10. Februar 2012 14:48 | |||||
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Doppelt hält besser: Auf der jüngsten Folge seiner Emil Nikolaus von Reznicek (1860 bis 1945) gewidmeten CD-Serie setzt sich der Dirigent Michail Jurowski starker Konkurrenz aus: Die "Lustspiel-Ouvertüre" des heute fast nur noch durch seine brillante "Donna Diana"-Ouvertüre bekannten Komponisten erklingt nämlich gleich zwei Mal. Zunächst in Jurowskis sorgfältiger Einstudierung mit dem WDR Sinfonieorchester Köln und dann im Bonus-Teil in einer Aufnahme aus dem Jahr 1922, deren Klangtechnik natürlich zu wünschen übrig lässt, bei der aber der Komponist selbst am Pult stand. In seiner authentischen Version folgt dann noch sein Evergreen.
Die Hauptwerke dieser verdienstvollen CD sind indes "Thema und Variationen nach dem Gedicht 'Tragische Geschichte" von Adalbert von Chamisso", 1921 von Wilhelm Furtwängler uraufgeführt, und die "Symphonischen Variationen über Kol Nidrey", vermutlich dem ursprünglichen Prolog der 1923 in Berlin aus der Taufe gehobenen Oper "Holofernes".
In den Chamisso-Variationen, deren Bass-Solo Alexander Vassiliev singt, zeigt sich Reznicek von seiner ironischen Seite, die Jurowski nicht ganz so prägnant zur Geltung bringt, wie dies Carl Schuricht 1960 gelungen war. Bei der "Lustspiel-Ouvertüre" und den "Kol Nidrey-Variationen" muss er aber keine Konkurrenz fürchten. Daher trägt er auch mit seiner mittlerweile 10. Reznicek-Platte entscheidend zur Wiederentdeckung und Neubewertung des österreichischen Komponisten bei, dessen Witz, Originalität und Instrumentationskunst den Freund Gustav Mahlers als souveränen Meister ausweisen.
Emil Nikolaus von Reznicek: Eine Lustspiel-Ouvertüre, Thema und Variationen nach dem Gedicht "Tragische Geschichte" von Adalbert von Chamisso, Symphonische Variationen über Kol Nidrey.
WDR Sinfonieorchester Köln, Dirigent: Michail Jurowski.
cpo, 1 CD.
Ernst Naredi-Rainer