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Album "Klassik"
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Die Qual der Wahl
von naredirainer am: 30.04.2007, 14:10 Uhr

An guten Aufnahmen des 3. Klavierkonzerts von Ludwig van Beethoven herrscht kein Mangel. Dennoch hat die Neueinspielung durch Michael Rische und das von Marcus Bosch dirigierte Deutsche Symphonie-Orchester Berlin ihre Berechtigung.

Zunächst, weil der deutsche Pianist den Solopart mit gestochener Klarheit vorträgt und das exzellente Orchester auf sehr hohem Niveau mit ihm in den Dialog tritt: Sachlich und detailgenau.

Vor allem aber, weil diese Aufnahme nicht weniger als sechs Kadenzen zum ersten Satz enthält, die der Hörer nach Belieben wählen kann. Zunächst jene von Beethoven selbst, die man meist zu hören bekommt. Dann eine, die lange Zeit Johannes Brahms zugeschrieben wurde, tatsächlich aber von Ignaz Moscheles stammt, den Beethoven als Pianist sehr geschätzt hat: Sehr ausladend und sehr romantisch. Noch länger ist mit fast sieben Minuten der Beitrag des Franzosen Charles Valentin Alkan ausgefallen, der dem Hörer den Einsatz von drei Pianistenhänden suggeriert, Beethovens 5. Symphonie zitiert und bis zur Bitonalität vordringt.

Als Entdeckungen dürfen die Kadenzen zweier Nazi-Opfer gelten. Erwin Schulhoff schrieb seinen Beitrag in jungen Jahren und konnte dabei seinen Lehrer Max Reger nicht verleugnen. Viktor Ullmann komponierte seine Kadenz 1944 zwei Wochen vor seinem Tod in Auschwitz: Ihr Bekenntnis zur deutschen Tradition in Zeiten der Barbarei, die mit Fortissimo-Schlägen hereinklingt, geht unter die Haut.

Schließlich hat auch Michael Rische, der auf dem größten Flügel der Welt spielt, einem Fazioli F308, selbst eine Kadenz verfasst: Knapp und persönlich, mit ihren Anspielungen auf Boulez und Messiaen auf der Höhe der Zeit.

 

Ludwig van Beethoven: 3. Klavierkonzert, c-moll, op. 37.
Michael Rische (Klavier), Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Dirigent: Marcus Bosch.
Arte Nova, 1 CD.

Ernst Naredi-Rainer

 

 

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