26. Mai 2012 10:31 | |||||
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Mit einer grandiosen Aufnahme der 8. Symphonie hat Altmeister Pierre Boulez seine Einspielung aller Symphonien von Gustav Mahler für die Deutsche Grammophon, an der er mit drei Orchestern 13 Jahre lang gearbeitet hat, abgeschlossen. Im Anschluss an ein Konzert in der Berliner Philharmonie entstand sie unter optimalen Voraussetzungen im April 2007 in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin Dahlem. "Ich hatte das Glück, über die besten Bedingungen für Studioaufnahmen zu verfügen, die ich tatsächlich bevorzuge", erzählt der 82-jährige Dirigent.
Der seiner Meinung nach kontrastreichsten Symphonie Mahlers, die er nie zuvor aufgenommen hat, begegnet Boulez mit dem für ihn typischen analytischen Ansatz in Verbindung mit temperamentvoller Theatralik. Am Pult der ebenso detailgenau wie klangschön und engagiert musizierenden Staatskapelle Berlin lässt er sich Zeit, um Licht und Transparenz in die aufwändige Partitur und deren dichte Polyphonie zu bringen. Souverän hält er die Zügel in der Hand und sorgt mit kühlem Kopf dafür, dass die Musiker bei dieser Vereinigung des Pfingsthymnus mit Goethes "Faust" weder in die Kitsch-, noch in die Pathos-Falle tappen.
Seinem Ideal einer kontrollierten Leidenschaft folgen auch die beiden klar artikulierenden Vokalvereinigungen, der Chor der Deutschen Staatsoper Berlin und der Rundfunkchor Berlin. Nicht ganz homogen agiert das Solistenoktett, das sich mit großer Emphase in das Erlösungsmysterium einbringt: Johan Botha als Doctor Marianus mit mildem Tenorglanz, Hanno Müller-Brachmanns wirklich "schäumende Gotteslust" als Pater ecstaticus und Robert Holl als Pater profundus mit weichem Bass ragen hervor.
Gustav Mahler: 8. Symphonie.
Staatskapelle Berlin, Dirigent: Pierre Boulez.
Deutsche Grammophon, 2 CDs.
Ernst Naredi-Rainer