10. Februar 2012 10:33 | |||||
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"Leise flehen meine Lieder" nennt Bo Skovhus seine morgen erscheinende neue CD. Obwohl er sie mit Franz Schuberts "Ständchen" eröffnet, das mit diesen Worten beginnt, trifft der Titel nicht ganz zu, singt der dänische Bariton doch zehn Lieder von Schubert und weitere fünf von Robert Schumann in Orchesterfassungen, die im Auftrag der Bregenzer Festspiele entstanden sind, die es ihm selten erlauben, in Pianokünsten zu schwelgen.
Orchesterfassungen? Ja, aber sie stammen nicht von den Komponisten dieser Klavierlieder, sondern von jüngeren Kollegen, die sich von diesen Gesängen besonders angezogen fühlten. Die zehn Schubert-Lieder, die auf dieser CD versammelt sind, erklingen in Instrumentationen von nicht weniger als acht Komponisten.
Das Konzept, sie auf einer Aufnahme zu vereinen, ist nicht neu, das hat schon Claudio Abbado 1992 mit Anne Sofie von Otter und Thomas Quasthoff für die Deutsche Grammophon vorexzerziert. Und unter seiner Stabführung hat das Chamber Orchestra of Europe die stilistischen Unterschiede zwischen den einzelnen Arrangeuren wesentlich deutlicher hervorgekehrt, als dies jetzt dem Danish National Symphony Orchestra unter Stefan Vladar gelingt.
Orchestrierten der Wagner-Dirigent Felix Mottl sowie Johannes Brahms und später auch noch Max Reger mit romantischer Üpigkeit, ohne in Schuberts harmonischen Kosmos ernsthaft einzugreifen, so scheute Hector Berlioz nicht davor zurück, die Dissonanzen des "Erlkönigs" noch zusätzlich zu verstärken. Auf ein schlankes Klangbild setzten hingegen Anton von Webern (in "Ihr Bild") und Benjamin Britten, der in der "Forelle" der beweglichen Klarinette eine Hauptrolle zuteilte.
Nicht zuletzt kann Skovhus auch eine Lanze für seine dänischen Landsleute brechen: Carl Nielsen hat den "Prometheus" instrumentiert und für die Monumental-Ballade "Der Taucher" hat Skovhus 2005 seinen Freund Karl Aage Rasmussen, der schon durch seine Vervollständigung des Opernfragments "Sakontala" seine besondere Schubert-Affinität unter Beweis gestellt hat, um eine Orchesterversion gebeten, die hier ebenso in der Weltersteinspielung vorliegt wie fünf Schumann-Lieder nach Texten des dänischen Nationalpoeten Hans Christian Andersen.
Bo Skovhus, der seine Karriere vor 20 Jahren an der Wiener Volksoper begonnen hat, singt nicht immer ganz akzentfrei, aber stets mit markigem Bariton, der dramatische Attacken mit müheloser Kraft bewältigt, aber auch noch die lyrische Substanz besitzt, um der Intimität etwa des "Ständchens" gerecht zu werden.
"Leise flehen meine Lieder".
Lieder von Franz Schubert und Robert Schumann in Orchesterfassungen.
Bo Skovhus (Bariton); Danish National Symphony Orchestra, Dirigent: Stefan Vladar.
Sony, 1 CD.
Ernst Naredi-Rainer