26. Mai 2012 10:05 | |||||
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Weder die abgelutschte Kombination der romantischen Violinkonzerte von Felix Mendelssohn Bartholdy und Max Bruch noch der Versuch, die Solistin wie einen Postar zu lancieren und das Booklet mit entsprechenden Fotos zu füllen, wirken sonderlich originell. Dennoch verdient Janine Jansen Aufmerksamkeit.
Mit der 1978 in Utrecht geborenen Holländerin erhält der Kreis junger Spitzengeigerinnen attraktiven Zuwachs. Jansen beherrscht ihre Stradivari-Geige "Barrere" aus dem Jahr 1727 souverän, pflegt einen leichten, bisweilen fast flüchtigen, aber durchaus nuancenreichen Ton. Gefühligkeit kann man ihr nicht vorwerfen: Dem viel strapazierten romantischen Doppel begegnet sie mit kühler Haltung und hitzigem Temperament.
Besonders interessant ist die Zuwaage: Die selten zu hörende F-Dur-Romanze, op. 85, von Max Bruch, für die Janine Jansen zur Bratsche wechselt, wobei sie erneut dem emotionellen Sturm mit fast harter Klanggebung trotzt.
Mit dem Leipziger Gewandhausorchester, das unter seinem Chef Riccardo Chailly höchst differenziert musiziert und einen spezifisch deutschen, dunklen Klang kultiviert, steht Janine Jansen ein Orchester zur Seite, das sich nicht mit roitinierter Begleitung begnügt, sondern seinen Part sehr selbstbewusst mit zugespitzten Kontrasten gestaltet.
Felix Mendelssohn Bartholdy: Violinkonzert e-moll, op.64; Max Bruch: 1. Violinkonzert g-moll, op.26, und Romanze F-Dur für Bratsche und Orchester, op.85.
Janine Jansen (Violine und Viola), Gewandhausorchester Leipzig; Dirigent: Riccardo Chailly.
Decca, 1 CD.
Ernst Naredi-Rainer