26. Mai 2012 10:29 | |||||
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Auf Anhieb in die dicht besetzte Spitze herausragender Beethoven-Interpretationen dringt Paavo Järvi mit seinen Einspielungen der dritten und achten Symphonie vor. Mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, an deren Spitze der estnische Dirigent 2004 Daniel Harding abgelöst hat, gelingt ihm ein fulminanter Auftakt zur Aufnahme aller Symphonien.
Spätestens seit Nikolaus Harnoncourts mit unzähligen Plattenpreisen überschütteten Grazer Live-Einspielung des gesamten Zyklus mit dem Chamber Orchestra of Europe gehören Beethovens Symphonien auch zum Repertoire der Kammerorchester. Die kleine Besetzung, die den Gegebenheiten zu Beethovens Zeit entspricht, nützt Järvi für eine Darstellung, die sich durch ein betont schlankes Klangbild, maximale Transparenz und ein Höchstmaß an Detailgenauigkeit auszeichnet. Auch bei der "Eroica" überwältigt er den Hörer nicht durch Kraft und Wucht, sondern durch seine ungemein penible Umsetzung der Partitur - bis hin zur von Harnoncourt übernommenen Einhaltung der Wiederholungsvorschriften, selbst beim Da capo des Menuetts der achten Symphonie.
Die mit minimalem Vibrato betont trocken musizierende Deutsche Kammerphilharmonie bewältigt virtuos jene rasanten Tempi, die Beethovens Metronomangaben vorgeben und in ihrer Aussagekraft lange angezweifelt wurden. Das Ergebnis, das bei den beiden ersten Sätzen der "Eroica" und dem mit ungewohnter Aggressivität und Dramatik aufgeladenen Kopfsatz der 8. Symphonie rekordverdächtig ausfällt, beweist aber deren Richtigkeit und Ausführbarkeit. Järvis Musizieren prägt ein vor Energie strotzender, vorwärts drängender Duktus, dem aber nie die Sorgfalt der Artikulation oder die penible Abstufung der Dynamik geopfert wird.
Auf die Erkenntnisse der historisch informierten Aufführungspraxis zurückgreifend, vermittelt Paavo Järvi eindringlich, wie kühn und modern Beethovens Partituren sind, die er mit ebenso großer Akribie wie Leidenschaft realisiert.
Auf die Fortsetzung dieses Zyklus darf man gespannt sein!
Ludwig van Beethoven: 3. und 8. Symphonie.
Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Paavo Järvi.
RCA.
Ernst Naredi-Rainer
CD
Klassik