26. Mai 2012 10:00 | |||||
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Auch ein alter Freund läßt einen eben manchmal lange warten: „Hier kommen die Jungs mit den Ego-Problemen und ihrem Hang zu arroganten Frauen“ – kann man einer Band, die ihren ersten Song auf dem ersten Album seit elf Jahren so beginnt, böse sein? Nein, denn die Flowerpornoes rund um den Duisburger Tom Liwa machen auf ihrem neuen Album fast alles richtig.
Liwa sang auf Deutsch als das alles andere als angesagt war und schien schon 1993 zu ahnen, was da an Silbermonden und Tokyo Hotels noch so kommen würde: „Fünf Jahre nach mir und drei Jahre nach Blumfeld kaufen sie alles ein, was deutsch singt – und laut genug lügen kann“. Und scherte sich über all die Jahre einen Dreck um Modeströmungen, setzte viel lieber all das Verlebte, Vergeudete, Verwaschene und Geträumte, das ihm aus seiner Seele tropfte, in zu einem beträchtlichen Teil wunderbare Musik um. Man bekommt hier den Apfel mitsamt dem Kern, kein Zweifel.
1996 zog Liwa der Band nach einer Handvoll Alben den Stecker raus, um seinen Weg alleine weiter zu gehen. Gerieten seine Solo-Alben unter dem offenkundigen Einfluß von esoterischer Literatur und zu vielen Räucherstäbchen mitunter doch ein wenig zu verschwurbelt (brillant jedenfalls: „St. Amour“ von 2000), präsentieren sich die in etwas anderer Besetzung reformierten Flowerpornoes nun wieder so, wie man sie immer liebte.
Liwa, bekennender Fan von Neil Young, Bob Dylan, Van Morrison und Joni Mitchell, setzt weiter auf jene hochpoetischen Texte, die wahrscheinlich nur er selbst immer versteht, die Musik ist wieder jene sympathische Schnittstelle aus Folk und Rock, knackig auf den Punkt gespielt und produziert. Hier ist viel Gefühl - doch kein Pathos, hier sind Lieder - und keine peinlichen Posen. Wer sich Zeit nimmt, diese herrlich borstige Platte wirklich zu hören, dem werden zudem auch jene kleinen Farbtupfer auffallen, die einen wieder an die letztlich stets altbekannten Akkorde von Rock 'n’ Roll glauben lassen…
„Die Flowerpornoes sind zurück. Das ist wie Sex mit der Ex. Nach all den Jahren“, sagte jemand zur neuen Platte von Liwas Gefühls-Kollektiv. Jene Ex, über die man offenbar zu Recht nie wirklich hinweggekommen ist, bleibt hinzuzufügen…
Thomas Golser