26. Mai 2012 10:29 | |||||
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Schon lange vor der WM-Kreation "Maracana" hatte das Thema Fußball die Ballettbühne erobert. Nach einem Szenarium des Filmemachers Alexander Ivanovsky hatte ihm Dmitri Schostakowitsch das erste seiner drei abendfüllenden Ballette gewidmet. "Das goldene Zeitalter", 1930 in Leningrad uraufgeführt, erwies sich allerdings als Flop.
Erst 1986 kam es beim Wiener "Tanz"-Festivals durch ein Gastspiel des Moskauer Bolschoi-Balletts mit dem überragenden Irek Mukhmadeov als Protagonisten erstmals nach Österreich. Choreograph Juri Grigorowitsch hatte allerdings die für den Flop verantwortliche simple Agitprop-Story vom Zusammenstoß einer sowjetischen Fußballmannschaft mit der dekadenten Jugend einer westlichen Hauptstadt völlig umgeschrieben. In seiner Version prallen Fischer und eine Banditenbande aufeinander.
Unabhängig von der Story lohnt aber Schostakowitschs Partitur, zu deren Höhepunkten eine hinreißend ironische "Tea for Two"-Variation gehört, allemal das Kennenlernen. Dazu bietet diese Neueinspielung eine willkommene Gelegenheit. Als erste Aufnahme bringt sie nämlich das ungekürzte Original zu Gehör.
José Serebrier musiziert mit dem Royal Scottish National Orchestra sehr gepflegt, ja, letztlich sogar ein wenig zu kultiviert: Die satirische Schärfe Schostakowitschs, die Gennadi Roshdestwenskij in seiner Chandos-Einspielung mit dem Philharmonischen Orchester Stockholm in ätzende Säure getaucht hatte, wird hier zu sehr geglättet und behübscht.
Dmitri Schostakowitsch: "Das goldene Zeitalter", op. 22. Royal Scottish National Orchestra unter José Serebrier.
Naxos, 2 CDs.
Ernst Naredi-Rainer