26. Mai 2012 10:29 | |||||
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Endlich liegt eine der besten Barockopern-Inszenierungen Herbert Wernickes auf DVDs vor, seine hinreißende Produktion von Francesco Cavallis 1651 in Venedig uraufgeführter "Calisto", in der freizügig die Sexualität in allen Varianten besungen wird.
Wernickes Inszenierung, die in Österreich 1998 bei den ersten Salzburger Pfingstfestspielen und 2003 bei den Wiener Festwochen zu sehen war, hatte 1993 in Brüssel Premiere. Dort wurde sie 1996, als sie auch in Berlin Triumphe feierte, aufgezeichnet. In seinem Einheitsbühnenbild, das das Sternen-Fresko der Sala dal Mappomondo im Palazzo Farnese des italienischen Städtchens Caprarola auf die Bühne übertrug, hatte der Ausstatterregisseur das frivole Treiben rund um den liebeslüsternen Göttervater Jupiter mit einer saftigen Travestieshow als mit Ironie nicht sparenden brillanten Spaß in Szene gesetzt.
Pures, sinnliches Vergnügen bereitet freilich auch die musikalische Realisierung. Dirigent René Jacobs nahm in seiner musikalischen Einrichtung nicht an den ziemlich bescheidenen Möglichkeiten eines venezianischen Privattheaters Maß, sondern an den üppigen Gegebenheiten des Wiener Hofs. Über seine Erweiterung des dreistimmigen Satzes zur Fünfstimmigkeit kann man ebenso debattieren wie über seine Einfügung von Sätzen anderer Meister - den Schluss bildet eine Chaconne des Wiener Hofkapellmeisters Johann Heinrich Schmelzer -, aber das lockere, lebendige und farbenfrohe Spiel des "Concerto Vocale" fasziniert in jedem Fall.
Aus dem hochkarätigen Ensemble ragen Maria Bayo als Titelheldin, Marcello Lippi als Jupiter und Dominique Visse als Satyr heraus.
Ergänzt wird die drei Stunden dauernde Aufführung durch eine spannende, 54 Minuten dauernde "Making Of"-Dokumentation, die als facettenreiche Einführung genützt werden kann.
Francesco Cavalli: "La Calisto". Harmonia mundi, 2 DVDs.
Ernst Naredi-Rainer
DVD
Klassik