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Album "Popmusik"
Zurück 19/19
Zurück in Schwarz
von thomasgolser am: 02.05.2007, 10:57 Uhr

Was wurde über diese Platte, diese Frau während der letzten Monate nicht schon alles geschrieben: „Die derzeit tollste Soulsängerin Englands“? Vielleicht. Schamlose Retro-Blaupause? Wahrscheinlich. Eine Scheibe, die Spaß macht? Das ganz bestimmt!

 Das Zweitlingswerk von Amy Winehouse („Frank“ erschien 2004) ist äußerst kurzweilig und gekonnt produziert – auch retro will gelernt sein, und hier hat jemand (genauer: Produzent Mark Ronson, verantwortlich für Robbie Williams, Lily Allen und nun ja, Christina Aguilera in Kooperation mit Salaam Remi) seine Hausaufgaben gemacht: Immerhin kein allzu leichtes Unterfangen, den klassischen Soul-Sound der 60er-Jahre wieder aufleben und 2007 frisch klingen zu lassen.

 Zur knurrenden, kratzenden und (zumindest auf Klangkonserve) in jeder Hinsicht überzeugenden Stimme gibt es pochende Rhythmen, knackige 60-Jahre-Bläsersätze, schöne Chöre, traurige Streicher und sogar eine Querflöte – auf gerade einmal 32 Minuten wird einiges von dem geboten, was man schon lange nicht mehr so gut gehört hat. Wenn schon „Girlie-Sound“, dann so! Wenn man möchte, hört man auf „Back to Black“ auch die Shangri-Las, die Supremes, Aretha Franklin, Nina Simone oder auch Macy Gray heraus. Es gibt wahrlich schlechtere Vorbilder! Wer Angst vor zuviel Zuckerguss hat, kann ebenfalls beruhigt sein, denn eine heile Welt wird hier jedenfalls nicht besungen: Winehouses Songs heißen schon einmal „Rehab“, „Wake up alone“, „Love is a losing Game“, „Tears dry on their own“ oder „Some unholy War“.

 Auf der Insel füllt das böse Mädchen die Klatsch-Gazetten, von Sauf- und Rauflust, Essstörungen und unmöglichem Betragen wird berichtet: Auch wenn einiges davon vielleicht nur Pose sein mag, so nimmt man Winehouse das Verruchte doch ab, auch wenn „Back to Black“ letztlich klar auf Radiotauglichkeit getrimmt ist, so macht diese Platte doch Lust auf mehr. Der Vergleich mit dem bösen Babyshambles-Buben Pete Doherty hinkt allerdings schon deshalb, weil Winehouse ein völlig anderes musikalisches Feld beackert. Zudem ist die 23-Jährige aus Southgate im Norden von London deutlich hübscher anzusehen als der schmuddelige Gerichtssaal-Dauergast. Ein Duett ist dem Vernehmen nach trotzdem geplant.
 

 

  Thomas Golser

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