26. Mai 2012 10:33 | |||||
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Hermes Phettberg, Wiener Querdenker, Kolumnist und Masochist, fällt nicht nur aus dem Rahmen, er sprengt ihn auch. Kurt Palm, der ihn in den 90er Jahren mit der "Netten Leit Show" berühmt machte, hat ihm nun mit "Hermes Phettberg, Elender" einen Film gewidmet. Zu sehen sind Ausschnitte eines ca. 15 Stunden langen Interviews, das in Phettbergs Wohnung entstand, die mit Ausschnitten aus der einzigartigen Talkshow und anderen TV-Mitschnitten konterkariert wird.
"Phettberg, Elender" ist, wie Palm nach der Graz-Premiere meinte, das erste filmische Porträt eines Österreichers, das zu Lebzeiten entstanden ist und beschließt gleichzeitig seine Trilogie, die mit den Berühmtheiten Mozart und Stifter begann. Wobei dem Film aber trotzdem ein Geruch von Epitaph anhaftet: Von seinen zwei Schlaganfällen stark gezeichnet ist der stark abgemagerte Phettberg nur noch ein Schatten seiner selbst, selbst das Sprechen und das Schreiben fällt ihm schwer. Und in einer der ersten Szene aus der "Netten Leit Show" ist das Gespräch mit dem populären Pathologen Hans Bankl ("ob sie's glauben oder nicht, bei mir gibt's eine Warteliste") zu sehen, der über die Probleme bei der Obduktion von Fettleibigen erzählt.
Andere Ausschnitte zeigen ein Live-Interview von Sandra Maischberger mit dem nackten gefesselten Phettberg bei einer seiner "Verfügungs- permanenzen" in einer Schweizer Galerie (dem im Original auf Premiere ganze 20 Minuten!!! gewidmet wurden, heute undenkbar), den Auftritt bei Harald Schmidt und natürlich den unvergesslichen Austausch über Sackerl-Philosophie mit Marcel Prawy. Zudem ist der radikale XXL-Körperkünstler unter Palms Regie in einigen Bühnenrollen zu sehen, z.B. als Inspektor in F. Knotts "Bei Anruf Mord".
Niemand außer Phettbergs Entdecker Kurt Palm hätte dieses Porträt machen können oder dürfen - behutsam, ohne Sensationsgier, als eine Art Freund. Er macht ihn nicht nur als Phänomen, sondern als gebrochenen Menschen greifbar, der täglich eine ganze Schüssel voller Medikamente isst - aus Angst vor dem Sterben.
Ein filmisches Denkmal, das betroffen macht, aber zugleich einige schöne - und witzige! - Erinnerungen an einzigartige Momente der österreichischen Fernsehunterhaltung liefert. So etwas wie Phettberg, das wird klar, gab es noch nie und das wird es nie wieder geben.
Phettberg, Elender. Regie: Kurt Palm. Österreich 2007, 80 Minuten. Infos und Spielzeiten auf kleinezeitung.at/kino.
Nina Müller