26. Mai 2012 15:11 | |||||
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Der hübschen, eleganten Ouvertüre kann man gelegentlich begegnen, dem dazugehörigen Einakter jedoch fast nie. Das ist zu bedauern, denn "Die schöne Galathée" von Franz von Suppé ist eine höchst amüsante, musikalisch sehr inspirierte mythologische Satire.
Als in Paris Jacques Offenbach mit seinen Operetten Triumphe feierte und auch Wien eroberte, Johann Strauß sich aber noch damit begnügte, Tanzmusik zu komponieren, war Franz von Suppé der erste in Wien tätige Komponist und Kapellmeister, der sich daran machte, ein Wienerisches Pendant zu Offenbachs kritisch-unterhaltsamen Bühnenwerken zu schaffen.
Seine 1865 entstandene "komisch-mythologische Oper in einem Akt" greift einen Stoff aus der griechischen Antike auf, die Sage der von der Göttin Venus zum Leben erweckten Statue des Bildhauers Pygmalion. Im Text von Leonhard Kohl von Kohlenegg, der das Pseudonym Poly Henrion benutzte, nimmt die Geschichte ein überraschendes Ende: Weil Galathée nicht den Erwartungen ihres Schöpfers entspricht und ihm mit allen weiblichen Untugenden den Nerv zieht, wird sie in Stein zurückverwandelt und an den Mäzen Mydas verkauft.
Der Dalmatiner Franz von Suppé hat dazu eine heitere Musik komponiert, der es an kritischen Spitzen eben so wenig mangelt wie an melodischen Einfällen. Am Pult der auf historischen Instrumenten spielenden Cappella Coloniensis dirigiert Bruno Weil diese Partitur mit leichter Hand. Der lyrische Tenor Jörg Dürmüller als Pygmalion, die Mezzosopranistin Marianne Beate Kielland als dessen gar nicht ergebener Diener Ganymed, die mit sinnlichem Sopran aufwartende Galathée von Eleonore Marguerre und Klaus Häger als in sie verliebter Mydas ergeben ein prächtiges Ensemble.
Ergänzt wird es durch den Schauspieler Christian Brückner, der im Synchronstudio Robert de Niro seine markante Stimme zu leihen pflegt, der als Erzähler den von Hans-Joachim Wagner humorvoll aktualisierten Verbindungstext gekonnt vorträgt.
Franz von Suppé: "Die schöne Galatheée".
Capriccio, 1 CD.
Ernst Naredi-Rainer