26. Mai 2012 10:02 | |||||
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Mit den Instrumentationskünsten Robert Schumanns war nicht nur der Komponist selbst unzufrieden, der seine Symphonien vor allem aus diesem Grunnd mehrfach revidiert haben. Auch viele Dirigenten zweifelten an der Orchestrierung Schumanns. Einige von ihnen griffen daher in den Notentext ein, um die Partitur in ihrem Sinne zu verbessern: Die namhaftesten waren Felix von Weingartner und Gustav Mahler.
In Schumanns 2. Symphonie hat Mahler 355 Retuschen angebracht, in der 4. Symphonie 466 Stellen revidiert. Das Ergebnis bringt, und das spricht für den großen Dirigenten und Komponisten, keine Annäherung an Mahlers eigenen Instrumentationsstil, sondern verdeutlicht in der Regel die Intentionen Schumanns. Da es sich meist nur um kleine Eingriffe handelt, um das Eliminieren verdoppelter Stimmen, Korrekturen in der Dynamik oder zusätzliche Akzente, wirkt das Endresultat kaum je befremdlich.
Vor allem deshalb nicht, weil sich das traditionsreiche Gewandhausorchester Leipzig unter seinem neuen Chef Riccardo Chailly anschickt, in die erste Liga zurückzukehren. Es musiziert höchst differenziert und kultiviert sein dunkel tönendes Klangbild. Der Mahler-Experte Chailly unterstreicht mit Nachdruck jene Passagen, die dank der Retuschen nun prägnanter und kantiger erscheinen und fasziniert in diesen Livemitschnitten mit Elan und Frische.
Robert Schumann: 2. und 4. Symphonie mit den Retuschen Gustav Mahlers.
Gewandhausorchester Leipzig; Dirigent: Riccardo Chailly.
Decca, 1 CD.
Ernst Naredi-Rainer