26. Mai 2012 10:32 | |||||
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Herzlichen Dank, dass Sie unser Weblog-Service in den vergangenen Jahren intensiv und hoffentlich zu Ihrer Zufriedenheit genutzt haben. Leider ist es uns nicht länger möglich dieses Angebot technisch mängelfrei zur Verfügung zu stellen, weswegen wir auch auf eine Wartung der bereits bestehenden Blogs und Statistiken verzichten müssen. Wir hoffen, Ihnen in absehbarer Zeit eine attraktive Alternative in diesem Bereich anbieten zu können.
Mit der Bitte um Ihr Verständnis,
Das Team von Kleine Zeitung Digital
Im deutschen 1.800-Seelen-Dorf Wacken, unweit der dänischen Grenze, tut sich 362 Tage im Jahr nicht viel: Die Kühe grasen, die Hühner gackern und die Bauern gehen ihrem Tagewerk nach. In ihrer Freizeit "schnacken" die Frauen beim Kaffeekränzchen, die Männer vertreiben sich die Zeit mit Korn und Würfelspielen, die jungen Mädchen mit Fitnesstraining und Schminktipps aus Zeitschriften. Doch die restlichen drei Tage wird das beschauliche Landleben unterbrochen - an die 60.000 Metalheads pilgern zum jährlichen Wacken Open Air, eines des größten Festivals dieses Genres in Europa.
Die kuriose Begegnung zweier Welten schildert die südkoranische Regisseurin Sung Hyung–Cho in ihrem mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichneten Dokumentarfilm "Full Metal Village". Sie bezeichnet ihr Werk selbst als Heimatfilm, und irgendwie ist es das auch geworden. Den Großteil des Films beschäftigt sie sich - was die Erwartungen von Metal-Fans vielleicht enttäuschen könnte - mit der Dorfbevölkerung und ihren Wünschen und Zielen. Die 16jährige Katrin würde gerne einmal aus dem Ort rauskommen, Bauer Trede möchte mit Aktienspekulationen ein Zubrot verdienen, der arbeitslose Norbert klagt über Ausländer, die ihm die Arbeit wegnehmen ("das ist halt meine Meinung!").
Doch einzig die gottesfürchtige Oma Irma und der Dorfpfarrer verlassen das Dorf während des Festivals. Ansonsten scheint es, dass sich die Bevölkerung bestens mit den schwarzen Gestalten, die hier jährlich einfallen, arrangiert zu haben. Bauer Trede vermietet seine Wiese und weist die mehr orts- als musikkundigen Securityleute ein. Der Supermarkt verdient einen Gutteil seines Jahresumsatzes mit Bierverkauf während des Festivals und die gesamte Gemeinde sitzt neugierig am Straßenrand, als die Horden von gepiercten, langhaarigen und schwarz gekleideten Menschen anreist. Viel besser als Fernsehen!
Ein grotesker Höhepunkt ist ein Auftritt der ansässigen Feuerwehrkapelle – während in der ersten Reihe die Wackener Landwirte die Volkslieder leise mitsummen, sieht man dahinter hunderte ausgelassener Metaller headbangen.
Eine kurzweilige Dokumentation über das Leben am Land - das in Österreich auch nicht viel anders ist - und die Begegnung zweiter Kulturen, wie sie gegensätzlicher nicht sein können.
Nina Müller