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Kampf gegen Windmühlen.
von gudrunrodlauer am: 10.08.2007, 19:06 Uhr

2 TAGE PARIS - Regiedebut von Julie Delpy,
OT: Deux jours à Paris, F, 2007. Mit: Julie Delpy, Adam Goldberg, Daniel Brühl ...

„Eine lebensnahe, charmante und mitreißende Komödie über kulturelle Gräben zwischen Europa und Amerika und eine nicht einfache, aber aufrechte und leidenschaftliche Liebe.“  So steht es geschrieben - eigentlich könnte man nun hier die Filmkritik auch schon wieder beenden und tausende Pärchen mit gutem Gewissen zum Popcornkauf schicken. Dann allerdings würde man sich der Philosophie des Streifens unterwerfen und zuwenig an der Oberfläche kratzen. Man hört: Julie Delpy macht einen Liebesfilm in Paris und nimmt von Regie, Drehbuch, über Produktion, Casting und Schnitt, bis hin zur Musik  alles selbst in die Hand. Unweigerlich kommen einem Gedanken wie „ein genialer dritter Teil mit Ethan Hawke? Vielleicht ‚Before Sunburn‘“? Nein, nicht ganz – aber diese Erwartungshaltung wird zum kleinen Stolperstein, hat sich die Dame gar zuviel zugemutet?

Aber von vorn: Die Französin Marion trifft Jack, den Amerikaner, die beiden verlieben sich und beschließen, sich als Lebensabschnitts- partner zu versuchen. Das ist der Punkt, wo die meisten Filme in der Stadt der Liebe enden. „2 Tage Paris“ setzt hier an. Unser Paar bestreitet seit zwei Jahren – mit allen Höhen und Tiefen und vor allem „dem dazwischen“, wie Julie Delpy gleich zu Beginn sinniert – seinen Alltag, lebt in New York und möchte sich - nach missglücktem Venedig-Liebesurlaub, zwei Tage in Paris bei Marions Eltern erholen. Ami trifft auf Französin – an sich sei schon eine kulturelle Herausforderung, aber muss dieser dann auch noch im Heimatland seiner Grande Dame bestehen, sieht er sich plötzlich gegen Windmühlen kämpfen. Die Angebetete ist schon rein geografisch bedingt wesentlich liberaler als ihr Don Quijote und somit wartet an jeder Ecke einer von Marions charmanten Verflossenen - mit eindeutigen Absichten. Eine neugierige Mutter mit Zimmerschlüssel, ein penisfixierter Herr Papa, eine kindertherapierende Schwester, ein übergewichtiger Kater und die Pariser an sich machen Hypochonder Jack das Leben und die Liebe zu seiner Marion zusätzlich schwer. 

Die ersten zwanzig Minuten lümmelt man gemütlich und beruhigt im Kinosessel, da sich auch die männliche Begleitung amüsiert, was bei Liebesfilmen ja nun nicht zwingend garantiert ist. Köstliche Dialoge, lebensnahe Pannen, befreiende Unperfektion, Europa vs. USA, herrlich ungeschminkt natürliche Darsteller, beruhigende Unromantik und die raue, sympathisch dreckige Seite von Paris. Zwei Menschen meistern ihre Liebe – verzichtend auf jede Hollywood-Glattheit, gewürzt mit der Gretchenfrage "warum eigentlich?" – die meist nicht hinter einer rosaroten Ray Ban abläuft. Die Idee ist klar erkennbar – Julie Delpy wollte etwas anderes zeigen, etwas mit Tiefgang, teils gelingt ihr das auch. Aber auch Filmemachen ist anscheinend eine Frage der Übung. Das Süppchen kommt irgendwie zu selten über ein warmes Brodeln hinaus. Charaktären Tiefe zu geben, das Gefühl dafür zu haben, wann Stille oft mehr wäre als tausend schneller Worte – das alles kommt etwas zu kurz und nimmt dem Gericht leicht die Würze. Der volle, bunte Geschmack verebbt, der Schluss, unterstrichen vom finalen Song, verstärkt dies noch. Adam Goldberg als Jack sticht seine Liebste in punkto Charisma als überzeugter Anti-Franzose recht bald charmant aus, einen erfrischend sinnleeren Kurzauftritt legt der Deutsche Daniel Brühl als „männliche Fee“ im Burger-Lokal hin. Dass Julie Delpy die Rollen vor allem mit Laienschauspielern aus ihrem Freundes- und Familienkreis besetzte, gibt dem Film die Wärme, die man sonst leicht vermissen würde, zurück.

Etwas zu bemüht "tiefschürfend", aber amüsant und sehenwert - auch für Männer.

Homepage: www.2tage-paris.de



Gudrun Rodlauer

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