26. Mai 2012 10:03 | |||||
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Über hundert Jahre verstaubte die Partitur im Archiv. Zu Unrecht, denn das 1876 in Leipzig uraufgeführte Violinkonzert in g-moll, op.141, von Carl Reinecke ist ein sorgfältig gearbeitetes, ganz gewiss aber nicht effekthascherisches Stück. Das über eine halbe Stunde dauernde Werk verlangt, weil es für den Widmungsträger Joseph Joachim, dem führenden Geiger seiner Zeit, komponiert wurde, dem Solisten technisch enorm viel ab, erlaubt ihm aber dennoch nicht, ein virtuoses Feuerwerk abzubrennen. Im Vordergrund stehen hier vielmehr , ausdrucksvolle Lyrik, dichte Dramatik, Kantabilität und Expressivität.
Ingolf Turban erweist sich beim Livemitschnitt der Wiederentdeckung dieses romantischen Konzerts als idealer Solist, der die spieltechnischen Hürden sicher meistert, mit fein differenziertem Ton der Delikatesse der Partitur nachspürt und stets die Spannung hält. Das gilt auch für die beiden beigefügten Violinromanzen.
Nicht ganz auf seinem Niveau agiert das von Johannes Moesus geleitete Berner Symphonie-Orchester, das auch der ebenfalls sehr traditionsbewussten ersten Symphonie des langjährigen Leipziger Gewandhauskapellmeisters, der hier an Schumann und Mendelssohn anknüpft, doch ein wenig Geschmeidigkeit schuldig bleibt.
Carl Reinecke: 1. Symphonie, Violinkonzert, Violinromanzen.
Ingolf Turban (Violine), Berner Symphonie-Orchester, Dirigent: Johannes Moesus.
cpo, 1 CD.
Ernst Naredi-Rainer