10. Februar 2012 09:52 | |||||
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16 und schwanger? Für die meisten Teenager der Weltuntergang. Nicht so für Juno, ein selbstbewusstes, unkonventionelles Mädchen, die "die Sache" auf ihre Weise anpackt - genauso pragmatisch war schließlich die Zeugung des Babys, das eher aus Langeweile denn aus Leidenschaft mit ihrem Freund Paulie entsteht.
"Hallo, ich möchte gerne eine Express-Abtreibung erwerben". Schnoddrig betritt Juno glech eine Klinik, macht sich dann aber doch auf die Suche nach Adoptiveltern - die sie mit Mark und Vanessa, einem wohlhabenden Pärchen aus der Vorstadt, die sich nichts sehnlicher wünschen als ein Kind, schon bald gefunden glaubt. Mit dem Werbungs-Komponisten Mark, der mit seiner Band früher im Vorprogramm der Kultband Melvins spielte, tauscht sie sogar bald CD-Rs aus. Doch die Ehe der beiden ist nicht so perfekt, wie es auf den ersten Blick scheint ...
„Können wir es nicht auf die althergebrachte Art und Weise machen? Ich könnte das Baby einfach in einen Korb legen und zu dir schicken.Wie Moses im Schilf.“ - "Nun ja, das ist ziemlich althergebracht".
Der Film lebt vor allem von den witzigen Dialogen und dem Sarkasmus, mit dem Juno den wohlmeinenden Erwachsenen begegnet - und von Hauptdarstellerin Ellen Paige, die sich "gefangen in einem Walkostüm, das ich nicht ausziehen kann" nicht unterkriegen lässt.
Das eigentlich ziemlich heikle Thema Teenie- Schwangerschaft funktioniert überraschend gut als Komödie mit Screwball-Elementen, da stören auch kleine Mängel wie die wenig ausgereiften Nebenfiguren und eine vielleicht doch gar zu unproblematische Darstellung des Themas kaum. Wunderbar passt auch der Soundtrack des Films, der von Kimya Dawson (Ex-Moldy Peaches) zusammengestellt wurde. Da darf es schon mal ein bisschen kitschig mit einem Gitarrenduett zweier Verliebter im Vorgarten enden: herzerfrischend und nicht herzzerreißend.
Juno. USA 2007. Regie: Jason Reitman. Mit: Ellen Page, Michael Cera, Jennifer Garner, Jason Bateman u. a. Infos und Laufzeiten auf kleinezeitung.at/kino
Nina Müller
"Wer soll der Typ denn sein, das ultimative Arschloch?" Als der Vietnam-Veteran Llewelyn Moss beim Jagen in der texanischen Wüste zufällig die Überreste eines gescheiterten Drogendeals findet - ein paar tote Männer und Hunde, eine Wagenladung Heroin und zwei Millionen Dollar in Scheinen -, ahnt er zwar, dass er sich Ärger einhandeln wird, aber nicht, mit wem er sich da anlegt. Da in der Tasche mit dem Geld ein Peilsender versteckt ist, kann seine Spur trotz aller Vorsicht ohne größere Schwierigkeiten verfolgt werden.
Auftragsmörder Anton Chigurh, furchterregend meisterhaft gespielt von Javier Bardem, ist der Inbegriff eines sadistischen Psychopathen, gegen den selbst Hannibal Lecter fast wie ein Lämmchen anmutet. Mit einem Bolzenschussgerät (!) bewaffnet, tötet er Leute auf der Straße nur zum Spaß, erschießt Tauben einfach so im Vorüberfahren und wirft Münzen, wenn es um Leben oder Sterben geht. So böse, dass er fast die Karikatur eines Psychos abgibt (vor allem mit seiner absurden Prinz-Eisenherz-Frisur), aber Bardem gibt eine großartige Performance ab und schafft es, haarscharf an diesem Grat vorbeizuspielen und sich als einer der ganz großen Killer im Kino zu verewigen.
Nach zwei eher mäßigen Ausflügen ins Comedy-Genre ("Ladykillers", "Ein (un)möglicher Härtefall") melden sich die Coen-Brüder wieder zurück, und zwar mit ihrem blutigsten Film. Es wird wenig gesprochen, aber wenn, dann sitzen die Sätze: "Wie gefährlich ist er denn?" - "Verglichen mit was? Mit der Beulenpest?" Irgendwo zwischen Western und Krimi mangelt es "No Country for old Men" nicht an Humor, der ist jedoch so rabenschwarz und knochentrocken, dass das Lachen dem Publikum im Halse stecken bleibt. Verglichen mit anderen Meisterwerken der Coen-Brüder wie Big Lebowsky und Fargo kann er vielleicht nicht ganz mithalten, was das Kultpotenzial angeht, handwerklich handelt es sich aber auf jeden Fall um ihr Meisterstück. Honoriert mit vier Oscars, zwei Golden Globes und vielen anderen Preisen.
No Country for Old Men. USA 2007. Regie: Joel und Ethan Coen, mit: Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin, Woody Harrelson, Kelly Macdonald, Garret Dillahunt. Infos und Spielzeiten auf kleinezeitung.at/kino
Nina Müller
„Seit Beginn meiner Arbeit habe ich an vielen äußerst aufwendigen Projekten gearbeitet, aber verglichen mit den Dimensionen von UNSERE ERDE waren sie winzig. Nur aufgrund unserer Erfahrungen, logistischen Fähigkeiten und unserer Reputation ist es letztendlich gelungen, diese wunderbaren Bilder mit der Kamera einzufangen - Bilder, die man nicht einfach kaufen kann."
Regisseur Alastair Fothergill
Kaufen kann man diese wunderbaren Bilder aber mit einer Kinokarte und bald auch auf DVD, und das sei hiermit ausdrücklich empfohlen. Die Bilder, die dieser spektakuläre Naturfilm zeigt, sind wirklich atemberaubend - daher sollen sie auch für sich selbst sprechen:
Vor allem das letzte Bild hat mich sehr neugierig gemacht... Aber an dieser Stelle wird nichts verraten!
"Unsere Erde". D/GB2007. Regie: Alastair Fothergill. Infos zum Film auf kleinezeitung.at
Nina Müller
Hollywoods Regie-Sonderling Wes Anderson hat sich immer schon gerne mit verkorksten Familienbeziehungen beschäftigt. In "Die Royal Tenenbaums" thematisierte er kaputte Beziehungen zwischen Kindern und Eltern, in "Die Tiefseetaucher" ließ er Bill Murray als Meeresforscher und unfähigen Vater untergehen. In "The Darjeeling Limited" schickt er nun drei ungleiche Brüder auf einen bizarren Eisenbahntrip durch Indien. Owen Wilson, Adrien Brody und Jason Schwartzman gehen ein Jahr nach dem Tod ihres Vaters zusammen auf eine Reise, um zueinander und sich selbst zu finden. Im Gepäck: ein Drucker, ein Laminiergerät und elf Louis-Vuitton-Koffer ihres Vaters.
Seit der Beerdigung des Vaters haben die drei Brüder einander nicht mehr gesehen. So lädt Francis (gespielt von Wilson), der Älteste, seine beiden jüngeren Brüder Peter (Schwartzman) und Jack (Brody) auf die minutiös geplante Reise ein. Dass es noch einen anderen Grund für die Reise gibt, verschweigt er vorerst aber. Im Abteil angekommen, wird schnell klar, dass die Vorraussetzungen zur Verbrüderung schwierig sind: Francis, der seine Brüder ständig bevormundet ("Sind wir uns da einig?"), stößt bald auf heftigen Widerstand. Bei Peter liegen wegen eines erwarteten Babys sowieso die Nerven blank. Und Jack knabbert an seiner in Paris zurückgelassenen Ex-Freundin (wunderbarer "Vorspann" mit Natalie Portman). Dazu kommen Eifersüchteleien, wer nun der Lieblingssohn des verstorbenen Vaters war. Einig sind sich die Brüder wie es scheint nur in ihrer Gier nach nicht rezeptpflichtigen Medikamenten, die sie in Unmengen hinunterschlucken.
Doch nachdem die verwöhnten Brüder sich zuviel geleistet haben - Jack kauft eine Kobra, die im Zug entkommt und Peter verbringt eine heiße Viertelstunde mit der Zugbegleiterin (Bollywood-Beauty Amara Karan) - finden sich die drei in ihren Designeranzügen mitten in der Wildnis wieder, aus dem Zug geworfen und auf sich selbst gestellt ...
"The Darjeeling Express" ist ein poppig-schriller, sehr sympathischer und kurzweiliger Film über drei ungleiche Brüder, der vor allem von den grandiosen Darstellern lebt: Vor allem Owen Wilson, der hinter schweren Bandagen versteckt die tragische Figur des ältesten Bruders gibt, und die charismatische Anjelica Huston, die Mutter der drei, machen den Film zum Vergnügen. Nicht zu vergessen die für Anderson typischen vielen Facetten und Ebenen des Films, die diesmal aber im Gegensatz zu seinen früheren Werken ein rundes Ganzes entstehen lassen.
The Darjeeling Express. Regie: Wes Anderson. Mit Owen Wildon, Adrien Brody, Jason Schwartzman, Bill Murray und Anjelica Huston. USA 2007, 91 Minuten. Infos und Spielzeiten auf www.kleinezeitung.at/kino.
Nina Müller
Hermes Phettberg, Wiener Querdenker, Kolumnist und Masochist, fällt nicht nur aus dem Rahmen, er sprengt ihn auch. Kurt Palm, der ihn in den 90er Jahren mit der "Netten Leit Show" berühmt machte, hat ihm nun mit "Hermes Phettberg, Elender" einen Film gewidmet. Zu sehen sind Ausschnitte eines ca. 15 Stunden langen Interviews, das in Phettbergs Wohnung entstand, die mit Ausschnitten aus der einzigartigen Talkshow und anderen TV-Mitschnitten konterkariert wird.
"Phettberg, Elender" ist, wie Palm nach der Graz-Premiere meinte, das erste filmische Porträt eines Österreichers, das zu Lebzeiten entstanden ist und beschließt gleichzeitig seine Trilogie, die mit den Berühmtheiten Mozart und Stifter begann. Wobei dem Film aber trotzdem ein Geruch von Epitaph anhaftet: Von seinen zwei Schlaganfällen stark gezeichnet ist der stark abgemagerte Phettberg nur noch ein Schatten seiner selbst, selbst das Sprechen und das Schreiben fällt ihm schwer. Und in einer der ersten Szene aus der "Netten Leit Show" ist das Gespräch mit dem populären Pathologen Hans Bankl ("ob sie's glauben oder nicht, bei mir gibt's eine Warteliste") zu sehen, der über die Probleme bei der Obduktion von Fettleibigen erzählt.
Andere Ausschnitte zeigen ein Live-Interview von Sandra Maischberger mit dem nackten gefesselten Phettberg bei einer seiner "Verfügungs- permanenzen" in einer Schweizer Galerie (dem im Original auf Premiere ganze 20 Minuten!!! gewidmet wurden, heute undenkbar), den Auftritt bei Harald Schmidt und natürlich den unvergesslichen Austausch über Sackerl-Philosophie mit Marcel Prawy. Zudem ist der radikale XXL-Körperkünstler unter Palms Regie in einigen Bühnenrollen zu sehen, z.B. als Inspektor in F. Knotts "Bei Anruf Mord".
Niemand außer Phettbergs Entdecker Kurt Palm hätte dieses Porträt machen können oder dürfen - behutsam, ohne Sensationsgier, als eine Art Freund. Er macht ihn nicht nur als Phänomen, sondern als gebrochenen Menschen greifbar, der täglich eine ganze Schüssel voller Medikamente isst - aus Angst vor dem Sterben.
Ein filmisches Denkmal, das betroffen macht, aber zugleich einige schöne - und witzige! - Erinnerungen an einzigartige Momente der österreichischen Fernsehunterhaltung liefert. So etwas wie Phettberg, das wird klar, gab es noch nie und das wird es nie wieder geben.
Phettberg, Elender. Regie: Kurt Palm. Österreich 2007, 80 Minuten. Infos und Spielzeiten auf kleinezeitung.at/kino.
Nina Müller
Tief irgendwo in einem Tschador versteckte Frauen, die nach der Scharia keinerlei Rechte besitzen, bärtige Fundamentalisten, ein unberechenbarer, unheimlich wirkender Präsident Ahmadinedschad, ein "Schurkenstaat" - so sieht der Westen heute den Iran. Dass das früher anders war, ist vergessen, dass es dort Menschen gibt, die ganz anders denken, passt nicht in unser Weltbild. In ihren beiden nun fürs Kino adaptierten Graphic Novels "Persepolis" lüftet die im französischen Exil lebende Marjane Sartrapi den Schleier und erzählt von ihrer Kindheit in Teheran, von Menschen, denen der Witz oft als einzige Waffe übrig bleibt.
1979, zur Zeit der Iranischen Revolution, ist die kleine Marji gerade 10 Jahre alt und erlebt, wie die Hoffnungen, dass das Land sich nun in einen modernen und weltoffenen Staat verwandelt, zerstört werden. Die bleierne Schreckensherrschaft entpuppt sich als um ein Vielfaches schlimmer als die Dikatur des Schahs. Die heranwachsende Marji schwärmt für Bruce Lee, besorgt sich am Schwarzmarkt Musik von Iron Maiden und versucht den stets wachsamen Sittenwächterinnen zu entkommen. Wie gefährlich sogar dieser harmlose Widerstand ist, wird klar, als ihr Onkel Anouche verhaftet wird. Als auch noch der Irak den ersten Golfkrieg anzettelt, schicken ihre Eltern Marjane schweres Herzens nach Wien ins Exil, wo sie ihre ersten Erfahrungen mit Männern macht und, so will es die Ironie des Lebens, noch viel tiefer verletzt wird: "Ich hatte eine Revolution erlebt, durch die ich einen Teil der Familie verlor. Ich hatte einen Krieg überlebt. Und eine banale Liebesgeschichte hätte mich fast weggerafft."
Persepolis schafft das Kunststück, neben einer beeindruckenden und notwendigen Geschichtslektion auch ein durchaus unterhaltsamer Film voller Wärme und Poesie zu sein.
(Fast) ganz in Schwarz wie der aufgezwungene Tschador, aus dem nicht einmal der Haaransatz herausblitzen darf und weiß wie die Jasminblüten, die, wie sich Marjane erinnert, ihre Großmutter in den Büstenhalter steckte um gut zu duften, ist der Film gehalten und ist dabei zugleich ein Plädoyer gegen das Schwarzweiß-Denken.
Persepolis. Regie: Marjane Satrapi, Vincent Paronnaud. Stimmen: im Original Chiara Mastroianni und Catherine Deneuve, in der deutschen Übersetzung Jasmin Tabatabai und Nadja Tiller. Frankreich 2007, 96 Minuten. Infos und Spielzeiten auf
kleinezeitung.at/kino. Trailer hier.
Nina Müller
Als "dreckiger kleiner Feigling" in die Geschichte einzugehen, ist für den schüchternen Robert Ford besser als für immer ein Niemand zu sein. Also plant er den Mord an niemand geringerem als Jesse James, dem meistgesuchten Mann im Wilden Westen. Als Mitglied der James Gang wird er mit der Zeit ein Vertrauter seines Idols, doch um selbst unsterblich zu werden, vergisst er jede Loyalität ....
155 Minuten im Kinosessel also für eine Geschichte, deren Ausgang schon im Titel verraten wird? Oh ja.
"Gefahr und Begierde", was zunächst klingt wie ein schlechter Erotikthriller im RTLII-Nachtprogramm, ist der neue Film - oder sagen aufgrund der großen Erwartungen wir einfach gleich das neue Meisterwerk - von Regie-Chamäleon Ang Lee. Der für seine Vielseitigkeit ("Hulk", "Der Eissturm", "Sinn und Sinnlichkeit", "Brokeback Mountain", "Tiger & Dragon") berühmte Taiwanese begibt sich nach den vielfach preisgekrönten schwulen Cowboys wieder nach China, diesmal das von Japan besetzte Shanghai des Jahres 1938. Die junge Studentin Wang Jiazhi (Hinreißend: die Newcomerin Tang Wei) ist allein, nachdem sich ihr Vater nach England abgesetzt hat. Sie schließt sich einer politischen Theatergruppe an, wo rasch klar wird, dass sie in der Lage ist, alle in ihren Bann zu schlagen.
Also wird sie für eine neue Aufgabe auserkoren: Sie soll Herrn Yi (Tony Leung aus "Hero" und "In the Mood for Love"), der mit den Besatzern kooperiert und schließlich zum Geheimdienstchef aufsteigt, verführen und in eine Falle locken. Aber es kommt, wie es kommen muss: Die Spionin und ihr Opfer verstricken sich in eine obsessive, zerstörerische Sex-Affäre. Herr Yi erweist sich als sadistischer, aber durchaus auch zärtlicher Liebhaber, bei dem die unerfahrene Studentin ihre sexuelle Erfüllung findet und ihre Bettspiele bleiben die einzige Möglichkeit der Kommunikation zwischen den beiden Partnern aus unvereinbaren Welten.
"Gefahr und Begierde" fußt auf einer ca. 50 Seiten langen Kurzgeschichte der in Asien sehr bekannten Autorin Eileen Chang, im Film erstreckt sich die Handlung auf mehr als zweieinhalb Stunden. Der "erotische Spionagethriller", wie Lee den Film selbst bezeichnete, lebt einerseits von einer Bildgewalt, für die das Wort Opulenz wie eine Untertreibung anmutet, und andererseits von der Gegenüberstellung von durchaus expliziten Sexszenen (der Film musste um 7 Minuten gekürzt werden, um überhaupt den Weg in die Kinos zu schaffen) zwischen Spionin und Opfer mit Gesellschaftsstudien der gelangweilten chinesischen Oberschicht zu Zeiten der Unterdrückung, die sich die Zeit mit Mah-Jongg-Spielen vertreiben und sich Sorgen die nächsten Lieferungen mit Seidenstrümpfen machen - Bettszenen vs. Brettszenen also. Für einen Schuss Humor sorgen Szenen mit den unbeholfenen Revolutionären, die erst den Umgang mit den Waffen üben müssen, oder Wangs Nachhilfestunden in Sachen Sex - schließlich istellt eine unbeholfene Jungfrau nicht unbedingt eine überzeugende Femme Fatale dar.
Technisch gesehen wird man an "Gefahr und Begierde" mit Sicherheit nichts auszusetzen finden - fast zu perfekt sind Ausstattung und Kameraführung. Wenn überhaupt, dann scheitert Ang Lee daran, den Zuschauern einen Einblick in die Gefühlswelt der Protagonisten zu gewähren und damit Mitgefühl zu erzeugen. Dass diese Beziehung kein gutes Ende nimmt (und das ist ja wohl kaum überraschend), lässt einen ziemlich unberührt, niemals wird man sich ganz über die Motive Wangs im Klaren, ihr junges Leben für diese Affäre aufs Spiel zu setzen. Trotzdem lässt gerade diese Gefühlskälte eine unwiderstehliche Atmosphäre entstehen, die es vermag, auch auf Überläge zu fesseln.
Gefahr und Begierde (Se, jie). Von Ang Lee, USA / China / Taiwan 2007. Mit Tony Leung Chiu Wai, Wei Tang, Joan Chen, Lee-Hom Wang. Infos und Spielzeiten.
Nina Müller
Die 80-jährige Witwe Martha entdeckt ihre Lebensfreude wieder, indem sie sich im hohen Alter ihren Jugendtraum erfüllt: hochwertige Dessous zu schneidern und eine eigene Boutique zu eröffnen - und zwar im Tante-Emma-Laden ihres verstorbenen Mannes. Ausgerechnet ihr Sohn, der moralisch auch nicht ganz einwandfreie Dorfpfarrer, hat sich das Geschäft aber für seine Bibelgruppe auserkoren und bringt fast die ganze Gemeinde gegen das Geschäft auf. Als er den Laden ausräumen und die liebevoll von Hand geschneiderte Unterwäsche in der Altkleidersammlung verschwinden lässt, werden auch Marthas Freundinnen auf den Plan gerufen und durch ihren Protest beginnt für jede einzelne ihr dritter Frühling - ob dies eine aufkeimende Liebe im Altersheim oder der endlich erworbene Führerschein ist.
Obwohl der Film durchaus altbackene (im wahrsten Sinn des Wortes) Unterhaltung liefert und im Hauptabendprogramm auf ORF2 sicher gut aufgehoben wäre, überzeugt er durch den Charme der Hauptdarstellerinnen. Die grauhaarigen Rebellinnen muss man einfach ins Herz schließen, auch das Schwyzerdytsch - vor allem, wenn der 80-jährigen Martha ein leinwandfüllendes "Leckk michh!" entfährt - macht den Film liebenswert. Im Spannungsfeld zwischen den heimatlichen Chorgesängen und bestickter Seidenwäsche stecken der Film und seine pensionierten Protagonistinnen mit Lebensfreude an - was das Schweizer Publikum mit sensationellen Besucherzahlen honorierte: 500.000 Fans haben sich den Film bereits angesehen.
Im deutschen 1.800-Seelen-Dorf Wacken, unweit der dänischen Grenze, tut sich 362 Tage im Jahr nicht viel: Die Kühe grasen, die Hühner gackern und die Bauern gehen ihrem Tagewerk nach. In ihrer Freizeit "schnacken" die Frauen beim Kaffeekränzchen, die Männer vertreiben sich die Zeit mit Korn und Würfelspielen, die jungen Mädchen mit Fitnesstraining und Schminktipps aus Zeitschriften. Doch die restlichen drei Tage wird das beschauliche Landleben unterbrochen - an die 60.000 Metalheads pilgern zum jährlichen Wacken Open Air, eines des größten Festivals dieses Genres in Europa.
Die kuriose Begegnung zweier Welten schildert die südkoranische Regisseurin Sung Hyung–Cho in ihrem mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichneten Dokumentarfilm "Full Metal Village". Sie bezeichnet ihr Werk selbst als Heimatfilm, und irgendwie ist es das auch geworden. Den Großteil des Films beschäftigt sie sich - was die Erwartungen von Metal-Fans vielleicht enttäuschen könnte - mit der Dorfbevölkerung und ihren Wünschen und Zielen. Die 16jährige Katrin würde gerne einmal aus dem Ort rauskommen, Bauer Trede möchte mit Aktienspekulationen ein Zubrot verdienen, der arbeitslose Norbert klagt über Ausländer, die ihm die Arbeit wegnehmen ("das ist halt meine Meinung!").
Doch einzig die gottesfürchtige Oma Irma und der Dorfpfarrer verlassen das Dorf während des Festivals. Ansonsten scheint es, dass sich die Bevölkerung bestens mit den schwarzen Gestalten, die hier jährlich einfallen, arrangiert zu haben. Bauer Trede vermietet seine Wiese und weist die mehr orts- als musikkundigen Securityleute ein. Der Supermarkt verdient einen Gutteil seines Jahresumsatzes mit Bierverkauf während des Festivals und die gesamte Gemeinde sitzt neugierig am Straßenrand, als die Horden von gepiercten, langhaarigen und schwarz gekleideten Menschen anreist. Viel besser als Fernsehen!
Ein grotesker Höhepunkt ist ein Auftritt der ansässigen Feuerwehrkapelle – während in der ersten Reihe die Wackener Landwirte die Volkslieder leise mitsummen, sieht man dahinter hunderte ausgelassener Metaller headbangen.
Eine kurzweilige Dokumentation über das Leben am Land - das in Österreich auch nicht viel anders ist - und die Begegnung zweiter Kulturen, wie sie gegensätzlicher nicht sein können.
Nina Müller
Nach 18 Staffeln, 400 Episoden sowie unzähligen Auszeichnungen läuft nun endlich der lang erwartete Simpsons-Film im Kino und Homers Blödheit kann sich endlich auf XXL-Format entfalten: Homer adoptiert ein Schweinchen (ein Highlight: der Song "Spider-Pig"), dessen Fäkalien er in eh schon kurz vor dem Kippen stehenden den Lake Springfield kippt und somit eine Umweltkatastrophe auslöst. "D'Oh!" (oder für alle, die die Simpsons nur auf Deutsch kennen: "Nein!") Die Stadt wird unter einer überdimensionalen Käseglocke in Quarantäne gestellt und die Simpsons fliehen vor dem drohenden Mob nach Alaska.
Als sie dort aber erfahren, dass Springfield vollkommen zerstört und in einen Canyon verwandelt werden sollen, wollen Marge und die Kinder die Stadt retten, Homer hat inzwischen im Zelt einer Inuit-Frau eine Vision ...
Die eigentliche Geschichte ist, und da unterscheidet sich der Film kaum von den Folgen der beliebten Serie, nichts besonderes. Der Witz steckt hier im Detail, und gerade im ersten Drittel gibt es da unzählige: Da wäre zum Beispiel Präsident Schwarzenegger (der im Gegensatz zu den anderen eingegelbten Promis, Green Day und Tom Hanks, sich nicht selbst synchronisiert hat) mit dem gelungenen Sager "i was elected to lead, not to read". Oder die Sequenz mit Barts Mutprobe, bei der er nackt auf dem Skateboard durch die Stadt rast und die "kritische Masse" in bester Austin-Powers-Manier hinter diversen Teilen verdeckt wird (dem wird freilich noch eins draufgesetzt, indem die Idee dann offenbarender Weise umgekehrt wird). Oder Marge, die in ihren Stickarbeiten Anpassungsfähigkeit zeigt (aus "Home sweet Home" wird unter der Glaskuppel "Dome sweet Dome" und in Alaska "Dome sweet Dome").
Gelungen auch die für die Kinoleinwand aufwändig gezeichneten Szenen wie der aufgebrachte Mob, bei dem nahezu alle Bewohner von Springfield zu sehen sind, oder die Landschaft in Alaska. Ansonsten ist der Film nicht bedeutend anders als eine ausgedehnte (aber nicht in die Länge gezogene!) Simpsons-Folge, Experimente wurden keine eingegangen und bis auf das Schwein und Präsident Schwarzenegger kommen auch keine neuen Figuren vor.
Zwei Dinge seien noch gesagt: 1. muss man den Film selbstverständlich im Original sehen und 2. unbedingt den Aspann abwarten!
Die Simpsons - Der Film (The Simpsons Movie). Regie: David Silverman, Autoren: James L. Brooks, Matt Groening u.a.
Infos und Spielzeiten auf kleinezeitung.at/kino
Nina Müller
2 TAGE PARIS - Regiedebut von Julie Delpy,
OT: Deux jours à Paris, F, 2007. Mit: Julie Delpy, Adam Goldberg, Daniel Brühl ...
„Eine lebensnahe, charmante und mitreißende Komödie über kulturelle Gräben zwischen Europa und Amerika und eine nicht einfache, aber aufrechte und leidenschaftliche Liebe.“ So steht es geschrieben - eigentlich könnte man nun hier die Filmkritik auch schon wieder beenden und tausende Pärchen mit gutem Gewissen zum Popcornkauf schicken. Dann allerdings würde man sich der Philosophie des Streifens unterwerfen und zuwenig an der Oberfläche kratzen. Man hört: Julie Delpy macht einen Liebesfilm in Paris und nimmt von Regie, Drehbuch, über Produktion, Casting und Schnitt, bis hin zur Musik alles selbst in die Hand. Unweigerlich kommen einem Gedanken wie „ein genialer dritter Teil mit Ethan Hawke? Vielleicht ‚Before Sunburn‘“? Nein, nicht ganz – aber diese Erwartungshaltung wird zum kleinen Stolperstein, hat sich die Dame gar zuviel zugemutet?
Aber von vorn: Die Französin Marion trifft Jack, den Amerikaner, die beiden verlieben sich und beschließen, sich als Lebensabschnitts- partner zu versuchen. Das ist der Punkt, wo die meisten Filme in der Stadt der Liebe enden. „2 Tage Paris“ setzt hier an. Unser Paar bestreitet seit zwei Jahren – mit allen Höhen und Tiefen und vor allem „dem dazwischen“, wie Julie Delpy gleich zu Beginn sinniert – seinen Alltag, lebt in New York und möchte sich - nach missglücktem Venedig-Liebesurlaub, zwei Tage in Paris bei Marions Eltern erholen. Ami trifft auf Französin – an sich sei schon eine kulturelle Herausforderung, aber muss dieser dann auch noch im Heimatland seiner Grande Dame bestehen, sieht er sich plötzlich gegen Windmühlen kämpfen. Die Angebetete ist schon rein geografisch bedingt wesentlich liberaler als ihr Don Quijote und somit wartet an jeder Ecke einer von Marions charmanten Verflossenen - mit eindeutigen Absichten. Eine neugierige Mutter mit Zimmerschlüssel, ein penisfixierter Herr Papa, eine kindertherapierende Schwester, ein übergewichtiger Kater und die Pariser an sich machen Hypochonder Jack das Leben und die Liebe zu seiner Marion zusätzlich schwer.
Die ersten zwanzig Minuten lümmelt man gemütlich und beruhigt im Kinosessel, da sich auch die männliche Begleitung amüsiert, was bei Liebesfilmen ja nun nicht zwingend garantiert ist. Köstliche Dialoge, lebensnahe Pannen, befreiende Unperfektion, Europa vs. USA, herrlich ungeschminkt natürliche Darsteller, beruhigende Unromantik und die raue, sympathisch dreckige Seite von Paris. Zwei Menschen meistern ihre Liebe – verzichtend auf jede Hollywood-Glattheit, gewürzt mit der Gretchenfrage "warum eigentlich?" – die meist nicht hinter einer rosaroten Ray Ban abläuft. Die Idee ist klar erkennbar – Julie Delpy wollte etwas anderes zeigen, etwas mit Tiefgang, teils gelingt ihr das auch. Aber auch Filmemachen ist anscheinend eine Frage der Übung. Das Süppchen kommt irgendwie zu selten über ein warmes Brodeln hinaus. Charaktären Tiefe zu geben, das Gefühl dafür zu haben, wann Stille oft mehr wäre als tausend schneller Worte – das alles kommt etwas zu kurz und nimmt dem Gericht leicht die Würze. Der volle, bunte Geschmack verebbt, der Schluss, unterstrichen vom finalen Song, verstärkt dies noch. Adam Goldberg als Jack sticht seine Liebste in punkto Charisma als überzeugter Anti-Franzose recht bald charmant aus, einen erfrischend sinnleeren Kurzauftritt legt der Deutsche Daniel Brühl als „männliche Fee“ im Burger-Lokal hin. Dass Julie Delpy die Rollen vor allem mit Laienschauspielern aus ihrem Freundes- und Familienkreis besetzte, gibt dem Film die Wärme, die man sonst leicht vermissen würde, zurück.
Etwas zu bemüht "tiefschürfend", aber amüsant und sehenwert - auch für Männer.
Homepage: www.2tage-paris.de
Gudrun Rodlauer
Ein guter Teil der Filmkritiker ist sich einig, dass Tarantino-Mündel Robert Rodriguez noch nie einen guten Film gemacht hat. Nun ja, dass muss er auch nicht - mit "From Dusk till dawn" oder "Sin City" hat er durchaus unterhaltsame Hommagen an den Schundfilm geschaffen, die das Zeug zum Kultfilm haben. Und sein neuestes Werk, der mit Tarantinos "Death Proof" das "Grind House"-Double Feature bildende "Planet Terror" ist auch einer von der Sorte.
Ein ominöses Gas macht aus fast allen, die damit in Berührung kommen, "Sickos", eine Art Zombies. In das Chaos geraten die gescheiterte Gogo-Tänzerin Cherry (gespielt von "Charmed"-Beauty Rose McGowan), ihr Ex-Freund Wray (Freddy Rodriguez, bekannt aus "Six Feet Under"), sowie die Ärztin Dakota Block (Marley Shelton, "Sin City"). Einige Zeit können sie sich in der Barbecue-Bar von JT (Jeff Fahey), dem Bruder des Sheriffs verbarrikadieren, bevor es auf einer Militärbasis (toller Cameo-Auftritt: Bruce Willis) zum blutigen Showdown kommt.
Mit großem Aufwand und modernster Technologie wurde in beiden Grindhouse-Filmen der anachronistische Effekt eines (auch technisch) kaputten 70er-Trashfilms erzeugt, wenn man allerdings gezwungen ist, sich den Film auf der Hightech-Leinwand eines Kettenkinos anzusehen, bleibt von diesem Effekt leider auch nur der gute Wille.
War Tarantinos "Death Proof" noch einigermaßen "brav" - schließlich beschränken sich die wirklich brutalen Sequenzen auf einige wenige Sekunden - greift sein Lieblingsschüler in die vollen: Mit Unmengen Kunstblut, fliegenden Gedärme, platzenden Eiterblasen, Explosionen und Schießereien ist "Planet Terror" bestimmt nichts für Zartbesaitete, wer allerdings seine Freude an der zweiten Hälfte von "From Dusk Till Dawn" hatte, wird hier voll bedient. Ziemlicher Müll, aber von der besten Sorte.
Grind House: Planet Terror. Regie: Robert Rodriguez. Mit: Rose McGowan, Freddy Rodríguez, Michael Biehn, Jeff Fahey, Josh Brolin. Infos und Spielzeiten auf kleinezeitung.at/kino
Nina Müller
Spannend wie ein Krimi und packend wie ein Drama liest sich die Geschichte von Friedrich Zawrel: Als verstoßenes und "erbbiologisch minderwertiges" Kind geriet er in die Fänge der Nationalsozialisten und wurde in die Euthanasieklinik am Spiegelgrund in Wien eingewiesen, wo er schreckliche Qualen durchleiden musste, im Gegensatz über 800 anderen Kindern aber überlebte. Völlig ohne Unterstützung und auch ohne Ausbildung, musste er sich als Gelegenheitsdieb über Wasser halten und wurde des öfteren eingesperrt. Als Gutachter saß er schließlich dem ehemaligen Naziarzt Heinrich Gross gegenüber, der für seine Verbrechen nicht büßen musste, sondern als viel beschäftigter Gerichtsgutachter Karriere machte. Gross ließ Zawrel als Zeugen seiner Nazi-Vergangenheit hinter Gittern verschwinden.
Im Film besucht der jetzt 77-Jährige gemeinsam mit Falter-Journalist Florian Klenk die früheren Tatorte und spricht mit Zeitzeugen. Und sie stoßen dabei vor allem auf eines: kollektive totale Demenz - niemand will etwas gesehen, gehört oder gewusst haben. Harte Kost, aber ein Dokument zur Zeitgeschichte, das man gar nicht hoch genug einschätzen kann. Oder, wie Zawrel bei der Graz-Premiere zufrieden auf die Frage antwortete, wer nach seinem Tod ein Stück dieser furchtbaren Geschichte erzählen könnte: "Das wird dann die DVD".
Die Kanaren, 30er Jahre: Die von ihrem 17-jährigen Sohn Pierre in blinder Liebe vergötterte Mutter (Isabelle Huppert) erträgt es nicht länger, die von ihm in sie projizierte geliebte Heilige zu spielen. Sie offenbart ihre wahre Natur und lässt ihn Zeuge ihrer Ausschweifungen werden ...
Zwischen den beiden beginnt ein immer gefährlicheres Spiel, der katholisch erzogene Pierre (Louis Garrel, u. a. in Bertoluccis "Träumer") stürzt sich unversehens in eine Welt der völligen Tabulosigkeit und beschwört damit, der Zuseher ahnt es, ein furchtbares Unglück herbei.
Obwohl der Film auf Gran Canaria spielt, vermittelt er das Gefühl einer Eiswüste, so kalt ist die Inszenierung des schockierndes Stoffes. Huppert, an ihre Rolle in Hanekes "Klavierspielerin" erinnert, wohnt dem Treiben völlig unterkühlt und emotionslos bei.
"Ma Mère" ist die Verfilmung einer Erzählung des großen französischen Schriftstellers und Philosophen Georges Bataille, erschienen im Band "Das obszöne Werk". Schockierend ist die trotz aller Anstrengungen der Akteure nicht wirklich glaubwürdig gespielte Emotionslosigkeit, die ans Unmenschliche grenzt.
"Ma Mère (Meine Mutter)". F 2004. Regie: Christophe Honoré. Mit: Isabelle Huppert, Louis Garrel, Emma de Caunes.
Infos auf kleinezeitung.at
Nina Müller
Quentin Tarantino ist nicht nur ein totaler Filmfreak, er ist auch ein ausgebuffter Fuchs: Wenn man seine Filme nämlich von vorneherein als Trash konzipiert, sind sie für die Kritik kaum angreifbar. Trash ist nämlich einfach Trash!
Der Inhalt ist schnell erzählt: Die drei Freundinnen Jungle Julia (Sydney Poitier, Tochter von Sidney Potier), Butterfly (Vanessa Ferlito, bekannt aus CSI New York) und Shanna (Jordan Ladd) lassen es in ihrer Lieblingskneipe in Austin, Texas richtig krachen. Da tritt Stuntman Mike (Kurt Russell in einer "Klapperschlangen"-Hommage) in Erscheinung, der sich bald als Psychopath erweist. Er lockt die arglose Blondine Pam (Rose McGowan) in sein aufgepimptes Muscle Car und fährt sie und die anderen Girls mit einem Frontalcrash zu Tode. Nachdem er seine Verletzungen auskuriert hat, will er sein perverses Spiel wiederholen, trifft aber auf knallharte Stuntfrauen, die GEWALTigen Widerstand leisten ...
Nach Kill Bill und Jackie Brown setzt Tarantino also ein weiteres Mal auf starke Frauen. Die Mädels quasseln über Typen - was denn sonst - und nehmen sich kein Blatt vor den Mund. An brutalen Szenen - der Frontalcrash wird vier Mal gezeigt, damit man jedes Mädchen ausführlich einzeln sterben sieht - mangelt es nicht.
In den USA wurde "Death Proof" gemeinsam mit Tarantino-Spezi Robert Rodriguez' "Planet Terror" mit leider geringem Erfolg als "Grind House" Double Feature gezeigt, die US-Fassung ist daher um einiges kürzer. Oder eigentlich umgekehrt: Die Europa-Fassung ist um einiges länger - und das merkt man ihr streckenweise auch an: Irgendwann fängt das Gequassel der Mädels an zu nerven, die Handlung kommt im ersten Teil des Films nur mäßig voran. Entschuldigt wird man dafür aber mit einem fulminanten Ende, das wieder Tarantinos ganz große Stärke beweist: Den Einsatz von Musik (April March - "Chick Habit").
(4/5)
"Grind House: Death Proof". USA 2007. Regie: Quentin Tarantino. Mit: Kurt Russell, Rosario Dawson, Vanessa Ferlito, Quentin Tarantino, Rose McGowan, Sydney Tamiia Poitier, Eli Roth. Infos zum Film auf kleinezeitung.at
Nina Müller