26. Mai 2012 10:02 | |||||
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Wäre dies das Debüt einer jungen Band aus, sagen wir, Kanada, die Presse (und nicht nur die) würde anders reagieren. Ein Versuch.
Der Opener des Jahres heißt „Living well´st he best revenge“. Was diese junge (kanadische, wir erinnern uns) Truppe hier abfeuert, ist der vertonte Grund, warum so manch alt eingesessene Band (unter Umständen aus Irland stammend) keine Daseinsberechtigung mehr hat. Gitarren lernen in diesem Furiosum das Laufen, die Lyrics – stets in der aggressiven Schwebe zwischen Verzweiflung und blanker Wut – feuern Tiraden gegen die (US-)Medien und geben die Marschrichtung für die folgende halbe Stunde vor.
Die Band landet den betäubenden Dreifachschlag zu Beginn souverän, gefolgt von der süßen Pop-Hmyne „Hollow Man“, nur um mit „Houston“ knietief im dreckigsten Basslauf seit Jahren zu versinken. Keyboards beinhaltet die Platte kaum, auch klassische Balladen werden zum seltenen Gast, einzig „Until the day is done“ hält kurz grandios inne, mehr noch um einmal tief Luft zu holen, angesichts der schieren Gewalt des abschließenden Trios durchaus eine weise Überlegung. Was da auf einen zurollt, muss erst einmal verdaut werden. „Sing for the Submarine“, reich an Selbstzitaten, wird zur elegischen Hymne einer verlorenen X-Generation. Ohne Kampf und großem Ziel, lediglich um romantische Ideen beraubt, bleibt das Schwelgen in vergangenen Träumen der 90er. Erst dann folgt wie Pech & Schwefel das klangliche Paar Wut & Apokalypse. „Horse to water“ und „I´m gonna DJ“ schmeißen mit einer Wucht raus, die einen fassungslos zurücklässt. Sofort noch mal. Und wieder. Ganz große Kunst und hoffentlich das „next big thing“.
PS: Ach ja, es handelt sich hier tatsächlich um R.E.M. Natürlich, was wurde nicht geschrieben, ein „Comeback“ verlangt und Tempo gefordert. Ist es das jetzt? Spielt das denn wirklich eine Rolle? Wer dem scheinbar unausweglichen Vergleich mit vergangenen Großtaten nicht aus dem Weg gegen möchte, der darf ja jetzt getrost eine Platte abziehen.
Sebastian Krause