26. Mai 2012 10:29 | |||||
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Eine Aufführung seiner 1922 vollendeten Oper "Rainulf und Adelasia" hat Siegfried Wagner (1869 bis 1930) nicht erlebt. Das Opus 14 des Sohnes von Richard Wagner erklang erst 2003 bei den Musiktagen Bad Urach. Mit dem Mitschnitt dieser Uraufführung ergänzt das Raritätenlabel cpo seine bereits stattliche Siegfried-Wagner-Diskographie, in deren Mittelpunkt der auch hier die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz motivierende Dirigent Werner Andreas Albert steht.
Die 3 CDs geben rasch Aufschluss darüber, warum die in dieser Aufführung 204 Minuten in Anspruch nehmende Oper niemals das Licht der Bühne erblickt hat: Das von Siegfried Wagner selbst geschriebene Libretto widerspricht mit seinen Überraschungen und Verwicklungen alle dramaturgischen Regeln und stürzt den Hörer in heillose Verwirrung. Die im Jahr 1194 in Reggio Calabria angesiedelte Handlung um den Machtkampf zweier Brüder basiert auf Adolf Schacks Buch "Die Geschichte der Normannen in Siziilien" und verknüpft historisches Geschehen mit autobiographischen Momenten.
Ungleich höhere Qualitäten als sein Libretto weist Siegfried Wagners Partitur auf, obwohl sie aus dem Schatten des übergroßen Vaters nicht hervortreten und auch die Spannung nicht lückenlos über dreieinhalb Stunden halten kann. Der Komponist beherrscht aber sein Handwerk, schreibt sangliche Solopartien und instrumentiert geschickt.
Ein erfreulich wortdeutlich singendes Ensemble erleichtert die erste Begegnung. Während sich Frank van Aken mit ziemlich sprödem Tenor durch die schier endlose Partie des Schurken Rainulf müht, gewinnt Adelesia nicht nur als Vertreterin des Guten, sondern auch durch den blühenden Sopran von Elisabeth-Maria Wachutka alle Sympathien. Die überragendste vokale Leistung bietet der Bariton Roman Trekel in der Rolle des Osmund, einen glänzenden Eindruck hinterlässt auch Thomas W. Kuckler mit seinem herrischen Tenor als Gilbert.
Siegfried Wagner: "Rainulf und Adelasia". cpo, 3 CDs.
Ernst Naredi-Rainer
CD
Klassik