11. März 2010 00:24 | |||||
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Mitglied seit: 17.10.2006
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Lange verpönt und nur in der zensurierten Fassung als "Katerina Ismailowa" zugänglich, erfreut sich das Original der bedeutendsten Oper von Dmitri Schostakowitsch immer größerer Beliebtheit. Die Salzburger Festspiele haben "Lady Macbeth von Mzensk" 2001 in einer Inszenierung von Peter Mussbach unter Valery Gergiev herausgebracht, die Grazer Oper übernimmt in der nächsten Spielzeit die Inszenierung, mit der Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann sein Regiedebüt an der Wiener Staatsoper gegeben hatte.
Auf DVD führt Martin Kusejs Amsterdamer Inszenierung, bei der Mariss Jansons am Pult stand, die Qualitätsliste vor dem 2004 mit Nadine Secunde und Christopher Ventris in Barcelona entstandenen Mitschnitt an. Auch die jetzt als DVD und Blu-ray veröffentlichte Dokumentation einer Produktion des Maggio Musicale Fiorentino 2008 kann mit Amsterdam nicht ganz konkurrieren.
Regisseur Lev Dodin meidet die von Kusej drastisch ausgestellte Brutalität, huldigt in den Bühnenbildern von David Borovsky einem folkloristisch angehauchten Realismus, den er bisweilen zu parodistischer Ironie steigert.
In dieser Inszenierung wirkt Vladimir Vaneev als Boris weniger abgefeimt und bösartig als in Amsterdam. Jeanne-Michèle Charbonnet überschreitet mit der Titelpartie ihre stimmlichen Grenzen, Sergej Kunaev bringt für den Sergej kühl kalkulierten tenoralen Charme mit. James Conlon dirigiert sorgfältig, bietet aber im Vergleich zu Jansons eine geglättete, etwas verharmlosende Lesart.
Dmitri Schostakowitsch: "Lady Macbeth von Mzensk".
Jeanne-Michèle Charbonnet, Sergej Kunaev, Vladimir Vaneev, Chor und Orchester des Maggio Musicale Fiorentino; Dirigent: James Conlon.
Regie: Lev Dodin.
Arthaus, 1 DVD bzw. 1 Blu-ray.
Ernst Naredi-Rainer
Am Sonntag, dem 28. Februar 2010, wird er sein spektakuläres Debüt an der Wiener Staatsoper feiern. Auf ausdrücklichen Vorschlag von Direktor Ioan Holender singt Max Emanuel Cencic in der Uraufführung der "Medea" von Aribert Reimann den Herold der Amphiktyonen, der Jason und Medea den Bannspruch der griechischen Verbündeten von Korinths König Kreon überbringt. Mit seinem Countertenor soll Cencic, so Reimann, "die Verbindung zu den Göttern herstellen".
Mit der griechischen Mythologie setzt sich der 1976 in Zagreb geborene Künstler, der seine musikalische Grundausbildung bei den Wiener Sängerknaben erhalten hat und heute in Baden bei Wien lebt, auch auf seiner heute erschienenen zweiten Recital für Virgin Classics auseinander. Hatte er vor zwei Jahren seine erste Solo-CD für dieses Label Gioachino Rossini gewidmet, der nur in einer einzigen Oper einen Kastraten eingesetzt und danach seine Hauptrollen für Mezzosoprane geschrieben hat, so präsentiert sich Cencic jetzt im angestammten Repertoire heutiger Countertenöre. Mit einem Dutzend sorgfältig ausgesuchter Arien durchmisst er das Opernschaffen von Georg Friedrich Händel. Seine Auswahl spannt sich von der "Agrippina" des Jahres 1709 bis zum "Imeneo" aus dem Jahr 1740.
Da Händel in diesen Jahrzehnten für mehrere Vertreter der Kastraten-Elite seiner Zeit komponiert und ihnen jeweils maßgeschneiderte Arien geschrieben hat, ergibt sich für Cencic die Möglichkeit, alle Register seines Könnens zu ziehen. Er beeindruckt mit der phänomenalen Höhe seines Mezzosoprans, aber auch mit dessen Geschmeidigkeit bei den virtuos gemeisterten Koloraturkaskaden. Cencic vermag aber auch mit eleganten und klugen Phrasierungen in lyrischen Teilen zu punkten. Präzise verdeutlicht er die jeweiligen Affekte, weil er sich auch nicht scheut, den Schönklang links liegen zu lassen und seine Stimme zu Gunsten des Ausdrucks zu schärfen.
I Barocchisti unter Diego Fasolis und - in zwei Nummern aus der selten zu hörenden Hochzeits-Serenata "Parnasso in festa" - der Coro della Radiotelevisione svizzera stehen ihm als engagierte Partner flexibel zur Seite.
Georg Friedrich Händel: Opernarien.
Max Emanuel Cencic (Mezzosopran), Coro della Radiotelevisione svizzera, I Barocchist, Leitung: Diego Fasolis.
Virgin Classics, 1 CD.
Ernst Naredi-Rainer
Bernarda Fink beschert dem Schumann-Jahr anlässlich des 200. Geburtstags des Komponisten einen ersten Höhepunkt. Die selten gesungenen späten "Gedichte der Königin Maria Stuart", op. 135 kombiniert sie auf ihrem jüngsten Recital mit dem populären "Liederkreis", op. 39, sechs Liedern aus dem Zyklus "Myrten",
op. 25 sowie zehn Vertonungen von Gedichten von Friedrich Rückert.
Bei allen 33 Liedern beeindruckt die Sopranistin mit ihrer reifer Gestaltungskunst. Sie verzichtet auf jegliche Eitelkeit und gewinnt dadurch gerade in den spröden und kargen Maria-Stuart-Liedern ganz besondere Eindringlichkeit. Generell fasziniert einmal mehr die schlichte, ungekünstelte Natürlichkeit und Ehrlichkeit ihres Vortrags, dessen feine Schattierungen und Nuancen mühelos aufwiegen, dass die technisch vorüglich geführte, wunderbar warm und weich timbrierte Stimme der 1955 in Argentinien geborenen Sängerin ihren Zenit bereits ein wenig überschritten hat.
Mit Anthony Spiri steht ihr ein ebenso sensibler wie flexibler Pianist ebenbürtig zur Seite.
Robert Schumann: Lieder.
Bernarda Fink (Sopran), Anthony Spiri (Klavier).
harmonia mundi, 1 CD.
Ernst Naredi-Rainer
Auf ihren Ohren sitzen die steirischen Konzertveranstalter. Hartnäckig nehmen sie nicht zur Kenntnis, dass der am 10. Juni 1843 in Graz geborene Heinrich von Herzogenberg nicht nur als enger steirischer Freund von Johannes Brahms Eingang in die Musikgeschichte gefunden hat. Er gehört vor allem zu jenen zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Komponisten, deren Wiederentdeckung sich wirklich lohnt. Um diese bemüht sich vor allem das verdienstvolle Raritätenlabel cpo.
Auf seiner bereits elften Herzogenberg-CD kombiniert es das 1876 komponierte Streichquartett d-moll, op. 18 mit dem 1892 entstandenen Streichquintett c-moll, op. 77. Das frühe Streichquartett ist ein Dokument der Abkehr von Richard Wagner und der Neudeutschen Schule, die dieses Genre als veraltet ansah. Das Streichquintett wiederum versteht sich als tönende Trauerarbeit: Der zweite Satz besteht aus "Variationen über ein Lied von Lisl". Lisl war Herzogenbergs Gattin Elisabeth von Stockhausen, die am 7. Jänner 1892 in San Remo gestorben war.
Können auch beide Werke eine Nähe zu Johannes Brahms nicht leugnen, so sind sie doch keineswegs epigonal. Handwerklich exzellent gearbeitet, verraten sie Formbewusstsein und Temperament. Sie wirken durchwegs inspiriert und vor allem das von persönlichem Leid geprägte Streichquintett dringt zu einer subjektiven Expressivität vor, die unmittelbar berührt.
Das in Köln beheimatete Minguet Quartett, das zwischen den beiden Einspielungen den Bratschisten getauscht hat (auf Irene Schwalb folgte Firmian Lermer) musiziert mit großem Engagement und auf hohem Niveau, das im Quintett auch der oberösterreichische Bratschist Peter Langgartner hält.
Heinrich von Herzogenberg: Streichquartett d-moll, op. 18; Streichquintett c-moll, op. 77.
Minguet Quartett, Peter Langgartner (Viola).
cpo, 1 CD.
Ernst Naredi-Rainer
Seine zweite Oper, "Edgar", war Giacomo Puccinis Schmerzenskind, das er selbst als "kranken Organismus" bezeichnete. 1889 an der Mailänder Scala uraufgeführt und in nur drei Folgevorstellungen gezeigt, arbeitete er sein "Dramma lirico" nach Alfred de Mussets "La Coupe et les lèvres" mehrfach um: Eine erste revidierte Fassung kam 1892 in seiner Geburtsstadt Lucca heraus, eine zweite revidierte Version im selben Jahr in Ferrara, eine dritte Umarbeitung schließlich 1905 in Buenos Aires. In dieser dreiaktigen Fassung wurde er seither gelegentlich aufgeführt. Das vieraktige Original jedoch galt als verschollen. Erst als sich die amerikanische Puccini-Expertin Linda B. Fairtile daran machte, zum 150. Geburtstag des Komponisten den nur noch im Klavierauszug überlieferten vierten Akt zu instrumentieren, bequemte sich Simonetta Puccini, die Enkelin des Komponisten, die unversehrte Originalpartitur herauszurücken.
In dieser ursprünglichen Gestalt erlebte "Edgar" im Teatro Regio in Turin seine moderne Wiederaufführung, deren Mitschnitt als Welterstaufnahme des Originals auf DVD vorliegt. Sie verdient zunächst aus philologischen Gründen Interesse, zeigt sich doch, dass der Verzicht auf den fast vierzig Minuten dauernden Schlussakt dem Werk eher geschadet hat und das Original stärker wirkt.
Freilich lässt sich nicht leugnen, dass Ferdinando Fontana, der theaterunerfahrene Librettist, Alfred de Mussets Versdrama auf ein blutrünstiges Schauerstück reduziert hat, das auf die reflexiven Elemente der Vorlage verzichtet. Die Story erinnert an Wagners "Tannhäuser": Der Titelheld, ein Wüstling. steht zwischen zwei völlig unterschiedlichen Frauen, einer Heiligen und einer Hure, der braven Fidelia und der dämonischen Tigrana.
In Turin haben Regisseur Lorenzo Mariani und sein Ausstatter Maurizio Balò das Geschehen aus dem Jahr 1302 in die Epoche des Risorgimento verlegt und mit diesem Transfer in die Entstehungszeit dem Stück ebenso genützt wie mit ihrem Balanceakt zwischen Naturalismus und Stilisierung.
Die Turiner Produktion beeindruckt mit erfreulich hoher musikalischer Qualität: Yoram David dirigiert engagiert und schwungvoll. José Cura gestaltet den Titelhelden mit seinem ausdrucksstarken Bronzetenor als zerrissenen Charakter. Amarilli Nizza findet für die einfältige, geradlinige Fidelia frische, klare Soprantöne, Julia Gertseva kostet Puccinis größte Mezzosopranpartie mit Genuss aus, formt die Zigeunerin Tigrana zum dämonischen Luder.
Giacomo Puccini: "Edgar".
Amarilli Nizza, Julia Gertseva, José Cura, Chor und Orchester des Teatro Regio Torino, Dirigent: Yoram David.
Arthaus, 1 DVD.
Ernst Naredi-Rainer
Die Granden der Alten Musik schätzen sie außerordentlich: Im Theater an der Wien sang Vivica Genaux in dieser Saison schon die Titelpartie von Gioachino Rossinis "Tancredi" unter René Jacobs und unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt die Hosenrolle des Ernesto in Joseph Haydns "Il mondo della luna". Macht die als Rossini-Sängerin weltweit gefragte Kanadierin auch im Bereich der Vorklassik und Klassik glänzende Figur, so bleibt doch die Barockmusik ihre wahre Domäne.
Mit der Gesamtaufnahme von Antonio Vivaldis Oper "Bajazet" hatte die Mezzosopranistin ihre Zusammenarbeit mit dem Label Virgin Classics eröffnet, das jetzt ein Recital mit Opernarien Vivaldis auf den Markt gebracht hat. "Pyrotechnics" lautet der Titel dieses Albums, auf dem die aus Alaska stammende Sängerin tatsächlich mit einem atemberaubenden vokalen Feuerwerk brilliert. Rasche Läufe, halsbrecherische Koloraturen, heikle Sprünge und unglaublich rasch intonierte Trillergirlanden serviert sie mit einer technischen Brillanz, mit der sie keinerlei Konkurrenz scheuen muss. Ähnlich virtuos agieren Fabio Biondi und sein exzellentes Ensemble Europa Galante.
Das 13 umfassende Album, das dank der Weltersteinspielung von fünf Nummern des nur scheinbar wie am Fließband schreibenden, tatsächlich aber höchst inspiriert und kontrastreich komponierenden Venezianers auch hohen Repertoirewert besitzt, stellt freilich nicht nur die "geläufige Gurgel" der Sängerin unter Beweis, sondern auch ihre lyrischen Qualitäten, ihre Sensibilität für elegische Gesänge und ihre Kunst, mit ihrem androgyn klingenden, farbenreichen Mezzosopran Affekte höchst intensiv zu gestalten
"Pyrotechnics": Opernarien von Antonio Vivaldi.
Vivica Genaux (Mezzosopran), Europa Galante, Leitung: Fabio Biondi.
Virgin Classics, 1 CD.
Ernst Naredi-Rainer
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naredi
01.03.2010, 21:00
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cds3
01.03.2010, 21:00
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Lady Macbeth
01.03.2010, 20:43
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naredi
26.02.2010, 16:34
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cds4
26.02.2010, 16:33
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Cencic
26.02.2010, 16:06
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Persepolis Trailer
02.12.2007, 14:56
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Filme
03.08.2007, 14:56
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Bücher
30.04.2007, 14:00
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Klassik
30.04.2007, 13:59
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Popmusik
30.04.2007, 13:56
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