26. Mai 2012 10:05 | |||||
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Mit den beiden Klavierkonzerten von Frédéric Chopin hat das damals zwölfjährige Wunderkind in Moskau Aufsehen erregt. Mittlerweile 35 Jahre alt und längst ein gefeierter Weltstar, kehrt Evgeny Kissin wieder einmal zu Chopin zurück - und setzt als dessen Interpret Maßstäbe wie vor ihm nur Arthur Rubinstein.
Beim Verbier-Festival 2004 spielte Kissin vier Polonaisen und vier Impromptus des polnischen Komponisten, dessen Stücke er konsequent vom Ruch der parfümierten Salon-Musik befreit.
Souveräne, alle Hürden mit schier müheloser Leichtigkeit meisternde Technik versteht sich bei Kissin von selbst. Dazu kommen sein untrügliches Gespür für das richtige Timing, seine Meisterschaft in der Steuerung der Spannungskurven und seine prägnante rhythmische Pointierung. Kissin setzt aber keineswegs allein auf pianistische Brillanz, sondern fasziniert auch mit seiner Kunst, Charaktere prägnant herauszumeisseln und dennoch blitzartig zu wechseln. Sein Spiel zeichnet sich durch die Fülle an bedeutungsschweren Details aus und verliert doch nie den großen Bogen. Nicht zuletzt beeindruckt sein Ansatz, die Tradition über Bord zu werfen, und die Stücke unbefangen zu interpretieren: Am deutlichsten wird dies in der vielstrapazierten "heroischen" Polonaise in As-Dur, op.53, der er nicht den üblichen martialischen Gestus mitgibt, sondern Eleganz und Noblesse verleiht.
Frédéric Chopin: Impromptus und Polonaisen.
Evgeny Kissin (Klavier).
RCA, 1 CD.
Ernst Naredi-Rainer