26. Mai 2012 11:15 | |||||
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Alles Käse - oder was?
Letzten Dienstag verfolgte ich im ZDF die Sendung "Frontal 21". Dabei auch ein Beitrag über Analaog-Käse. Es ist für den Verbraucher und für den Milchbauern schon frustrierend, was hier wieder abgeht. Auf Anfrage beim zuständigen Verkaufspersonal in einem Klagenfurter Supermarkt: "Analog-Käse?, kenne ich nicht".
Wo bleiben hier die Konsumentenschützer und Landwirtschaftskammern?
kuecheundkeller
Analog - Käse ist Betrug am Verbraucher und an den Bauern
Riesige Mengen an Käse, der vor allem in Produkten wie Pizza oder Käsestangen verwendet wird, ist in Wirklichkeit kein Käse, sondern ein aus Pflanzenfetten, Wasser und Eiweiß zusammen gepanschtes Kunstprodukt.
Mit künstlichen Aromen wird dann aus der zähen Masse wahlweise Pizzakäse, Mozzarella oder was der Markt sonst noch nachfragt. Große Fast-Food Ketten, aber auch der Gastronomiegroßhandel verwenden nicht Käse aus Milch, sondern Kunstkäse aus der Retorte. Aufgezeigt wurde diese Praxis durch einen Beitrag von Frontal 21.
„Der Aufschrei über solche Zustände kann gar nicht laut genug sein! Da werden Verbraucher hinters Licht geführt und die Milchbauern ausgebootet, so dass deren Erlöse weiter sinken“, kommentiert Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des BÖLW den ZDF-Bericht. Er wies darauf hin, dass Öko-Produkte ohne solche zweifelhaften Segnungen der Lebensmittelindustrie hergestellt werden:
„Bio-Käse ist immer Käse aus 100% Milch. Und Bio-Pizza darf nur mit Bio-Käse hergestellt werden. Für die Naturbelassenheit von Bioprodukten sorgen die strengen Vorschriften der EU-Öko-Verordnung, die auch den Einsatz von Verarbeitungshilfsstoffen auf ein Minimum begrenzt. Die Vorschriften der Verbände des Ökologischen Landbaus sind hier sogar noch restriktiver.“
Analogkäse ist ein künstliches Käse-Ersatzprodukt aus Palmöl, Stärke, Milcheiweiß, Salz und Geschmacksverstärker. Er wird bereits in Convenience-Produkten (Pizza, Cheeseburger, Lasagne etc.) eingesetzt und ersetzt dort mittlerweile einen Käseanteil zwischen 25 und 100 %. Aufgrund der möglichen Variationen der Zusammensetzung ist es möglich, „maßgeschneiderten“ Käse mit unterschiedlichem Schmelzverhalten zu imitieren.
Das niederländische Fernsehprogramm „De Keuringsdienst van Waarde“, das erstmals Ende 2003 über seine Verwendung berichtete, spricht davon, dass der Markt rasant weiter wachse, da Analogkäse billiger als herkömmlicher Käse sei. Darüber hinaus könnten selbst Feinschmecker kaum einen Unterschied zwischen dem Kunstprodukt und echtem Käse ausmachen.
Der Nepp-Käse, so schimpfen ihn die Niederländer, an sich ist zwar nicht direkt gesundheitgefährdend, aber appetitanregend ist er auch nicht. Es wird davon ausgegangen, dass mittlerweile bei bis zu 70 Prozent der Fertigpizzen einer Supermarktkette nur noch eine Mischung aus Palmöl, Stärke, Milcheiweiß und Salzen sowie Geschmacksverstärkern statt echtem Käse drauf ist. Auch bei Cheeseburgern, Fertig-Pastas, Snacks oder Fertigmahlzeiten findet dieser Ersatzkäse seinen Einzug.
Wenn in der Zutatenliste einer Tiefkühlpizza die Begriffe Palmöl (oder Pflanzenöl), Milcheiweiß und Stärke (oder ein Stärkeprodukt) auftauchen, kann sie darauf hinweisen, dass ein Käse-Imitat verwendet wurde. Der deutsche Markt für Käseimitate wird auf 80.000 bis 100.000 t geschätzt.
Nach der Milchbezeichnungs-Schutzverordnung ist es unzulässig, Erzeugnisse, bei denen Milchfett gegen pflanzliches Fett ausgetauscht wurde, mit dem Namenszusatz „Käse“ zu bezeichnen. Wenn Analogkäse anstelle von Käse aus Milch verwendet wird, darf das Erzeugnis nicht unter dem Namenszusatz „Käse-“ (Stange, Pizza o. ä.) vermarktet werden. Der § 11 des LFGB verbietet es, Lebensmittel unter irreführender Bezeichnung in Verkehr zu bringen.
Quelle/Autor: Europaticker erschienen am: 2009-04-08
Mozzarella oder Kunst-Käse?