26. Mai 2012 10:33 | |||||
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Tief irgendwo in einem Tschador versteckte Frauen, die nach der Scharia keinerlei Rechte besitzen, bärtige Fundamentalisten, ein unberechenbarer, unheimlich wirkender Präsident Ahmadinedschad, ein "Schurkenstaat" - so sieht der Westen heute den Iran. Dass das früher anders war, ist vergessen, dass es dort Menschen gibt, die ganz anders denken, passt nicht in unser Weltbild. In ihren beiden nun fürs Kino adaptierten Graphic Novels "Persepolis" lüftet die im französischen Exil lebende Marjane Sartrapi den Schleier und erzählt von ihrer Kindheit in Teheran, von Menschen, denen der Witz oft als einzige Waffe übrig bleibt.
1979, zur Zeit der Iranischen Revolution, ist die kleine Marji gerade 10 Jahre alt und erlebt, wie die Hoffnungen, dass das Land sich nun in einen modernen und weltoffenen Staat verwandelt, zerstört werden. Die bleierne Schreckensherrschaft entpuppt sich als um ein Vielfaches schlimmer als die Dikatur des Schahs. Die heranwachsende Marji schwärmt für Bruce Lee, besorgt sich am Schwarzmarkt Musik von Iron Maiden und versucht den stets wachsamen Sittenwächterinnen zu entkommen. Wie gefährlich sogar dieser harmlose Widerstand ist, wird klar, als ihr Onkel Anouche verhaftet wird. Als auch noch der Irak den ersten Golfkrieg anzettelt, schicken ihre Eltern Marjane schweres Herzens nach Wien ins Exil, wo sie ihre ersten Erfahrungen mit Männern macht und, so will es die Ironie des Lebens, noch viel tiefer verletzt wird: "Ich hatte eine Revolution erlebt, durch die ich einen Teil der Familie verlor. Ich hatte einen Krieg überlebt. Und eine banale Liebesgeschichte hätte mich fast weggerafft."
Persepolis schafft das Kunststück, neben einer beeindruckenden und notwendigen Geschichtslektion auch ein durchaus unterhaltsamer Film voller Wärme und Poesie zu sein.
(Fast) ganz in Schwarz wie der aufgezwungene Tschador, aus dem nicht einmal der Haaransatz herausblitzen darf und weiß wie die Jasminblüten, die, wie sich Marjane erinnert, ihre Großmutter in den Büstenhalter steckte um gut zu duften, ist der Film gehalten und ist dabei zugleich ein Plädoyer gegen das Schwarzweiß-Denken.
Persepolis. Regie: Marjane Satrapi, Vincent Paronnaud. Stimmen: im Original Chiara Mastroianni und Catherine Deneuve, in der deutschen Übersetzung Jasmin Tabatabai und Nadja Tiller. Frankreich 2007, 96 Minuten. Infos und Spielzeiten auf
kleinezeitung.at/kino. Trailer hier.
Nina Müller