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Album "Klassik"
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Stationen einer Weltkarriere
von naredirainer am: 30.04.2007, 14:10 Uhr

Gemessen an ihrem Spitzenrang in der internationalen Opernwelt, ist die Stimme der 1998 verstorbenen Wiener Sopranistin Leonie Rysanek auf Studioproduktionen nicht ausreichend dokumentiert. Abhilfe schafft jetzt eine Sammlung von Liveaufnahmen aus der Wiener Staatsoper, an der die Künstlerin immerhin 527 ihrer insgesamt 2100 Vorstellungen gesungen hat.

Der Bogen spannt sich von einem Mitschnitt aus dem Staatsopern-Notquartier Theater an der Wien, in dem die Rysanek 1955 neben dem grandiosen George London in der Titelrolle als Tatjana in Tschaikowskys "Eugen Onegin" besteht, bis zu ihrer 1991 festgehaltenen Küsterin in Leos Janaceks "Jenufa". Paraderollen wie Verdis Aida, Puccinis Tosca, Wagners Elsa ("Lohengrin") und Kundry  ("Parsifal") sowie die Santuzza in "Cavalleria rusticana" werden ebenso dokumentiert wie Raritäten: Smetanas "Dalibor" oder Cherubinis "Medea".

Die zweite CD dieser Box gilt ausschließlich den großen Rollen in denn Opern von Richard Strauss: Der Kaiserin in "Die Frau ohne Schatten", der Chrysothemis in der "Elektra", der Titelheldin in "Ariadne auf Naxos" und "Salome" sowie der Marschallin im "Rosenkavalier".

In all diesen Ausschnitten zeigt sich, dass die leuchtende Stimme von Leonie Rysanek offenbar von Mikrophonen nur schwer einzufangen war (mit ein Grund für die zu geringe Zahl von Studioproduktionen). Nicht überhören lassen sich auch ihre Schwächen: Vor allem ihre bisweilen problematische Intonation und die relativ geringe Substanz der Mittellage.

Das alles aber wird aufgewogen, von der bedingungslosen, glühenden, ja sengenden Intensität ihres Singens, der sich der Hörer kaum entziehen kann. Wer die Künstlerin auf der Bühne erlebt hat, kann mit diesem Recital seine Erinnerungen auffrischen, wem dieses Glück nicht vergönnt war, der hat hier die Möglichkeit, nachzuvollziehen, welch flammende Interpretin Leonie Rysanek gewesen ist, deren Weltkarriere nicht zufällig mit einem Einspringen für Maria Callas in Verdis "Macbeth" an der Metropolitan Opera in New York begonnen hatte. Wie die Callas setzte auch die Rysanek bedingungslos auf maximale Ausdruckskraft, der sie die Schönheit und Reinheit des Einzeltones jederzeit opferte.

 

Leonie Rysanek. Live Recordings 1955 - 1991.
Orfeo, 2 CDs.

Ernst Naredi-Rainer

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