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von naredirainer am: 18.02.2009, 20:23 Uhr

Ein kostbares Tondokument, das Connaisseure schon auf einer klanglich nicht wirklich befriedigenden Melodram-LP gehortet haben, liegt nun erstmals in einer legalen Pressung und in erheblich verbesserter technischer Qualität vor: Der Mitschnitt des einzigen gemeinsamen Auftritts von Joan Sutherland und Fritz Wunderlich.

Am 15. Mai 1959 standen die beiden im Mittelpunkt einer konzertanten Aufführung von Georg Friedrich Händels Oper "Alcina" im Großen Sendesaal des Westdeutschen Rundfunks in Köln. Eine spannende Kombination, die so nicht geplant war. Joan Sutherland sprang für eine spanische Kollegin ein, die während der Probenphase wegen ihrer Intonationsprobleme nach Hause geschickt wurde und lernte die Titelrolle, die sie bis dahin nur in englischer Sprache gesungen hatte, blitzschnell im italienischen Original. Und Fritz Wunderlich, der eigentlich die viel kleinere Rolle des Oronte singen sollte, übernahm innerhalb von nur fünf Tagen die ungleich größere Partie des Ruggiero, weil der dafür vorgesehene italienische Tenor Nicola Monti irrtümlicherweise die kleine Rolle des Feldherrn Alcinas studiert hatte und sich außerstande sah, sich in so kurzer Zeit den viel umfangreicheren Part des Ruggiero anzueignen.

Die damals am Beginn ihrer Weltkarriere stehende Koloraturdiva Joan Sutherland, die drei Jahre später Händels Alcina unter der Stabführung ihres Gatten Richard Bonynge in einer Studioproduktion für Decca aufnahm, sang den Part der Zauberin (und zusätzlich noch eine Arie der Morgana!) schon 1959 mit leichter Tongebung, brillanter Technik und jener stilistischen Souveränität, mit der auch ihre mit dem Barock eng vertraute Kollegin Norma Procter aufzuwarten weiß, die als Bradamante einen üppigen Alt aufbietet.

Fritz Wunderlich lässt sich kaum anmerken, dass ihm die Rolle des Ruggiero fast zu tief liegt: Er prunkt mit beweglichen Koloraturen, zarter Lyrik und strahlendem Tenorglanz.

Im Händel-Jahr 2009 interessiert der Beitrag zum Händel-Jahr 1959 aber nicht nur wegen der raren vokalen Konstellation. Diese "Alcina"-Aufnahme ist eines der frühesten Dokumente aus der Pionierzeit der historischen Aufführungspraxis. Zwar wurde die Partitur von Händels Oper, die Harry Kupfer anno 1980 als seine vierte und letzte Regiearbeit an der Grazer Oper in Szene gesetzt hat, mit heftigem Einsatz des Rotstifts auf eine dem üblichen Opernmaß von zweieinhalb Stunden Spieldauer zusammengekürzt, zwar schlug Ferdinand Leitner heute vielfach behäbig anmutende Tempi an, aber mit der Cappella Coloniensis musizierte ein Originalklangensemble. Später zu Ruhm gelangte Instrumentalisten wie August Wenzinger (Cello), Gustav Scheck und Hans-Martin Linde (Flöte) oder der Cembalist Fritz Neumeyer trugen entscheidend dazu bei, dass bei den Aufführungen von Händels Opern das historische Instrumentarium seinen Siegeszug antrat.

Georg Friedrich Händel: "Alcina".
Joan Sutherland, Fritz Wunderlich, Norma Procter, Nicola Monti; Cappella Coloniensis, Dirigent: Fritz Wunderlich.
Deutsche Grammophon, 2 CDs.

 

 

Ernst Naredi-Rainer

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