26. Mai 2012 10:28 | |||||
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Die Geigerin Elisabeth Jess-Kropfitsch, die jetzt die künstlerische Leitung von "classic.muerz" übernommen hat und die neue Konzertreihe im Kunsthaus Mürzzuschlag am 1. März mit dem "1. Frauen-Kammerorchester von Österreich" eröffnet, hat sich mit Mozart gründlicher auseinandergesetzt als ihre Kolleg(inn)en, die meist einen Bogen um das Schaffen des Knaben machen.
Mit Johannes Jess-Kropfitsch am Klavier hat sie zwei Monate lang in der Villa Kaiserstein in Mürzzuschlag alle Violinsonaten von Wolfgang Amadeus Mozart eingespielt. Der Bogen spannt sich von der in Paris im Jänner 1764 entstandenen C-Dur-Sonate KV 6 des 8-jährigen Knaben bis zur F-Dur-Sonate KV 547 aus dem Jahr 1788 und schließt auch die Variationen KV 359 und 360 ein. In dieser Vollständigkeit steht die 6 CDs umfassende Box konkurrenzlos da und ermöglicht einen wirklich lückenlosen Überblick über die Entwicklung des Komponisten, der in seinen jüngeren Jahren auch als Geiger Furore gemacht hat, ehe er sich ausschließlich dem Klavier widmete.
Elisabeth Jess-Kropfitsch pflegt den bei Wolfgang Schneiderhan erlernten Wiener Mozart-Stil und musiziert auf ihrer 1751 in Mailand von Giambattista Guadagnini gebauten Violine sehr gediegen und mit großer Wärme, die gut mit dem weichen Ton des Bösendorfer-Flügels harmoniert.
Das ehrenhafte Bemühen, auf dem jüngsten Stand der Wissenschaft zu agieren, schlägt nur bei der Illustration fehl. Das auf der Vorderseite der Box prangende Porträt des Malers Johann Georg Edlinger zeigt nämlich nicht, wie kurzzeitig angenommen, Wolfgang Amadeus Mozart, sondern höchstwahrscheinlich den Münchner Stadtrat und Kaufmann Joseph Georg Steiner.
Wolfgang Amadeus Mozart: Die Violinsonaten.
Elisabeth Jess-Kropfitsch (Violine), Johannes Jess-Kropfitsch (Klavier).
Gramola, 6 CDs.
Ernst Naredi-Rainer