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von naredirainer am: 12.07.2009, 20:15 Uhr

"Schätze des Piemont" ("Tesori del piemonte") heißt die ungemein verdienstvolle CD-Edition, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die rund 450 handschriftlichen Partituren Antonio Vivaldis, die in der Universiträtsbibliothek Turin lagern, zu klingendem Leben zu erwecken. Bis 2015 sollen hundert CDs mit bisher unbekannten Werken des prete rosso vorliegen. Mit der Folge 39 gelang dieser Reihe, die damit bereits ihre elfte Opernproduktion veröffentlicht, ein ganz besonderer Wurf.

Die verwickelte und verwirrende Handlung der Oper "La fida ninfa", mit der Vivaldi 1732 bei der Neueröffnung des Theaters in Verona einen großen Erfolg errang, lässt sich kaum nacherzählen. Dieser barocke Vorgänger von Mozarts und da Pontes "Cosi fan tutte" lieferte dem Komponisten aber genügend Möglichkeiten, sein Können auszubreiten. Seine farbenprächtige, ausgesprochen originelle Partitur lässt Jean-Christophe Spinosi mit seinem Ensemble Mathieu höchst vital und prächtig schillern. Zwischen subtiler Zartheit und forschem Draufgängertum spannen die exzellenten Musiker einen weiten, facettenreichen Bogen.

Die acht Rollen dieses Schäferstücks, die durchwegs beträchtliche virtuose Ansprüche stellen, lassen sich kaum luxuriöser besetzen, als das bei dieser Ersteinspielung geschah. Sandrine Piau entzückt als Licore mit der Reinheit ihres leicht geführten, beweglichen Soprans, dem Verónica Cangemi als Morasto ein etwas dramatischeres, nicht ganz so agiles Pendant entgegensetzt. Mit seinem makellosen Legato und seinem betörenden Timbre formt der Countertenor Philippe Jaroussky die beiden Arien des Osmino zu fulminanten Höhepunkten. Dunkler und höchst agil klingt der Alt von Sara Mingardo in der Rolle der Juno.Der Tenor Topi Lehtipuu (Narete) und der Bassist Lorenzo Regazzo (Oralto) halten das außerordentlich hohe Niveau.

Der einzige Wermutstropfen: Im Booklet gibt es weder den Einführungstext noch das Libretto von Francesco Scipione Maffei in deutscher Übersetzung.

Antonio Vivaldi: "La fida ninfa"´, RV 714.
Piau, Verónica Cangemi, Marie-Nicole Lemieux, Lorenzo Regazzo, Philippe Jaroussky, Topi Lehtipuu, Sara Mingardo, Christian Senn; Ensemble Matheus, Dirigent: Jean-Christophe Spinosi.
Naive, 3 CDs.

 

 

 

Ernst Naredi-Rainer

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