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von naredirainer am: 22.10.2009, 11:46 Uhr

Schlag auf Schlag: Am 26. Juli haben Janine Jansen und die von Paavo Järvi geleitete Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit dem Violinkonzert von Ludwig van Beethoven bei den Salzburger Festspielen  gastiert. Vom 31. Juli bis 2. August haben sie es in der Hamburger Friedrich-Ebert-Halle aufgenommen und jetzt liegt diese Einspielung bereits auf CD vor. Sie überrascht und erfreut mit einer ungewöhnlichen Kombination: Als Ergänzung zu Beethoven erklingt das relativ selten gespielte Violinkonzert von Benjamin Britten. Dass in beiden Werken die Pauke eine herausragende Rolle spielt, kann als verbindendes Element angesehen werden.

Inmitten des fulminanten, international höchst erfolgreichen Beethoven-Zyklus mit der Aufführung aller Symphonien wirkte in Salzburg die Wiedergabe des Violinkonzerts wie ein Fremdkörper. Dass die Solistin und das Orchester unterschiedliche Konzepte verfolgen, hört man auch der Einspielung an, dass die Partner aber offen genug sind, flexibel aufeinander zu reagieren, macht den Reiz dieser nicht von völliger Harmonie, sondern von aufregender Reibung geprägten Aufnahme aus.

Janine Jansen agiert traditionsbewusst. Ihrer kostbaren, 1727 in Cremona gebauten "Barrere"-Stradivari entlockt sie einen üppigen, satt leuchtenden, in purer Schönheit schwelgenden Ton, zu dessen romantischer Attitüde es passt, dass sie sich für die Kadenz von Fritz Kreisler entscheidet. Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen hingegen musiziert fast ohne Vibrato, wird von Paavo Järvi zu schlanker, dramatischer Schlagkraft geführt.

Beim 1940 uraufgeführten Violinkonzert von Benjamin Britten, dessen hohe technische Hürden die 31-jährige Holländern mühelos und schlackenfrei meistert, dirigiert Paavo Järvi das London Symphony Orchestra, das mit der Musik seines Landsmannes natürlich eng vertraut ist und deren kontrastierende Stimmungen, die vom lebhaften spanischen Tanz bis zu düsterster Verzweiflung reichen, emotionsstark auslotet.

Ludwig van Beethoven: Violinkonzert D-Dur, op. 61;
Benjamin Britten: Violinkonzert, op. 15.
Janine Jansen (Violine), Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, London Symphony Orchestra, Dirigent: Paavo Järvi.
Decca, 1 CD.

 

 

Ernst Naredi-Rainer

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