26. Mai 2012 10:01 | |||||
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Es gibt so viele Comebacks, die schlicht überflüssig sind. Und es gibt jene raren Comebacks, die gut tun. Die Renaissance von Crowded House elf Jahre nach Auflösung der neuseeländisch-australischen Band gehört definitiv zur zweiten Sorte.
Sänger, Songschreiber und Gitarrist Neil Finn war eigentlich drauf und dran, sein drittes Solowerk einzuspielen, als er wieder Lust nach dem Bandgefüge mit Gründungsmitglied Nick Seymour am Bass und Mark Hart (Gitarre, Keyboards, ab 1993 mit Crowded House) verspürte. Rausgekommen ist ein ganz typisches Crowded House-Album - und auch wieder nicht: Finn schreibt zwar harmoniesüchtige Songs wie eh und je (der Vergleich mit den Beatles greift hier viel zu kurz), allerdings mit gehöriger Melancholie: Beschwingte Hit-Singles wie "Weather With You" von 1991 wird man hier vergebens suchen, doch das war ganz offenbar auch nicht Finns Absicht. Verarbeitet wird in den neuen Texten ganz klar der Freitod des Crowded House-Schlagzeugers Paul Hester. So wie der Abschied von ihm offenbar Zeit braucht, um verwunden zu werden, so braucht dieses Album Zeit, um zu wachsen.
Es geht hier um den Tod (z.B. im verhaltenen Album-Opener "Nobody Wants To"), Erinnerung und Enttäuschung. Allerdings wird "Time On Earth" (auch als liebevoll aufgemachtes Doppel-Vinyl mit zwei Extra-Titeln) deshalb zu keinem Zeitpunkt mühsam oder gar tranig: Finn schüttelt nach wie vor mühelos Pop-Perlen aus dem Ärmel, wie sie andere Bands ihre ganze Karriere nachlaufen, der Mann scheint den Pop erfunden zu haben, so scheint es jedenfalls. Die erste wunderbare Single "Don't Stop Now" (mit Ex-Smiths-Gitarristen Johnny Marr), die Weltenschmerz-Ballade "Pour Le Monde" oder das energischere "Walked Her Way Down" sind nur drei weitere Beispiele dafür...
Crowded House kommen 2007 auch nach Österreich, um hierzulande ihren Ruf als superbe Live-Band zu bestätigen.
"Time On Earth" (Island/Universal), CD/Doppel-Vinyl
Crowded House
Thomas Golser