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Verismo ohne Schluchzer
von naredirainer am: 30.04.2007, 14:10 Uhr

In kürzester Zeit hat sich Salvatore Licitra in die erste Reihe der Tenöre gesungen. 1968 in Bern als Sohn sizilianischer Eltern geboren und in Parma ausgebildet, gab er im Jänner 1998 sein Bühnendebüt in Parmo als Gustavo in Verdis "Maskenball". Schon im Sommer dieses Jahres sang er diese Partie auch in der Arena di Verona. 1999 debütierte er unter Riccardo Muti an der Mailänder Scala, 2001 an der Wiener Staatsoper (wieder als Gustavo) und 2002 als Einspringer für Luciano Pavarotti an der Metropolitan Opera New York.

Riccardo Muti nahm mit ihm Puccinis "Tosca" und Verdis "Troubadour" auf, eine Arienplatte und ein Duettalbum mit dem Tenorkollegen Marcelo Alvarez folgten. Unter dem Titel "Forbidden Love" hat seine Exklusivfirma Sony nun ein weiteres Recital folgen lassen. Es enthält ausschließlich Arien des italienischen Repertoires, in denen es - wie in den meisten Opern - um Liebe geht. Der Bogen spannt sich von Giuseppe Verdi ("Ernani", "Luisa Miller" und "Otello") über Amilcare Ponchielli, Arrigo Boito, Ruggero Leoncavallo, Pietro Mascagni und Francesco Cilea bis  zu Umberto Giordano.

Während Roberto Rizzi Brignoli am Pult des Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi hemmungslos in den Effekten des Verismo schwelgt, macht Licitra seinem Lehrer Carlo Bergonzi alle Ehre und bleibt stets ein kultivierter Stilist, der auf Schluchzer und Drücker verzichtet.

Licitras stämmiger Tenor besitzt viel Schmelz und verströmt vor allem geballte männliche Kraft, mit der er bisweilen auch einige Töne geradezu zerquetscht. Sein Vortrag zeichnet sich zwar durch temperamentvolles Engagement aus, besitzt aber doch nicht genügend Gestaltungskraft, um die einzelnen Charaktere prägnant zu profilieren. Auf Dauer wirkt Licitras robustes Espressivo etwas eintönig.

 

"Forbidden Love". Salvatore Licitra (Tenor).
Sony, 1 CD.

Ernst Naredi-Rainer

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