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Obskurer Verbrüderungs-Trip
von NinaMueller am: 31.03.2008, 23:34 Uhr

Hollywoods Regie-Sonderling Wes Anderson hat sich immer schon gerne mit verkorksten Familienbeziehungen beschäftigt. In "Die Royal Tenenbaums" thematisierte er kaputte Beziehungen zwischen Kindern und Eltern, in "Die Tiefseetaucher" ließ er Bill Murray als Meeresforscher und unfähigen Vater untergehen. In "The Darjeeling Limited" schickt er nun drei ungleiche Brüder auf einen bizarren Eisenbahntrip durch Indien. Owen Wilson, Adrien Brody und Jason Schwartzman gehen ein Jahr nach dem Tod ihres Vaters zusammen auf eine Reise, um zueinander und sich selbst zu finden. Im Gepäck: ein Drucker, ein Laminiergerät und elf Louis-Vuitton-Koffer ihres Vaters.

Seit der Beerdigung des Vaters haben die drei Brüder einander nicht mehr gesehen. So lädt Francis (gespielt von Wilson), der Älteste, seine beiden jüngeren Brüder Peter (Schwartzman) und Jack (Brody) auf die minutiös geplante Reise ein. Dass es noch einen anderen Grund für die Reise gibt, verschweigt er vorerst aber. Im Abteil angekommen, wird schnell klar, dass die Vorraussetzungen zur Verbrüderung schwierig sind: Francis, der seine Brüder ständig bevormundet ("Sind wir uns da einig?"), stößt bald auf heftigen Widerstand. Bei Peter liegen wegen eines erwarteten Babys sowieso die Nerven blank. Und Jack knabbert an seiner in Paris zurückgelassenen Ex-Freundin (wunderbarer "Vorspann" mit Natalie Portman). Dazu kommen Eifersüchteleien, wer nun der Lieblingssohn des verstorbenen Vaters war. Einig sind sich die Brüder wie es scheint nur in ihrer Gier nach nicht rezeptpflichtigen Medikamenten, die sie in Unmengen hinunterschlucken.

Doch nachdem die verwöhnten Brüder sich zuviel geleistet haben - Jack kauft eine Kobra, die im Zug entkommt und Peter verbringt eine heiße Viertelstunde mit der Zugbegleiterin (Bollywood-Beauty Amara Karan) - finden sich die drei in ihren Designeranzügen mitten in der Wildnis wieder, aus dem Zug geworfen und auf sich selbst gestellt ...

"The Darjeeling Express" ist ein poppig-schriller, sehr sympathischer und kurzweiliger Film über drei ungleiche Brüder, der vor allem von den grandiosen Darstellern lebt: Vor allem Owen Wilson, der hinter schweren Bandagen versteckt die tragische Figur des ältesten Bruders gibt, und die charismatische Anjelica Huston, die Mutter der drei, machen den Film zum Vergnügen. Nicht zu vergessen die für Anderson typischen vielen Facetten und Ebenen des Films, die diesmal aber im Gegensatz zu seinen früheren Werken ein rundes Ganzes entstehen lassen.

 

The Darjeeling Express. Regie: Wes Anderson. Mit Owen Wildon, Adrien Brody, Jason Schwartzman, Bill Murray und Anjelica Huston. USA 2007, 91 Minuten. Infos und Spielzeiten auf www.kleinezeitung.at/kino.

Nina Müller

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