26. Mai 2012 10:01 | |||||
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Es gibt Dinge, die kommen immer wieder, unaufhaltsam: Neujahrs-Ansprachen eines Herrn Bundespräsidenten, wetter- und alkoholbedingtes Kopfweh, Ebben am Konto. Und Alben von Bon Jovi – jener Band, die seinerzeit ganz oben auf der „Hair Metal“-Welle trieb. Seit jeher biegbares Leichtmetall, freilich.
Jon Bon Jovi und seine haltbaren Mitstreiter Richie Sambora, Tico Torres und David Bryan musizierten wieder miteinander, Resultat ist das mittlerweile zehnte Album seit dem Debüt von 1984 (diverse Live-Alben und Koppelungen nicht mitgerechnet). Angeblich gab es eine Kursänderung. Angeblich brach man aus dem musikalischen 08/15-Schemata aus – und machte ein Country-Album. Angeblich. Faktum ist: Bon Jovi bleiben Bon Jovi. Und mit echtem Country abseits von Nashville-Kommerz (wie vollmundig angekündigt wurde) hat „Lost Highway“ selbstverständlich nichts zu tun, da helfen auch ein wenig Akkordeon, Mandoline, Banjo und Pedal Steel-Gitarre nicht wirklich. Tut leid, Jon.
Das Tempo der elf Songs wurde insgesamt vielleicht etwas gedrosselt, schließlich wird auch die Kundschaft nicht jünger, gerockt wird 2007 höchstens noch auf der Bühne, Schunkeln ist ab sofort dringend erlaubt. Geblieben sind die Wegwerf-Refrains („Hey, hey, I finally found my way“) und die typischen Herzeleid-Balladen (z.B. die erste Single „You Want To Make A Memory“), der Band mit jenem Namen, mit dem sich auch Schokoriegel gut verkaufen ließen. Dem Vernehmen nach wird auch das schmeichelweiche „Till We Ain’t No Strangers Anymore“, das Duett mit LeAnn Rimes, bevorzugt von nahe am Wasser gebauten LKW-Fahrern nach Mitternacht auf schlecht asphaltierten Highways gehört.
"Lost Highway" ist in Summe so originell und spannend wie die Heizkostenabrechnung vom vorletzten Jahr. Dazu singt Jon Bon Jovi allen Ernstes Textzeilen, wie „Du machst, dass es sich anfühlt wie Sommerzeit – Verdeck runter und nichts als Zeit. Das Radio läuft und du neben mir, es fühlt sich an wie Sommerzeit“. Ist gut, Jon, wir glauben Dir alles. Oder nichts. Je nachdem. Zu „Lost Highway“ wird übrigens gut abgestandenes, lauwarmes „Budweiser“-Dosenbier (die amerikanische Plörre, nicht das feine, tschechische Original) perfekt passen...
"Lost Highway" (Island/Universal), CD
Bon Jovi
Thomas Golser