die Tür. „Um die Mitte passt die Hose hervorragend“, meint die Verkäuferin motivierend. Sie mit einem verächtlichen Blick strafend husche ich in die Kabine, ich sage kein Wort, schlüpfe in meine gute alte Hose und verlasse rauschend die Boutique. Ich überlege, ob es nicht vorteilhafter wäre, einen Rock zu kaufen und betrete die nächste Modefalle, wo mir der Gang zur Umkleidestation mit einem Rock zu mühsam erscheint. Denn wie zu dieser Einkaufssaison nicht anders zu erwarten, stehen schon fünf andere Frauen um sich in die nächste freie Kabine zu zwängen. Ich prüfe nochmals das Teil in meiner Hand, drehe mich um und finde einen Traum von taubengrauem Wollrock mit passendem Twinset in Kobaltblau. Schnell entschlossen greife ich zu Größe 40. Ich werde doch wohl wieder zu meinem Normalgewicht zurückfinden, hoffe ich – und zahle.
Zu Hause angekommen, mache ich mir einen Erdbeertee und probiere in aller Gemütsruhe meine Neuerwerbung. Mein Ankleideraum ist hell, freundlich und groß genug, um dem Atem freien Lauf zu lassen. Aber genau der stockt mir, denn der Rock geht leider nicht zu. Ich werde meinen heiß geliebten Erdbeertee gegen einen Schlankheitskräutertee tauschen, den Hometrainer etwas öfter traktieren und das Buch mit den phantasievollen Rohkosttipps hervorholen müssen, um den Winterspeck wieder unter Kontrolle zu kriegen.
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Wir sind eine dieser Puzzle- oder Patchwork Familien. Nach meiner Scheidung habe ich drei Kinder von zwei Vätern in die neue Beziehung mit meinem Liebsten eingebracht, und gemeinsam haben wir noch eine kleine Tochter gebastelt. Dass nicht alle mit den urfamiliären Genen bestückt sind, merkt aber niemand und so machen wir uns den Großteil des Jahres auch keine Gedanken, wer wessen Kind ist und so. Nur in der Adventzeit wird es kritisch.
Da meldet sich doch glatt der Erstvater, um am Christkindlmarkt einzukaufen. Oder um den Adventsonntag gemeinsam mit dem seit einem Jahr nicht gesehenen Kind verbringen zu wollen. Daran ist ja auch nichts Schlechtes. Einerseits. Andererseits weiß dieser Gelegenheitsvater ganz genau, dass am ersten Adventsonntag bei uns traditionellerweise Kekse gebacken werden, und zwar gemeinsam mit den Kindern, denn allein tu ich mir das auf keinen Fall an. Ich hasse den klebrigen Teig auf Fingern, Nudelbrett und Keksformen. Aber ich liebe natürlich den herrlichen Duft von Zimt und Nelken und mehr noch die roten Wangen der Kinder, die mit Feuereifer bei der Sache sind. Gegen die Attraktion des Megaeinkaufs im Weihnachtsgetümmel schau ich mit meiner Weihnachtsbäckerei aber natürlich alt aus. Welche 15jährige nimmt nicht gerne das schlechte Gewissen des Vaters als Gelegenheit, sich endlich alle Wünsche, vom ultramegageilen neuen Handycover bis zur hippen Jeans samt dazupassendem Oberteil und der neuen CD von Robbie Williams erfüllen zu lassen. Anschließend ist noch ein Lunch beim Chinesen am Buffet angesagt. Ich akzeptiere das Schicksal aller Puzzlefamilien: Nimm dir nichts vor, denn alles kommt sowieso anders als du plast.
Kaum habe ich mich damit abgefunden, dass wir nur zu viert Kokosbusserl und Vanillekipferl backen werden, läutet das Telefon und der Erstvater meines Ältesten meldet sich und fragt, ob er nicht auf einen Sprung vorbeikommen könnte. Klar, kein Problem. Also noch ein Ausfall – und da wir ja alle Freunde sind, auch wenn wir uns nicht mehr lieben, heißt das, dass ich mich mit an den Tisch setzen muss, wenn ich mich nicht als unhöflich erweisen will. Die Kekse müssen warten. Nicht nur eine Stunde. Nein, zwei, drei Stunden netteste familiäre Unterhaltung! Es wird sechs Uhr abends. Zahlt sich die Patzerei da noch aus? Mein Ältester hat sich schon zu seinem Schlagzeug verzogen, mit dem Versprechen selbstverständlich für die Verkostung der Mandelbögen zur Verfügung zu stehen. Die Kleine reibt schon müde ihre Äuglein – und ich? Ich bin stinksauer. Heuer fällt das Backen aus. Es gibt nur gekaufte oder geschenkte Kekse. Ich mag sie sowieso nur des Geruchs wegen – und den hol ich mir aus der Duftlampe. Zimt und Orange gemischt. Herrlich!

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Neulich in der Bank: Ein freundliches Guten Morgen. Die neue Frisur passt Ihnen gut Frau X. Ich möchte meinen Überziehungsrahmen etwas anheben, kurzfristig, sag ich selbstbewusst, damit sie nicht merkt, dass ich kein gutes Gefühl bei der Sache habe. Ich achte darauf, dass meine Hand nicht zittert, wenn ich ihr die Kundenkarte hinhalte. Sie lächelt mich unverbindlich über ihre Brillengläser hinweg an, tippt etwas in den Computer, schaut lange auf den Bildschirm. Sie wirft mir einen prüfenden Blick zu. Mir rutscht das Herz in die Hose. Sie sagt nichts, tippt wieder, schaut nochmals.
Kommen Sie doch bitte mit ins Büro, meint sie zu mir.
Ich fühle mich wie seinerzeit im Internat, wenn ich etwas angestellt habe und mich die Heimleiterin zur Rede stellen wollte. Ist das zu fassen, wundere ich mich über mich selbst. Ich bin doch Kundin hier. Kundin! Die leben von meinen Zinsen, und dem vieler anderer kleinen Leutchen, die genauso mit den Steuern und Sozialversicherungsabgaben kämpfen wie ich. Ich hab nichts angestellt, ich zahle meine Rechnungen fast immer pünktlich und ich lasse mir auch ohne Widerrede jeden Monat einen saftigen Betrag an Kreditzinsen vom Konto abbuchen. Ein Umstand der mich nur noch mehr in die roten Zahlen bringt. Und wenn ich ihnen nun zu noch mehr und noch fetteren Einnahmen verhelfen will – immerhin kostet der Überziehungsrahmen ja mehr an Zinsen als ein normaler Kredit - dann komm ich mir vor, als ob ich bei einem Überfall erwischt worden wäre!
Im Büro setzt sich Frau Leitner neuerlich hinter ihren Computer, ich sehe nur von hinten den Kabelsalat. Ja, liebe Frau X..., Frau Leitner schaut mir tief in die Augen, um meine Redlichkeit zu prüfen. Ihre Haushaltsrechnung müssen wir dann wohl neu aufstellen, die ist ja schon zwei Jahre alt. Was kommt denn monatlich so regelmäßig aufs Konto? Ich denk mir, das muss sie doch bald besser wissen als ich, schließlich sitzt sie vor meinen Kontoauszügen. Aha, ja, meint sie leutselig. Das ist aber nicht viel. Ist das wirklich alles? Haben Sie ein Konto bei einer anderen Bank auch noch? Streng schaut sie über den Brillenrand. Ja, gebe ich zerknirscht zu. Die Familienbeihilfe kommt auf einen anderes Konto. So, so - warum das denn? Will sie wissen. Besser wäre alles auf ein Konto, dann kommen mehr Eingänge..... Sie wissen schon.... Aber schauen wir mal was Sie für Ausgaben haben. Telefon, Strom, Kindergarten, Kredite, Auto, Medikamente, Kosmetikartikel.... nun aber halt, mal. Ich wollte eigentlich nur lächerliche 1.000 Euro mehr Rahmen Frau Leitner, befristet, bis September. Dann ist die Zahlung für ein großes Projekt fällig und ich bin mit einem Schlag wieder im Plus! Frau Leitner schaut mir ins Gesicht, nachdenklich, sie sagt nichts. Ihr Gesichtsausdruck ist mitleidig. Sie holt tief Luft. Ich weiß, jetzt kommt eine Erklärung. So ist es auch. Ich erspare Sie Ihnen an dieser Stelle. Sparen ist ja in jeder Hinsicht angesagt. Der langen Rede kurzer Sinn: Wenn meine Bank nicht bis ins kleinste Detail weiß, wofür ich ihr Geld ausgebe, einen Bürgen beibringen kann und meine Lebensversicherung als Sicherheit dazulege – keine Chance. Eine Frau, unverheiratet – Lebenspartner zählen da nicht, mit vier Kindern in Ausbildung, die selbst freiberuflich tätig ist – nein so jemand ist eines Überziehungsrahmens nicht würdig. Aus. Da hilft nicht das Argument jahrelanger Kundentreue oder der Nachvollziehbarkeit, dass man seine Bankschulden noch immer brav getilgt hat – nichts. Ich bin völlig fertig. Damit hatte ich nicht gerechnet.
Aber eines weiß ich ganz gewiss – sobald die Zahlung meines Großauftrags am Konto ist, bin ich weg von diesem Institut . Aber mit Sparbuch und allem, inklusive dem meiner Kinder. Die Zinsen dafür, sind im Gegensatz zu den zu zahlenden Zinsen sowieso lächerlich, da weiß man ja schon kaum mehr, wie man die lieben Kleinen überhaupt zum Sparen motivieren soll. Das Unverhältnis ist frappierend: Arbeitet die Bank mit meinem Ersparten, bekomme ich dafür im höchsten Fall 4 % Zinsen gezahlt. Will ich mit dem Geld der Bank arbeiten, muss ich dafür weit mehr als das dreifache an Zinsen zahlen. Wieso funktioniert das, hat mich meine kleine Tochter dann gefragt. Ich weiß es auch nicht – in die normale Konsumentenlogik passt das nicht. Und für höhere Mathematik, das war schon zu Gymnasialzeiten klar, bin ich völlig talentlos. Aber die Rechnung bekomme ich trotzdem serviert: Die einfache Gleichung läuft unter dem Namen „Die Wurzel aus der Überziehungsrahmenunwahrscheinlichkeitsrechnung zum Quadrat“. Die Moral von der Geschichte: Kinder nehmt Nachhilfe in Mathematik, auch wenn es noch so blödsinnig erscheint. Ihr könnt es später brauchen. Unbedingt. Sonst könnt ihr womöglich eure Sozialversicherung nicht zahlen. Wie ich.

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Musik im Haus
Mein ältester Sohn, ist jetzt 20 und nach wie vor kaum ohne Gitarre oder Sticks für sein Schlagzeug anzutreffen. Neulich beschwerte er sich über die schlechten Proberaum - Angebote für jugendliche Bands in unserer Stadt. „Könnten wir nicht hier, in meinem alten Zimmer proben?“, fragte er mit einem Gesichtsausdruck, dem kein liebendes Mutterherz widerstehen kann. Da er ohnehin schon jede Nacht bei seiner Freundin verbringt, steht das Zimmer tatsächlich leer und ich wittere die Chance meinen Sohn wieder mindestens einmal die Woche zu Gesicht zu bekommen – also sag ich „Klar ist eine gute Idee“. Die Nachbarn wohnen, dank unseres riesigen Gartens, weit genug entfernt, sodass sie kaum gestört würden, meinte ich, glücklich über des Sohnes Heimkehr.
Ich wischte gerade die Böden, da fuhr ein alter klappriger und in den letzten Zügen schnaufender Van vor. Als ich nachschaute, wer da gekommen war, stieg als erstes unser Großer aus, seine Gitarre geschultert. Dann ein zweiter Bursche – Herbert, wie ich gleich erfahren sollte, der Bassist. Dann kam Oliver, der Schlagzeuger, dann Ingrid die Sängerin und schließlich stiegen noch Willi der Keyborder, Max der zweite Bassist und Elke noch eine Bassistin aus. Nachdem ich mich von der ersten Überraschung erholt hatte – ich hatte nicht mit so vielen jungen Menschen gerechnet und dachte voller Panik an die Füllung meines Kühlschranks und wie sie in null Komma nichts schwinden würde – fragte ich scheinheilig, ob noch jemand kommen würde. Meine Erleichterung verbergend hörte ich ein erstauntes „Nein, wieso?“.
Unser Sohn voran, schlurften sie mit ihren Instrumenten, selbstverständlich ohne sich im Vorraum die Schuhe auszuziehen, schnurstracks durch Küche, Wohnzimmer, über meinen neuen weißen Flokati (!) hinauf ins ehemalige Bubenzimmer, das gerade mal 15 m2 misst. Während die Anderen ihre Gitarren stimmten, schleppte Oliver seine Trommeln, Becken und Galgen (Ständer für die Becken und Mikros) upstairs und Willi holte jede Menge an Kisten und Kästen ins Zimmer, die neue Werkstatt, wie sie von nun an das Zimmer nennen sollten. Als ich schüchtern zu fragte wagte, was das denn für Kästen seien, erntete ich einen vernichtenden Blick meines Sohnes, der nur eine Deutung zuließ: Peinlich, die hat wirklich von gar nix eine Ahnung, was das wirkliche Leben betrifft... – es waren Boxen - das erkannte ich gerade noch - aber ganz besondere selbstverständlich, der andere war eine PA (Aufnahmegerät), das große Ding, das sie vors Fenster stellten war der Verstärker. Aha.
Nachdem ich fragte ob sie lieber belegte Brote oder Knabberei hätten und sie sich für die Brote entschieden, wurde ich gerade noch höflich, aber sehr bestimmt hinauskomplimentiert. – Schließlich ist das Zimmer ja nicht so groß und meine empfindlichen Ohren ... argumentierte der Große nachvollziehbar.
In der Küche machte ich mich daran, die bestellten Brötchen zu belegen. Über mir passierte wohl der Soundcheck. Mal brummte es, mal waren ein paar Rhythmen vom Schlagzeug dran – ich begann es zu genießen, von nun an würde einmal wöchentlich das ganze Haus zum poppigen Klangkörper. Nicht dass ich mir Hoffnung gemacht hätte, dass mir die Musik immer und absolut gefallen würde, aber die Aussicht auf das musikalische Ambiente, ja die gefiel mir. In dem Moment, als ich die Gläser aus dem Schrank nehmen wollte, donnerte ein unglaublicher Krach über mir los, das Geschirr klirrte, die Gläser klimperten und wackelten so bedrohlich auf mich zu, dass ich die Schranktür sofort wieder schloss, bevor alles heraus fiel. Ich war einem Herzanfall nahe – obwohl ich dafür eigentlich noch viel zu jung bin, oder? - Dazu muss ich vielleicht erklären, dass wir in einem alten Haus wohnen, das noch von Holzdecken durchzogen ist und so übertragen sich Schwingungen eben extrem. Dass ich in der Küche, die direkt unter der neuen Werkstatt liegt, allerdings so nahe am Geschehen sein würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Also verzog ich mich in mein Arbeitszimmer – und siehe da, die Musik wurde wieder zum Genuss. Wie die jungen Musiker allerdings diesen Krach aushalten und für toll empfinden entzieht sich meinem Vorstellungsvermögen, obwohl ich mich durchaus daran erinnern kann, dass auch wir im Teeniealter der Musik am liebsten auf höchster Lautstärke gelauscht haben. Meine Empfehlung, zum Schutz des Gehörs vielleicht doch lieber Ohrenschützer zu benutzen, stieß erwartungsgemäß auf taube Ohren.

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Liebe, Laptop & Lasagne - Das Buch zu den teilweise hier erschienen Kurzgeschichten ist das ideale Geschenk. Egal ob zum Geburtstag, Jubiläum, zu Weihnachten oder einfach mal so zwischendurch.
Die heiteren Familienepisoden erzählen von der Eifersucht auf den schwarzen Kater Murr bis zum Prüfungsstress der Tochter oder einem unmöglich peinlichen Bummel durch alle Schuhgeschäfte der Stadt. Aber immer schwingt die Liebe mit. und das macht Mut. Mut zu Familie, Mut zur Berufstätigkeit und Mut zum gelegentlichen Streik ... Augenzwinkerndes Schmunzeln garantiert, auch über sich selbst. Denn in jeder Geschichte finden sich viele Frauen wieder.
Das Buch Liebe Laptop & Lasagne - edition nove (11,90 Euro)
ist erhältlich auf
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http://www.jonkeonline.at
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„Positiv denken“ könnte mein Leitspruch sein. Mein Liebster ist ein Traummann, wie Sie in diesem Buch schon mehrmals erfahren haben. Er ist rücksichtsvoll, nett und sensibel und eigentlich immer für die Familie da. Die Kinder sind wohl geraten. Außerhalb der in nahen Verwandschaftsverhältnissen üblichen kleinen Auseinandersetzungen sind wir eine überaus harmonische Familie. Die Schwiegereltern sind entzückend. Die Anverwandten treten immer nur so kurz in unseren Alltag, dass der positive Anteil bei weitem überwiegt. Unser altes Häuschen ist sehr gemütlich, auch wenn noch viel Renovierungsarbeit auf uns wartet. Also Herz was willst du mehr?
Ich denke, ich wäre kein menschliches Wesen, wenn ich nicht immer noch mehr wollte, als das was ich schon habe. Und dann kann es schon vorkommen, dass Unzufriedenheitsäußerungen die Stimmung zwischen meinem Liebsten und mir mit negativer Energie aufladen.
Heute zum Beispiel: Es ist kurz vor Ostern. Eine lieb gewordenen Tradition beginnt sich aufzulösen. Die zwei älteren Kinder werden am Ostersonntag nicht da sein. Die Oster-Rally, mit erschwerten Bedingungen beim Osternest suchen , wird reduziert auf zwei Teilnehmerinnen. Unsere Ältere ist enttäuscht und mault. Die Kleine schimpft, dass das keine richtigen Ostern sein werden. Zu zweit von Schatzkarte zu Schatzkarte! In Ermangelung der beiden großen Brüder bedeutet das weniger heiße Tipps, wo denn der nächste Osterschatz zu finden sein könnte. Als ich auch meine Trauer darüber zum Ausdruck brachte, schlug mein Liebster vor, doch einfach wegzufahren.
Wegfahren! Zu Ostern! Der Wahnsinnsverkehr. Und dann: Ich mag keinen Almurlaub. Weil Natur hab ich in unserem riesigen Garten genug, kochen bleibt an mir hängen und Berge erklimmen gehört nicht zu meinen bevorzugten Freizeitbetätigungen. Aber ein Hotel am Meer könnte ich mir gut vorstellen. OK. Es ist noch ein wenig kalt, aber man muss ja nicht unbedingt im Meer baden. Jedes Hotel hat schon seinen geheizten Pool, eine Wellness- Oase und Fitnessräume. Aber nein, das will mein Liebster nicht. Und die Mädchen? Nein Ostern ist am schönsten zu Hause. Trotz allem.
Da Ostern immer mit Frühling zusammenfällt , welche Überraschung, habe ich just jetzt so Anwandlungen, beim Haus das Eine oder Andere zu verbessern. Ein neuer Boden im Esszimmer, darauf dränge ich schon seit fünf Jahren. Die Außenfassade gehört renoviert , auch innen täte ein neuer Anstrich gut.... Mein Liebster fühlt sich überfordert. Kann ich verstehen. Teilweise wenigstens. Nach der Diskussion um den Kurzurlaub, behaupte ich wütend, dass mir die Fassade mittlerweile auch wurscht sei. Die Rankpflanzen treiben bereits aus und ich habe keine Lust auf abgeknickte und absterbende Äste. Da meint mein Liebster glatt: Du bist heute aber negativ drauf. Da platzt mir doch der Kragen! Will ich was weiterbringen , überfordere ich ihn. Will ich Ruhe, bin ich negativ.
Ganz nebenbei gesagt: Die Beratungsgespräche für die Art der Fassadendämmung einzuleiten, Termine festzulegen, Kostenvoranschläge einzuholen und auch sonst alle möglichen Vorbereitungen für die diversen Unternehmungen zu treffen wäre ohnehin an mir hängen geblieben. Ich hab die Nase voll. Ich tu überhaupt nichts mehr. Und kümmere mich nur mehr um meinen eigenen Krempel, der nämlich meist hinten angestellt wird. Eh von mir selbst. Das ärgert mich am meisten. Aber ab jetzt nicht mehr!
Das nächste was ich tu ist, dass ich meine Theatertexte endlich versuche an den Intendanten zu bringen! So. Jetzt bin ich wieder positiv – wenn auch aus Wut!
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Die moderne Frau ist selbständig, flexibel und erfolgreich - und um das Glück perfekt zu haben - natürlich mit Anhang. Das war das Leitbild 2004. Seit Frau Hermanns Buchveröffentlichung geht es ja in eine andere Richtung:Zurück zur Rauchkuchl. Blödsinn? Aber:
Selbständig heißt bei mir, dass das Geld das ich verdiene, großteils von meinen geliebten Kindern ausgegeben wird. Um nicht ungerecht zu sein, fast die Hälfte geht für meinen Anteil an Kreditrückzahlungen für unser altes Knusperhäuschen drauf. Aber der Rest: Taschengeld, Handy, Nachhilfe in Mathematik, extra Geburtstagsüberraschungen für die Freundin meiner kleinen Tochter, Schikurs, Geld für Werken in der Schule, die Gesunde Jause nicht zu vergessen und natürlich Klamotten, die selbstverständlich dem neuesten Stand, sprich Levis, Calvin Klein ..., entsprechen müssen. Meine 15jährige hat natürlich auch Ansprüche was Kosmetik angeht inklusive einem feinen Parfum. Als ich in ihrem Alter war, war ein parfumiertes Deo schon ein Highlight am Geburtstagsgabentisch! Das erste Parfum erhielt ich anlässlich der Abschlussprüfung meiner Buchhandelslehre . Damals war ich 19.
Ich will nicht jammern, manchmal leiste ich mir auch einen Friseurbesuch und ein Buch zur Abendlektüre.
Flexibel, das zweite Attribut einer modernen Frau heißt, dass ich meine Arbeit zuhause mache, damit ich jederzeit für meine Familie da sein kann. Flexibel heißt auch, dass ich keinem Unternehmen mit Lohnnebenkosten zur Last falle und nur dann zu bezahlen bin, wenn es dem Chefredakteur gefällt, mir einen Artikel abzukaufen. Flexibel heißt, dass mir selbst die aktuellsten, interessantesten und angesagtesten Themen für meine Artikel einfallen und ich meine Kontakte dahingehend selbstverständlich allein gecheckt habe. Auch, dass die Honorargestaltung nichts mit den offiziellen Richtlinien der Journalistengewerkschaft zu tun hat fällt unter „flexibel“. Aber auch, dass ich dann Urlaub machen kann wann ich es will. Im Klartext gar nicht, denn im Sommer, wenn die Kinder Ferien haben und familiäres Urlaubsglück möglich wäre, haben auch die Kollegen in den Redaktionen Urlaub. Klar, dass ich mir das Mehr an Möglichkeiten meine geschriebenen Ergüsse zu verkaufen, nicht sausen lasse. Endlich kann ich alle Storys verkaufen, die das ganze Jahr über verschoben, abgelehnt oder sonst wie nicht in Druck gegangen sind. Händeringend fragt mich der Ressortleiter , aber eben nur im Sommer: „Hast du nicht gesagt, du hast da eine heiße Geschichte über ... na du weißt schon ... Honorar ? Ja, was stellst du dir denn vor?“ Ich setze lieber ein bisschen höher an, weil ich weiß, dass dem Guten das Feilschen ums Geld schon in Fleisch und Blut übergegangen ist. Als ob er es aus seiner privaten Brieftasche zahlen müsste! Und siehe da, das Honorar fällt zu meiner absoluten Zufriedenheit aus. Die Sportwoche meiner Großen im Herbst ist finanziell gesichert!
Erfolgreich ist die moderne Frau, wenn sie die vorangegangenen Punkte schafft mit Waschmaschine, Herd, Staubsauger, Computer und sonstigem elektronischen Haushalts - Schnick-Schnack in Einklang zu bringen.
Manchmal gelingt es mir ein gutes Essen auf den Tisch zu bringen, weder zerkocht noch angebrannt und parallel einen spontan bestellten und eiligen Artikel zu Redaktionsschluss abzugeben. Aber zeitweise bin ich mir dann auch gar nicht mehr sicher, ob ich wirklich eine moderne, selbständige und vor allem flexible und erfolgreiche Frau sein will. Andererseits: Wer will schon altmodisch, verzopft und erfolglos sein ? In unserer Zeit? Undenkbar!
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Rücksicht, was ist das denn?
Es gibt so Tage und Momente im Familienleben, da könnte ich mir vorstellen, nach alten Erziehungsmustern zu handeln. Zum Beispiel, wenn ich müde von einer Konferenz heimkomme und der Kühlschrank, am Morgen beim Verlassen des Hauses noch randvoll mit Käse, Wurst, Pfefferoni und im Brotkorb frische Semmeln, ist leergefressen bis auf harte Käsereste von der vorigen Woche oder dem Joghurt mit gerade an diesem Tag fälligen Ablaufdatum. Wer diese Mundraubüberfälle zu verantworten hat, brauch ich wohl niemandem zu erklären, der selbst halbwüchsige Kinder hat.
Nun sehe ich schon ein, dass man als Elternteil verpflichtet ist, dafür zu sorgen, dass Kind sich gut, gesund und auch ausreichend ernährt. Ich verstehe auch, dass Kind lieber die frisch gekauften Lebensmittel isst, als zuerst die Reste zu verzehren. Aber was ich nicht gut heiße, wofür ich überhaupt kein Verständnis habe, vor allem wenn ich hundemüde, erholungsbedürftig und mit bis zu den Knien hängendem Magen heimkomme, ist, dass dasselbe Kind, für das ich zu sorgen habe, so überhaupt keinerlei Rücksicht oder Anteilnahme erkennen lässt, was die Versorgung der Erwachsenen angeht! Haben wir keinen Hunger zu haben? Ist da, wo bei Kindern der Magen sitzt bei Erwachsenen die Brieftasche und die Einkaufsliste? Ernähren sich die Großen von den Überresten, die bleiben, weil Kind beim besten Willen nichts mehr in sich reinstopfen kann?
In diesen Momenten versteh ich tierisches Verhalten, wo Nahrungsaufnahme streng nach Hierarchie geordnet ist. Zuerst der Chef, dann das Muttertier und zum Schluss die Kleinen. Wer anschafft kriegt den Löwenanteil. Nach diesem Muster würde ich mir das dann auch wünschen. Manchmal erwische ich mich in letzter Zeit dabei, dass ich mich, was Essen betrifft, schon auffällig benehme. Ich verstecke Marsriegel, Eieraufstrich und Perlzwiebeln. Ich esse heimlich, in der Küche und horche dabei angestrengt, ob auch ja keiner kommt, der mich dabei erwischen könnte und einen Anteil an meinen Köstlichkeiten einfordert. Um mir diesen Stress zu ersparen, kaufe ich beim Familieneinkauf Sachen nur für mich, die ich dann vor der Heimfahrt im Auto verschlinge. Die Folgen sind dann meist Bauchweh und Scham. Aber dann denk ich mir wieder: Ich hab es einfach von meinem Taschengeld gekauft, so wie die Kinder ihres ja auch ungefragt und unkontrolliert für Naschereien ausgeben – was ja völlig OK ist. Warum also sollte es nicht auch für mich in Ordnung sein?
Das nächste Mal, so nehme ich mir vor, werde ich mir eine Reihe Punschkrapferl kaufen, sie mit nach Hause nehmen und in aller Ruhe, vor aller Augen ganz allein aufessen. Und wenn jemand nett bittet? Klar, ich teile gerne. Aber nur unter bestimmten Voraussetzungen eben. Wenn diese nicht erfüllt werden, sag ich einfach, dass ich die vor mir liegenden Delikatessen von meinem Taschengeld gekauft habe und sie deshalb auch ganz allein für mich bestimmt sind. Wer weiß, vielleicht krieg ich dann im Tauschhandel auch mal einen von den heiligen Kaugummis meiner Jüngsten ab, obwohl sie ihn von ihrem Taschengeld gekauft hat.
Meine Freundin Karin hat mir erzählt, dass sie vorhat das Essen für ihre Familie zu rationieren. Wie in einer Wohngemeinschaft erhält jedes Familienmitglied einen Platz in der Küche, wo seine Lebensmittel verwahrt werden. Im Kühlschrank werden einzelne Fächer mit den Namen versehen. Obwohl mir die Idee anfangs ganz gut gefiel, muss ich sagen, dass mir dieser Aufwand nicht lohnend erscheint. Bekommt dann jedes Familienmitglied eine eigene Packung Milch, Butter, Olivenöl? Und wie funktioniert das dann beim Kochen?
Also nein, ich glaube ich werde weiterhin versuchen, mal mit klärenden Worten und manchmal mit gerechtfertigten Wutausbrüchen dem Problem Frau zu werden.
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Heute mal ganz was Anderes:Wenn jemand Rat weiß, bitte nur raus damit!!!!!!!!!
Also ich will das alte Familiengrab aufgeben.Ich habe keinen der Leutchen gekannt, die da am Grabstein vermerkt sind. Sind zwar meine Oma und meine Urgroßeltern und ich kenne sie natürlich von vielen Geschichten, die in er Familie so kursieren.
Aber selbst bin ich mit elf durch äußerst unangenehme Umstände aus dem dumpfen Dorf weggezogen - heut seh ich das als Glück an- damals war die Entwurzelung der blanke Horror.
Meine Mam ist bei mir ganz in der Nähe begraben, wir haben ein eigenes neues Familiengrab angelegt - tja und nun steh ich da und soll für die "Entsorgung" der wunderschönenGrabsteine 3000 Euro zahlen!!!!! eigentlich dachte ich schon, dass ein Steimetz sich freut, wenn e rmir die günstig abkaufen kann.Schließlich kann man nach Abschleifen der Schrift viele kleinere Platten draus machen. So ein Monument stellt sich ja heute keiner mehr hin.
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Meine Mutter und ich – zwei Frauen die weniger Gemeinsamkeiten haben als wir und doch aus einer Familie kommen, die gibt es glaub ich gar nicht. Sie ist aktiv musikalisch mit exzellentem Klavierspiel – ich bring keinen richtigen Ton zustande, nicht einmal beim Singen. Sie hasst Handarbeiten, ich tue nichts lieber als abends beim Fernsehen stricken, oder mit den Kindern Tischdecken mit Stoffmalfarben bepinseln. Sie liebt es, opulente Feste zu feiern und groß aufzukochen, ich bin froh, wenn ich mit meiner Alltagskocherei meine Familie nicht vergifte.
Als die Kinder zur Welt kamen, lernte ich meine Mutter von einer ganz neuen Seite kennen. Ich wurde eher streng und sehr konsequent erzogen. Zurückreden, überflüssige Fragen und Naschereien vor dem Essen: Undenkbar. Bei meinem Nachwuchs war sie dann der Geduldsengel in Person. Keine noch so nervende Frage nach dem Warum, Wieso, Wie lange und Weshalb blieb unbeantwortet. Kam sie zu Besuch, gab es immer Krapfen oder Pudding als Mitbringsel. Dann blieb das Gulasch oft genug unberührt – egal, Hauptsache die Nachspeise wurde gegessen. Auf meine lauten und stummen Vorwürfe sagte sie nur – und das in einem ganz besonderen Tonfall: Tja mit dem Erziehen bist jetzt du dran. Ich hab lange genug gestrenge Mutter und gleichzeitig Vaterersatz (meine Eltern ließen sich scheiden als ich drei war) spielen müssen. Meine Enkel will ich nur verwöhnen – und wenn sie mir zuviel werden, dann lade ich sie bei dir ab. Na, bravo, dachte ich mir.
Letztlich war mir aber niemand, auch nicht der Erzeuger der lieben Kinder, eine so große Hilfe bei der Erziehung, wie meine Mutter. Die Zeit, die sie sich für Gespräche, Spiele und zum Zuhören genommen hat, ist unbezahlbar. Sie hat das Familienleben auf ihre Weise unglaublich bereichert, obwohl wir oft wochenlang im Streit gelegen sind, jede Menge Meinungsverschiedenheiten über das Großziehen von Kindern ausgetragen haben, ihre Ratschläge für ein gelungenes Zusammenleben von Männlein und Weiblein völlig aus der Zeit waren, ich der Meinung war, dass es sie nichts angeht wie wir unseren Urlaub planen und welche Haustiere problemlos zu halten sind auch nicht usw, usw. .
Heute, da meine Mutter bereits seit mehreren Jahren tot ist, fehlt sie mir immer noch unglaublich. Manchmal habe ich das Bedürfnis sie einfach anzurufen, und ihr vom Tierarztbesuch mit dem Meerschweinchen zu erzählen, von den Schulproblemen der Kinder oder einem Missverständnis zwischen meinem Liebsten und mir. Was mich früher manchmal belastet hat, geht mir jetzt ab. Man möchte meinen, ich weiß nicht was ich will. Das kommt wohl daher, dass ich jetzt spüre, dass trotz aller Unterschiedlichkeit sie die Einzige war, die mich immer , zumindest versuchsweise, verstanden hat. Die Einzige, die mich ohne wenn und aber geliebt hat, wie ich eben bin – ohne Kompromisse. Egal was ich angestellt hatte. Immer.
Und das Schlimmste ist, dass mir das erst so spät bewusst geworden ist. Nicht, dass es mir niemand gesagt hätte, dass nur eine Mutter zu dieser ihr eigenen Affenliebe imstande ist. Aber wirklich gefühlt habe ich es erst, als sie schon nicht mehr da war. Was würde ich nicht alles darum geben, könnten wir noch einmal so herzhaft darüber diskutieren, ob es notwendig ist, sie täglich mindestens einmal anzurufen, das Festessen mehrmals und Wochen im Vorhinein zu planen und nicht beleidigt zu reagieren, wenn sie mich mit ihrem unbestechlichen Drang nach Wahrheit kritisiert.
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Es ist ja kein Meister noch vom Himmel gefallen. Meisterin in unserer Gesellschaft sowieso nicht. Ich hab jedwedes Verständnis, dass alles einmal gelernt, geübt und probiert werden muss, bevor es zum Genuss wird – für sich selbst und andere.
Dazu muss ich vielleicht auch sagen, dass ich persönlich nicht gerade mit übermäßiger Geduld und bravem Eifer ausgestattet bin, was das Erlernen neuer Fertigkeiten anlangt. Leider. Das eine oder andere Mal kann ich mich dann zwar überlisten, beeinflusst vom besten Vorbild das man sich nur vorstellen kann, meinen Liebsten. Er, sag ich Ihnen, er hat Geduld, das glaubt man gar nicht. Nächtelang kann er über einem Problem brüten. Und meistens schafft er es auch bis zur Lösung. So hat er sich schon sehr Vieles angeeignet. Ich hingegen schaffe es meistens nur zum Schrottwissen und zur halbherzigen Fähigkeit auf allen möglichen Gebieten. In meinem Beruf als Journalistin ist das aber schon OK.
Nun lernt aber unser Sandwichkind, darunter versteht man jene Kinder die ältere und jüngere Geschwister haben, Gitarre. Nicht einmal der Kater schafft es, sich ihre Übungen anzuhören, und diese Viecher sind für Katzenmusik bekannt - und was das bedeutet brauch ich Ihnen ja sicher nicht zu erklären . Kaum nimmt unser Töchterchen seine Gitarre zur Hand, muss Murr sofort, aber wirklich auf der Stelle raus. Er benimmt sich, als würde in der nächsten Minute das Haus über ihm zusammenbrechen. Nun ist sie ja nicht laut, das nicht. Aber die Töne ... Ich glaube zu wissen, dass die Töne in dieser Reihenfolge bestimmt niemand zu Papier gebracht hat, geschweige denn der Gitarrelehrer von ihr verlangt, genau diese Tonfolgen zu spielen. Schrecklich – selbst als Stilrichtung „Neue Musik“ geht das niemals durch.
Neuerdings beginnt das Kind nun auch seine Stimme zur Gitarrenbegleitung zu erheben. Wirklich, nie hat sie sich von irgend jemanden dazu ermuntern lassen, früher. Aber seit sie die neue Schule besucht, und auf eine Chorleiterin gestoßen ist, die weiß wie man Jugendliche zu Freude am Gesang motiviert, singt meine Tochter! Nie hätte ich das für möglich gehalten. Sie singt! Und das mit Freude! Ein Wunder. Im Chor, ich habe es selbst gehört, klingt sie gar nicht schlecht, nein im Gegenteil. Man hört sie kaum. Aber zu Hause, mit ihrem Instrument .... Nicht der wahre Kunstgenuss, aber da soll man auch gar nicht so streng sein, wie unser Kater. Denn schließlich, wo soll man sonst üben, wenn nicht zuhause? Nur die Familie darf man so quälen. Die kann sich nicht wehren, denn Verwandtschaft bleibt Verwandtschaft – das kann man sich nicht aussuchen. Und wer ein Meister, eine Meisterin werden will, muss schließlich proben. Und Gott sei es wirklich hundertmal und mehr gedankt, dass unser Mädel mehr Ausdauer hat beim Lernen als ich!

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Gestern wurden mein Liebster und ich, beziehungsweise unsere Liebe zueinander, wieder auf ihre Krisenfestigkeit hin geprüft. Klassentreffen nach 20 Jahren.
So lange sind er und ich schon liiert, wie man so schön sagt. Wahnsinn, die Zeit ist buchstäblich verflogen! Hilfe, ich werde alt – ach ja, aber nicht allein! In der Maturaklasse hat es damals gefunkt. Sind das schöne Erinnerungen! Gleichzeitig kam mir der Gedanke: Und was ist aus uns geworden? Ein stinknormales Ehepaar mit Kindern, Haus und Katze. Nein, kein Grund zum Jammern. Wir verstehen uns immer noch gut, wir haben viel Spaß zusammen und man kann sagen: Wir sind immer noch verliebt ineinander. OK, Kurzkrise überwunden. Kein "wie wäre es gelaufen, wenn ich damals mit dem schönen Klaus...." Die Maturareise damals ging in die Wachau, wo unser größter Luxus darin bestand, nicht in Zelten, sondern in einer Pension untergebracht zu sein.
Das Klassentreffen: Ein exklusives Restaurant - heute können wir uns das ja leisten - gepflegte Gäste und lautloses Service. Ein Treff der Schönen und Erfolgreichen. Zumindest wollte sich hier offenbar jeder als solcher deklarieren. Ein lächerliches Bild blieb hängen: Am Tisch lag vor jedem männlichen Gast das unvermeidliche Handy. Die weibliche Begleitung im Business-Look mit elektronischem Organizer in Arbeit sollte die Wichtigkeit der Besitzer unterstreichen. Die anderen Damen, im Cabrio Look (tiefer Ausschnitt) aufgeputzt mit viel Schmuck und Schminke, waren für das „toller Liebhaber auf Abwegen“ – Image verantwortlich. Das Bild an unserer langen Tafel: Männer mit Handys und Damen im Erfolg signalisierendem Bogner Kostüm. Also völlig unauffällig in dieser Umgebung. Ich widerstand der Versuchung, mich ganz dezent an einen kleinen freien Tisch zu setzen und unsere Klassengemeinschaft aus der Distanz zu beobachten.
Mein Gott, das muss die Petra sein, dachte ich mir beim Anblick meiner ehemaligen Erzfeindin. Sie war damals ganz scharf auf meinen Liebsten. Von der droht keine Gefahr mehr, so wie die sich hat gehen lassen. Teigig, aufgequollen und mit orangerot gefärbtem Haar kam sie auf mich, nein auf ihren Schwarm aus Jugendzeiten zugeeilt. Mit ausgebreiteten Armen flötete sie: Liiiieber X....! Du hast dich überhaupt nicht verändert." Und schon schnappte sie meinen Mann, zog ihn zur Bar und begann, für alle hörbar, zu monologisieren wie toll er aussehe, dass er sicher sehr erfolgreich sei, ob er Kinder hätte.... nein wirklich, du hast die C.... wirklich geheiratet..... und waaaas ihr seid iiiiimmmer noch zusammen..... Den konnte ich abschreiben, dachte ich mir und wandte mich meinem alten Schwarm Klaus zu, den einzigen ohne Handy....
Wieder zuhause hatten wir uns viel zu erzählen, mein Liebster und ich. Wie seit ewigen Zeiten nicht mehr haben wir bis in die Morgenstunden geplaudert, gelacht und waren verliebt wie zu unseren Anfangszeiten.
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Geschmack ist etwas herrliches! Man kann sich am eigenen erfreuen, über seinen streiten und über ihren lästern, Gesprächsthema liefert er immer, der Geschmack – ob guter, schlechter oder gar keiner, der wiederum ein schlechter sein muss.
Wer hat denn nun Geschmack? Derjenige, der im heimatverbundenen Trachtengwandl umherwandelt, als ob die nächste Einladung zur Treibjagd jederzeit zu erwarten sei? Oder diejenige, die vom Trend, der in der letzten Wohnzeitschrift vorgestellt wurde, getrieben wird, ihre Wohnung zum dritten Mal in einem Jahr neu zu stylen? – Ein trendbewusstes Verhalten, das ein entsprechendes Bankkonto voraussetzt. Denn wer kann sich schon heuer einen Traum in Glas, Chrom und weißem Leder und nächstes Jahr die sinnliche Üppigkeit östlicher Gemütlichkeit mit Kelim überzogenen Sofakissen in unvorstellbaren Maßen leisten? Habe ich keinen Geschmack, weil mir Omas altes Geschirr in meiner neuen Glasvitrine gefällt? Hat Geschmack etwas mit Geld zu tun?
Fragen über Fragen und kaum zu findende Antworten. Wenn man sich Geschmack aber kaufen könnte, warum tun es dann Stars wie Cher, Shaquira und wie sie alle heißen mögen nicht? Lieber lassen sie es sich gefallen, als Beispiele schlechtest angezogener Frauen durch die Klatschspalten der Regenbogenpresse weitergereicht zu werden. So im Sinne: Besser eine schlechte Kritik als ignoriert zu werden?
Schluss mit der Tüftelei! Es ist wohl so, dass es weder guten noch schlechten Geschmack gibt (na ja), sondern nur den persönlichen. Denn müsste man ihn den ständig wechselnden Trends unterwerfen, hätte er ja gar keine Chance, sich überhaupt zu entwickeln, so schnell ändert sich der so genannte Zeitgeist, der das Design von Möbeln, Kleidern und Autos vorzugeben scheint. Wohlgemerkt: Scheint! Diese Überlegungen bestärken mich darin: Über Geschmack lässt sich diskutieren, aber nicht über meinen! Ich werde mich weiterhin mit den Dingen umgeben, die mir Freude machen, die mir gefallen und zu denen ich eine gewisse Beziehung aufgebaut habe und basta. Wem das nicht gefällt, muss mich ja nicht besuchen, oder sich gar die Finger an diesen Scheußlichkeiten schmutzig machen . Schauen sollte man ja grundsätzlich mit den Augen! Mein Geschmack ist Teil meiner Erfahrungen, meiner Entwicklung, meiner Lebenseinstellung – eben ein Teil von mir.
Diesen Ansatz muss ich mir unbedingt merken, um meiner Toleranz auf die Sprünge zu helfen, wenn wir wieder mal bei Onkel Herbert eingeladen sind, dessen Wohnzimmer mir jedes Mal eine Gänsehaut verursacht. Oder wenn ich Dorli, unserer Praktikantin begegne, die sich in ihrem T-Shirt, das einen Ausschnitt bis zum Ansatz ihrer Brustwarzen hat, der Lächerlichkeit preisgibt.
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PR. Journalistin. Full Time Job in half time done, Anerkennung, interessante Freunde und vier Kinder mit Haus, Katz, Fisch und Mann. Wow, wie schaffst du das bloß, werde ich oft gefragt.
Ach so, deine Mutter hilft dir, winken sie dann ab, wenn ich anhebe: Meine Mutter kocht.... weiter komm ich meistens nicht. Jedwede Bewunderung macht dann neidvollen Blicken Platz. Wenn sie eine Omi hat, die den Haushalt schaukelt und Kinder erzieht kann man leicht Karriere machen. Wofür hat sie sich überhaupt Kinder angeschafft, wenn sie bei Anderen groß gezogen werden usw, usw. Eine Lawine der Entsolidarisierung prasselt auf mich nieder.
Da zählt kein schnelles zwischen zwei Terminen eingeschobenes Taschenrechner kaufen gehen für den Ältesten, kein sonntägliches Fensterputzabenteuer bei besagter Omi, weil sie sich nicht auf die Leiter traut. Weder hastige Taxidienste zur Tanzschule noch langatmige Arztbesuche beim Homöopathen mit der heuschnupfigen Jüngsten. Es bleibt ein für allemal - sie hat eine Mami die ihr alle lästigen Alltäglichkeiten abnimmt.
Damit will ich Omis Dienste an der Familie aber keineswegs schmälern. Was täte ich, wenn ich statt meine Artikel bis zu Redaktionsschluss um 13 Uhr abzugeben nicht nur einkaufen, sondern auch noch kochen müsste? Langwierige Menuplanungen eine Woche im Voraus werden in zahlreichen Telefonaten abgeklärt. Penibel bis hin zur Butterbeigabe wird alles mindestens dreimal besprochen, in der Küche hat peinliche Sauberkeit zu herrschen, damit Omi sich nur dem Kochen widmen kann. Das sind die kleinen Selbstverständlichkeiten , ihre Allüren. Klar – sie ist ja auch nicht die Putzfrau! Die bin nämlich ich – in erwerbsloser Nebenbeschäftigung oder weil das mein Hobby ist oder weil Frauen das in den Genen haben, oder was weiß ich warum. Eine „Professionelle“ will mein Liebster nicht im Haus haben – hugh, er hat gesprochen und so ward es befolgt. Für Schmutz in jedweder Form fühlt er sich allerdings nicht zuständig, nicht mal in Gedanken.
Wer fragt da nach Zeitbudget und Nervenbelastbarkeit? Omi hat ein Recht auf ausgiebige seelische Betreuung, physische und psychische Rücksicht, wenn sie sich so tatkräftig in die Familie einbringt und somit keine Zeit mehr hat, einen neuen Freundeskreis aufzubauen. Oder gar den alten wieder zu beleben, der sich mangels Geduld bereits verabschiedet hat.
Manchmal, aber wirklich nur manchmal , wünsche ich mir, dass es mir nicht so gut ginge. Wenn ich es nur endlich einmal schaffen würde ehrlich zu sagen, wo der Schuh drückt, ohne dass der Kritikempfänger gleich beleidigt ist, sich in ein stabiles Schneckenhaus zurückzieht und schmollt. Dann hätte ich einen Meilenstein im Zusammenleben unserer familiären Generationen erreicht – zumindest ich wäre zufrieden, vielleicht.
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Die lieben Schwiegereltern haben sich zum Sonntagsbesuch angemeldet. Ich mag die beiden wirklich gern, aber diese Ankündigung ist mir doch als mächtiger Schreck in die Glieder gefahren.
Montag ist Redaktionsschluss . Ich habe außer den Recherchen noch keine Zeile geschrieben. Vom Umbau letzte Woche liegt noch millimeterdick Staub auf den Bücherregalen und die Haushaltshilfe hat sich ausgerechnet letzte Woche die Hand gebrochen. Na, ja - ein Unglück kommt eben selten allein.
Ich höre die liebe Schwiegermutter schon sagen: "Der arme Bub. Den ganzen Tag muss er arbeiten. Und am Abend kommt er in eine Rumpelkammer anstatt in ein gemütliches schnuckeliges Heim". Der tatendurstige Schwiegerpapa wiederum würde überhaupt gleich zupacken, die Sense aus dem Geräteschuppen holen und ans Werk gehen. Die seit Wochen nach einem Schnitt lechzende Wiese im Obstgarten ist nämlich schon mannshoch. Na ja, fast.
Wie schaffen es andere Familien nur immer, dass alles perfekt scheint. Unsere Nachbarn z. B: Er arbeitet als Computerfachmann sicher mehr als 45 Stunden die Woche, sie macht Altenbetreuung - auch kein leichter Job. Bei ihnen kann man auf Besuch kommen, wann man will, immer ist alles perfekt. Kein Chaos wie es bei uns zum Alltag gehört. Dabei, ich höre es förmlich aus Schwiegermutters Mund "ist sie doch immer daheim. Sie hat es so schön, von zuhause aus arbeiten zu können. Da wird es doch nicht so schwierig sein, das Haus und den Garten in Ordnung zu halten".
Nun gut, denk ich mir, es nützt alles nichts, geh ans Werk, meine Liebe. Zuerst putzen, vielleicht ist zufällig einer deiner Sprösslinge zuhause. Den kannst du dann gleich ein bisschen zum Mithelfen einspannen. Was sich vorerst nur als überfällige Staubentfernung dargeboten hat, artet zum Großputz aus. Hatte ich nicht drei schulpflichtige und in den Ferien somit auch haushaltsmithilfepflichtige Kinder? Das muss ein Irrtum meinerseits sein, es ist niemand zu finden. Okay: Musik auf volle Lautstärke und auf geht´s. Herumliegendes wegräumen, Staubsaugen, Aufwischen........
Nach einer ausgiebigen Dusche falle ich erschöpft in meinen Stuhl am Computer. Zwei Reportagen: Eine über die heurigen Top-Urlaubsziele, die zweite über Mehrkindfamilien und moderne Konfliktbewältigung. Da konnte ich doch aus dem Bauch heraus schreiben!
Das Telefon klingelt mich aus dem Schreibtischschlummer. "Liiiiebes, es tut mir ja sooo leid", flötet die Mutter meines Allerliebsten," ich hatte ganz vergessen, dass Vatis Schulfreund Georg uns ausgerechnet dieses Wochenende besuchen will, und er hat ihn doch schon über 15 Jahre nicht mehr gesehen. Du verstehst das sicher. Vielleicht kommen wir nächsten Monat".
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Horoskop
Kein Frühstück ohne Zeitung – das ist klar. Die spannendste Seite von allen ist für mich zu dieser Tageszeit die mit dem Horoskop. Wird es ein guter Tag? Was raten mir die Sterne? Steht mir heute eine Überraschung bevor, oder gibt es endlich den ersehnten Geldsegen...
Nein, heute steht da ich soll nicht immer gleich in die Luft gehen, wenn sich jemand erlaubt mich zu kritisieren. Pahh, da müsste ich ja den ganzen Tag schweben! Wenn mich mein Chefredakteur rüffelt, wieso mein Artikel eine halbe Stunde zu spät gekommen ist, oder meine Tochter bemängelt, dass ihr Lieblings T- Shirt noch immer (seit 2 Tagen!!!) im Wäschekorb herumgammelt oder mein Allerliebster mein neues Küchenexperiment beim Mittagstisch nur mit skeptischen Blicken würdigt, usw, usw. Aber wer glaubt schon an Horoskope, schon gar nicht, wenn sie Negatives orakeln. Also – sofort vergessen.
Wenn aber, vornehmlich sonntags, mir mein Horoskop die Erfüllung meiner beruflichen Vorstellungen verspricht oder gar interessante Geschäftsabschlüsse, frag ich mich schon, warum das immer an dem Tag sein muss, an dem beruflich gesehen eher tote Hose angesagt ist. Ich hoffe dann, dass sich die Astrologin im Tag geirrt hat, und mein Produzent, dem ich schon Tapeten für mindestens fünf Luxus Wcs in Form von beschriebenen Blättern mit tollen Filmstorys geliefert habe, endlich zufrieden anruft und sagt: „Das ist der Stoff meiner Träume! Noch in diesem Jahr wird der Film produziert und Julia Roberts und Hugh Grant haben bereits für die Hauptrollen zugesagt.“
Ja, ja. Träumen ist erlaubt. Wo sind die Zeiten, als ich mit 15 nach der Lektüre des Horoskops den ganzen Tag auf Wolke sieben schwebte, weil ich wusste, heute spricht mich der Bursche aus der sechsten Klassen endlich an.... passiert ist es leider nie, soweit ich mich erinnern kann.
Als unverbesserliche Optimistin lasse ich mir heute wie damals noch immer gerne von den Astrologen Mut machen. Die Wirkungsdauer hat allerdings mit der Zeit ein wenig abgenommen und die rosa Wolken tragen mich nicht mehr so lange wie als Teenager. Aber das hat auch sein Gutes. Denn sonst würde ich am Sonntag Abend den totalen Frust schieben, weil mich der Produzent eben doch nicht angerufen hat... aber Moment mal, da klingelt gerade das Telefon ...
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„Wir“ - ein Wort signalisiert Gemeinsamkeit, Geborgenheit, vertrautes Miteinander, gegenseitiges Verständnis. Und genau da sind wir schon beim Missverständnis, das ein „wir“ , unbedacht ausgesprochen, verursachen kann. „Wir sollten wieder einmal Sahnejoghurt einkaufen, nachfragen wie es dem Sprössling in der Schule geht oder den Dachboden entrümpeln ...“ vom zauberhaft aufmerksamen Familienoberhaupt ausgesprochen heißt im Klartext: Ich, Frau, Mutter, Freundin, Geliebte... müssen noch einkaufen, zum Elternsprechtag, wieder einmal den Kühlschrank putzen ... die Liste wäre unendlich weiterzuführen. Schließlich lässt sich das ja ganz einfach organisieren, ist einfach im Terminplan einzugliedern.
Timer, die sich in weiblichem Eigentum befinden, genau genommen meiner, ist voll von Eintragungen wie Arzttermin einholen, Oma abholen, Dr. Huber (Deutschlehrer) in der Sprechstunde von seinem Grant auf unser Söhnchen herunterholen etc. Im Terminkalender meines Liebsten habe ich letzens Folgendes gelesen : Mittagessen mit C (wer ist das eigentlich?), Saunarunde, Tennismatch mit Günter und ein paar Eintragungen, die nachweislich seine Geschäftspartner betroffen haben. Damit ist klar definiert, wer „unsere“ Familientermine wahrnehmen muss. Alles eine Frage des Delegierens und der richtigen Planung.
Mein Liebster gehört zur Sorte „neuer Mann“. Modern und aufgeschlossen, bringt er sich mit dem solidarischen „wir“ neuerdings in Familie und Haushalt ein, übernimmt Verantwortung. Da die Mittdreißiger im Sinne gleich berechtigter Partnerschaft jedoch erst halbgebildet scheinen, heißt das „Wir“ im besten Falle, er denkt für mich - ich bin ausführendes Organ. Ein jahrhundertealtes Muster mit ein wenig Zeitgeist versehen. „Wir“ werden da noch etwas lernen müssen.
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Als Köchin könnte man mich fast als leidenschaftslos bezeichnen. Es gehört einfach nicht zu meinen Stärken, obwohl ich sehr gerne esse. Allein das tägliche zubereiten der Mahlzeiten für meine Familie kostet mich manchmal Überwindung. Aber es muss nun mal sein, eine lästige Notwendigkeit.
Frage ich nach Anregungen, was ich denn kochen soll, krieg ich selten eine Antwort. Probier ich dann das eine oder andere neue Rezept aus, damit der Routinespeiseplan von Spaghetti, Pizza, Palatschinken und Schnitzel mal Abwechslung kriegt, wird gemault – keine Motivation!
Das Ganze geht nun schon an die zwanzig Jahre! Und erst dieses Jahr zu Weihnachten habe ich etwas entdeckt: Steh ich in der Küche, um die Saucen und Salate, Cremes und andere Beilagen für unser weihnachtliches Traditionsfondue vorzubereiten, bin ich abseits allen Trubels. Niemand verirrt sich zu mir in die Küche, um etwas zu fragen, sich geben zu lassen, ein wichtiges Anliegen wie das Bügeln der neuen Hose loszuwerden oder so. Nein. Ganz ungestört, darf ich werkeln. Denn wenn jemand in meine Nähe kommt, könnte es ja sein, dass der Mülleimer hinauszutragen ist, noch schnell etwas besorgt werden muss, oder womöglich fällt mir genau dann ein, dass die Kinderzimmer aufzuräumen seien. Nein, da lässt man mir lieber meine heilige Ruhe! Auch gut. Sehr gut sogar.
Früher hat mich das oft geärgert, dass mir niemand seine Hilfe angeboten hat. Dass ich der alleinige Sklave meiner Familie war. Heute sehe ich das ganz anders: Ich genieße die Ruhe in der Küche, mach Eines nach dem Anderen in aller Entspanntheit und siehe da – es ist wie innere Einkehr! Die Küche ist zum Meditationsraum geworden. Die Gedanken fließen. Es fällt mir alles Mögliche ein. Was zum Beispiel, als ich Kind war, das weihnachtliche Geheimnis ausgemacht hat. Woher die Spannung damals kam, welches Bauchkribbeln ich verspürt hatte. Ich erinnere mich an die herrlichen Düfte, die durch das Haus zogen. An die vielen Verwandtenbesuche, die sich alle in unserem großen und immer offenen Haus abspielten. Ein Hallo, ein Umarmen, ein ständiges Auftischen und Abräumen. Ein Tuscheln und Rascheln wenn die Geschenke heimlich ausgetauscht wurden.
Das alles fiel mir wieder ein, beim Bereiten des Festschmauses, allein in der Küche – und mich beschlich ein wunderschönes Weihnachtsgefühl.
So fühlte ich mich richtig gestört, als mein Allerliebster hereinkam, um nachzufragen, ob er etwas helfen solle. Kurz spürte ich einen Anflug von routiniertem Ärger: Klar, jetzt, wo alles fertig ist, kommt er daher.... aber dann lächelte ich nur und drückte ihm den Brotkorb in die Hand und folgte ihm mit dem Tablett voller Schüsselchen, gefüllt mit herrlichen Saucen. Die Entdeckung des neuen Meditationsraumes war für mich ein wunderschönes Weihnachtsgeschenk, von dem ich täglich zehren würde. Nie wieder würde ich den Frust einer streng gehaltenen Sklavin in der Kühe verspüren – endlich hatte ich mich zumindest mit einem Teil der Familienarbeit versöhnt. Dass allerdings gerade die Küche zu meinem Meditationsraum werden würde, und nicht mein Arbeitszimmer ...hätte irgend jemand versucht mir das einzureden, ich hätte ihn für verrückt erklärt!
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Helfersyndrom, oder nicht
„Hilfe, Hilfe!“... tönte es vorige Woche aus dem Nachbarhaus. Meine Gedanken überschlugen sich: Soll ich nachschauen, was da los ist? Ich bin allein zu Hause. Wahrscheinlich läuft nur der Fernseher wieder so laut.
Aber was, wenn nicht? Wenn der Nachbar seine Frau schlägt? Oder umgekehrt – nein die Hilfeschreie stammten von einer weiblichen Stimme. Vor kurzem habe ich nämlich einen Artikel über eine Gerichtsverhandlung gelesen, in der eine Krankenschwester wegen Körperverletzung angeklagt war. Sie hatte ihrem Lebensgefährten Schläge verpasst, dass er sich davon einige Tage im Krankenhaus erholen musste. Ja, das gibt es auch. Allerdings wurde auch er verurteilt, weil er „im Reflex zurückgeschlagen hat“ und die Frau gleich mehrere Rippenbrüche davongetragen hat.
Also was kann passieren, wenn ich beim Nachbar anläute und wissen will, warum Hilfeschreie aus der Wohnung kommen? Will ich das jetzt wirklich wissen? Er steht dann vielleicht vor mir und in seiner Wut bin dann ich die Nächste, die um Hilfe rufen muss. Wer kümmert sich dann um meine Angst? Oder er erklärt mir, dass mich seine ehelichen Vergnügungen einen feuchten Dreck angehen. – Aber muss dabei unbedingt jemand um Beistand rufen? Ich kenne eigentlich niemanden, der um Hilfe ruft, wenn er sich vergnügt. Allerdings kenne ich auch hauptsächlich kreuzbrave Mitbürger. Wenn mein Herzallerliebster da wäre, dann könnte ich ihn schicken...
Läute ich an, mache ich mich wahrscheinlich unnötig wichtig. Es klärt sich sicher alles als harmlos auf. Ein Scherz, der Fernseher, ein Gesellschaftsspiel. Mische ich mich nicht ein und die Frau Nachbarin wird morgen tot in der Wohnung aufgefunden, mache ich mich durch Unterlassung von Hilfeleistung strafbar.
Was wir fast täglich in Zeitungen lesen, im TV sehen passiert immer weit weg, nicht in der unmittelbaren Nachbarschaft. Wenn wir diese Gewaltbereitschaft bei unseren Nachbarn annehmen würden, könnten wir sicher nächtens kein Auge zutun. Denn was kann man einem solchen Tunichtgut nicht darüber hinaus noch alles Böses zutrauen. Mann erschlägt Frau aus Eifersucht, Mann erschießt Frau weil sie sich scheiden lassen will, Mann attackiert Ehefrau, weil sie nicht kochen wollte. Kaum zu glauben, aber Gewalt passiert zu einem großen Teil in der Familie. Gewalt ist keine Privatsache, dazu hat sie zu viele Auswirkungen, die uns alle in irgend einer Form betreffen. Im weitest entfernten Fall als Steuerzahler, der für die Finanzierung von Frauenhäusern, Erziehungsheimen und Therapiesitzungen herangezogen wird.
Diese Gedanken gehen mir durch den Kopf. Ich ärgere mich über meine Feigheit. Mittlerweile ist es nebenan auch wieder still geworden. Ich nehme mir vor, beim nächsten Mal wenigstens telefonisch nachzufragen, ob sie den Fernseher leiser stellen könnten. Damit erreiche ich immerhin eine Unterbrechung und kann aus der Reaktion vielleicht ablesen, was wirklich Sache ist. Dann kann ich immer noch entscheiden, eingreifen, Polizei holen oder mich für meine Wichtigtuerei entschuldigen.
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Mein Liebster ist ein Katzenfreund. Ich mag Katzen auch sehr gerne – aber wenn man beobachtet, welch innige Beziehung unser Kater Murr und mein Liebster haben, weiß man erst, was richtige Katzenliebe ist – im Vergleich zur Affenliebe.
Kommt mein Liebster nach Hause, führt Murr einen Freudentanz sonder gleichen auf. Er begrüßt ihn mit freudigem Miauuuuuu, er springt vom Sofa, macht einen ausgiebigen Katzenbuckel, verfolgt ihn in die Küche, beobachtet ihn unter liebevollem Blinzeln und hofft, dass auch für ihn ein Snack abfällt. Ich habe zwar nie mit eigenen Augen gesehen, dass dieses Verhalten von Erfolg gekrönt gewesen wäre, aber Murr hat sicher seine Gründe, warum er diesem Ritual treu bleibt. „Männer“ haben da wohl so ihre eigenen Tricks und alles muss ich ja auch nicht wissen, das seh ich ein. Das Ganze wird begleitet von liebevollem Geplänkel zwischen den beiden. Ja mein schönster alter Kater ... miau ... du bist ja so ein Lieber ....miauuuu .... nein zum Fressen kriegst du jetzt nichts (flötender Ton) .... miau, miau –usw. Ist die Aktion in der Küche beendet, verfolgt Murr seinen großen Freund aufs Sofa, lässt ihn höflich zuerst Platz nehmen und springt ihm dann freudig auf den Schoß, wo er sich gemütlich zusammenrollt.
Der Kater erhält Streicheleinheiten auf Fell und Ohren, sie tauschen Komplimente aus, dass ich zuerst blass werde vor Neid und dann auf rot wechsle, vor Eifersucht. Ist erst der Fernsehabend mit Feuer im Ofen, Tee am Couchtisch und einem netten Film angebrochen – bin ich vollends abgeschrieben. Dann ist Schmusestunde für die beiden. Und sie fühlen sich äußerst unsanft gestört, wenn ich mir erlaube aufzustehen, um mir ein Stück Käse aus dem Kühlschrank zu holen. Denn da kann unser Kater in seiner Genusssucht nicht umhin, mir nachzukommen. Schließlich könnte ja auch ein Stück Wurst, Trockenfutter oder ein paar Schlucke Milch für ihn drin sein. Das will er keinesfalls verpassen. Will ich mich vielleicht bei ihm einschmeicheln und geb ihm was, streicht er mir zwar wohl dankbar einmal um die Beine. Nach Verzehr steuert er aber zielsicher wieder den Schoß meines Liebsten an – da gibt es kein Überlegen. Bin ich aber schneller als er und kuschle mich an meinen Mann – wofür hab ich ihn denn? – dann drängt sich das Katzenvieh frech dazwischen. Und das Gemeinste dabei ist: mein Liebster beginnt den Kater zu kraulen, statt mich zu streicheln! Fasse ich meine Bedenken beleidigt in Worte, ernte ich nur verständnisloses Lachen. Da könnt ich glatt zum Raubtier werden!

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