26. Mai 2012 10:01 | |||||
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Herzlichen Dank, dass Sie unser Weblog-Service in den vergangenen Jahren intensiv und hoffentlich zu Ihrer Zufriedenheit genutzt haben. Leider ist es uns nicht länger möglich dieses Angebot technisch mängelfrei zur Verfügung zu stellen, weswegen wir auch auf eine Wartung der bereits bestehenden Blogs und Statistiken verzichten müssen. Wir hoffen, Ihnen in absehbarer Zeit eine attraktive Alternative in diesem Bereich anbieten zu können.
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Von der englischen Folk-Legende Nick Drake (hier ist das Wort „Legende“ ausnahmsweise zutreffend), gibt es nur drei Studio-Alben, eine Handvoll Studio-Outtakes (und ein paar Demos bzw. Privataufnahmen, wie sie hier vorliegen). Man kann also nur erahnen, zu welchen musikalischen Großtaten der Mann aus Tanworth in Arden noch fähig gewesen wäre, hätte er sich nicht 1974 als 26-Jähriger das Leben genommen. Der Drake-Fan, der jede Nuance, jeden Ton seines schmalen und kompromisslos melancholischen Gesamtwerks bereits wie im Traum kennt, wird daher „Family Tree“ mit offenen Armen entgegennehmen. Lässt man sich von der bescheidenen Klangqualität (sämtliche Tracks wurden mit vorsintflutlichen Tonbandgeräten aufgezeichnet) nicht abschrecken, wird man reicher belohnt als man glaubt. Nichts für Einsteiger freilich, eher ein würdiger Nachschlag für ihm Verfallene.
Es wäre ja nur zu einfach, diese seltsame Sammlung von vor gut 40 Jahren aufgenommenen Songs und Songskizzen, entstanden hauptsächlich während eines Aufenthaltes in Aix-en-Provence und in seinem Elternhaus als Ausverkauf oder gar als Leichenfledderei zu verdammen. Doch man sollte es sich nicht zu leicht machen: Drake gibt hier den (noch ein klein wenig grünen) Bluesmusiker, interpretiert durchwegs überzeugend Naheliegendes und Obskures aus fremder Feder und hat bereits frühe Versionen eigener Klassiker im Ärmel. Unglaublich zudem, welch brillanter Gitarrist er schon in frühen Jahren war, entstanden doch alle Aufnahmen vor 1968. Dazu kommt, dass man Drake (von dem es nachweislich keine einzige Filmaufnahme gibt) erstmals zwischen den Songs sprechen hört. Könnte man vielleicht auf das Duett mit seiner Schwester oder die beiden Lieder seiner Mutter verzichten, so verstärken sie in Summe doch den Eindruck, dass man es hier mit einer durchaus mit Bedacht und Liebe zusammengestellten Sammlung zu tun hat. Dazu kommt ein vorzügliches Booklet.
Als Nick Drake starb, war er – schenkt man Biographien Glauben – mit nur 26 Jahren am Ende seiner Kräfte und zerfressen von nagenden Selbstzweifeln bzw. der Unfähigkeit mit der Außenwelt (abseits der Musik) zu kommunizieren. Wenigstens in diesem Fall stimmt die alte These, dass innerer Schmerz und Zerrissenheit zu erhabener Kunst beflügeln können: War auch sein Tod nicht erhaben, seine Musik wird es für immer bleiben.
Drake hat einige der schönsten Songs des letzten Jahrhunderts geschrieben, wer süchtig danach werden will, sollte sich die Original-Alben in der Reihenfolge ihres Erscheinens zulegen. Dem Vernehmen nach ist von „Family Tree“ auch eine Vinyl-Ausgabe geplant, zudem gibt es das Box Set „Fruit Tree“ mit allen Studioaufnahmen und einer CD mit Raritäten bald wieder zu kaufen, auf eine limitierte Vinyl-Box davon darf man ebenfalls hoffen.
"Family Tree" (Island/Universal), CD/Vinyl
Nick Drake
Thomas Golser