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Monumentale Sonaten
von naredirainer am: 30.04.2007, 14:10 Uhr

Der große Dirigent Wilhelm Furtwängler (1886 bis 1954) hat sich stets in erster Linie als Komponist gefühlt, den nur seine steile Pultkarriere davon abgehalten habe, seiner wahren Mission zu frönen. Schon bevor er seine Laufbahn als Kapellmeister einschlug, konnte er auf ein umfangreiches Oeuvre von über 100 Werken verweisen.

Als er im Dritten Reich wegen seines Eintretens für Paul Hindemith bei den Machthabern in Ungnade fiel, von seinen Ämtern zurücktrat und nur noch als freier Gastdirigent auftrat, blieb Furtwängler wieder genügend Zeit, seinem schöpferischen Drang zu folgen. In dieser Zeit, nämlich 1934/35 und 1938/39, entstanden seine beiden Violinsonaten, die jetzt auf einer ambitionierten Neueinspielung durch den Geiger Matthias Wollong und die Pianistin Birgitta Wollenweber greifbar sind.

Die erste der beiden Violinsonaten steht in d-moll und dauert monumentale 55 Minuten. Über diese lange Strecke vermag Furtwänglers zerklüftete, stets tonal bleibende und der tradierten Sonatensatzform gehorchende Musik aber nicht wirklich zu fesseln. Ohne sie als Kapellmeistermusik abtun zu wollen, kann sie doch nicht leugnen, dass ihr Autor eben sehr viele Kompositionen kannte und dieses Wissen nicht abzustreifen vermochte: Vor allem Brahms und Bruckner schauen ihm als Paten über die Schulter, aber auch Wagner macht sich bemerkbar.

Seiner Idee des organischen Wachsens und Entwickelns, das zu endlosen Sequenzen führt, folgte Furtwängler auch in der "nur" 45 Minuten dauernden Violinsonate in D-Dur, deren kaum minder gewaltiger Architektur die Interpreten ebenfalls souverän begegnen,

Da die Chancen gering bleiben werden, diesen beiden Violinsonaten im Konzert begegnen zu können, sei die CD allen Furtwängler-Bewunderern und Raritätensammlern ans Herz gelegt!

Wilhelm Furtwängler: Violinsonaten Nr. 1 und 2.
Matthias Wollong (Violine), Birgitta Wollenweber (Klavier).
cpo, 2 CDs.

Ernst Naredi-Rainer

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