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Das Kultur-Weblog der Kleinen Zeitung
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von naredirainer am: 20.11.2009, 14:03 Uhr

Jubiläums- und Gedenk-Jahre dienen nicht immer nur dem Geschäft: 200 Jahre nach dem Tod von Joseph Haydn gab und gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, dessen weitgehend unbekannte Oper "Le Pescatrici"  kennenzulernen. Die Wiener Kammeroper hat die 1770 uraufgeführten "Fischerinnen" im Frühjahr auf die Bühne gebracht; Hungaroton veröffentlichte heuer  eine Einspielung, die schon 1993 entstanden ist.

Wie auch sein Dramma giocoso "Il mondo della luna", das im Dezember in einer von Nikolaus Harnoncourt dirigierten und von Tobias Moretti inszenierten Neuproduktion im Theater an der Wien zu sehen sein wird, deren Premiere übrigens der ORF zeitversetzt im Fernsehen übertragen wird. basieren auch "Le Pescatrici" auf einem Libretto von Carlo Goldoni. Haydn hat seine spritzigen "Fischerinnen" als eine seiner erfolgreichsten Opern bezeichnet. Leider wurde sie nur unvollständig überliefert: 1776 ging ein Teil der Partitur beim Brand des Theaters verloren. Spielbar wurde das Fragment erst durch die Ergänzungen des britischen Musikologen H. C. Robbins Landon. Dieser Version, die Carlo Maria Giulini beim Holland-Festival 1959 aus der Taufe gehoben hat, folgt auch die als Livemitschnitt beim Haydn-Schubert-Festival Einspielung durch die Solisten, den Chor und das Orchester der Litauischen Oper. Leider nicht konsequent, denn während alle nachkomponierten Nummern erklingen, fielen beträchtliche Teile aus Haydns Original dem Rotstift zum Opfer.

Aus Mangel an Konkurrenz muss man dennoch mit dieser von Olga Géczy reichlich bieder dirigierten Einspielung mit einem durchschnittlichen Ensemble vorlieb nehmen, dessen Schwächen nur zum Teil hörbar werden, weil den sieben mittelmäßigen Sängern zu Liebe etliche virtuose Koloraturpassagen vorsorglich gestrichen wurden.

Joseph Haydn: "La pescatrici".
Solisten, Chor und Orchester der Litauischen Oper; Dirigentin: Olga Géczy.
Hungaroton, 2 CDs.

 

 

 

Ernst Naredi-Rainer

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