26. Mai 2012 10:01 | |||||
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Was für eine Platte! Was für eine Platte, aber auch im Sinne von: Was für eine Platte ist das eigentlich? "The Cinematic Orchstra" rund um Jason Swinscoe legt mit ihrem mittlerweile vierten Album "Ma Fleur" kein Easy Listening vor, doch übertrieben schwierig wird es dem Hörer auch nicht gemacht.
Der einstige Londoner Szene-Guru wollte dieses Mal den akustischen, folkigen Aspekt seiner Musik in den Vordergrund, Jazz und Electronica klar in den Hintergrund stellen. Herausgekommen ist grandiose Musik für Kopfkino-Spätvorstellungen. Schätzen viele Fans das Erstlingswerk "Motion" nicht zu Unrecht als bahnbrechend ein, belohnt auch "Ma Fleur" reich, allerdings erst nach mehrmaligem Hören. Die Platte folgt einer unsichtbaren Dramaturgie, die man nicht gleich verstehen wird und wohl auch nicht verstehen soll.
Die großartigen Stimmen von Fontanella Bass, Louise Rhodes und Patrick Watson veredeln die dahintreibenden und mitunter erstaunlich klassisch gehaltenen Arrangements. Klingt der Opener "To Build A Home" noch verdächtig nach der britischen Weltschmerz-Stadienfüller-Band Coldplay, verlässt man diese Route dann Gott sei Dank.
Hier gibt es Ambient Music im besten Sinne des Wortes, die allerdings nicht zu konfus, artifiziell und beiläufig daherkommt, sondern sich lieber auf gute Songs verlässt: Eine so schöne und ergreifende Nummer wie "Breathe" hat man schon lange nicht mehr gehört, so viel ist sicher. Großartig auch die Instrumentals, die der clevere Bandleader einstreut.
Mag sein, dass Fans der noch elektronischer gehaltenen Alben "Motion" und "Everyday" mit dem neuen nicht mehr viel anfangen können, doch wie meinte Mastermind Swinscoe so treffend: "Es fühlt sich gut an, zur Schlichtheit der Kombination von Gitarre, Stimme und Piano zurückzukehren". Eine recht abrupte Um-Orientierung also, doch es treibt weiter schöne Blüten, nomen es omen.
"Ma Fleur" gibt es übrigens nicht nur als CD (Standard-Version und limitierte Version), sondern auch als ganz wunderbar aufgemachte (und zugegebenermaßen nicht ganz billige) Doppel-Vinyl-Edition – für jene Glücklichen, die dem Plattenspieler noch dem iPod den Vorzug geben. Bleibt standhaft!
Thomas Golser