10. Februar 2012 14:27 | |||||
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Mit dem jüdischen Geiger Yehudi Menuhin, ebenso ein glühender Pazifist wie er, besuchte der britische Komponist Benjamin Britten 1945 deutsche Konzentrationslager und kehrte tief erschüttert nach England zurück. Von heftigen Fieberattacken geschüttelt vertonte er innerhalb einer Woche, von 2. bis 9. August, sieben der der neun Lieder der "Holy Sonnets of Johne Donne". Die vermutlich um 1610 entstandenen geistlichen Sonette des späteren Dekans der St. Pauls Kathedrale sprechen von einem harten, unnahbaren und eifersüchtigen Gott. Der 1572 geborene und 1631 verstorbene englische Mystiker beschäftigt sich in diesen derst posthum veröffentlichten Texten mit der Furcht des Menschen vor der Verdammnis und macht ihm nur wenig Hoffnung auf Vergebung.
Britten hat den mit der Opus-Zahl 35 versehenen düsteren Zyklus für seinen Lebensgefährten Peter Pears komponiert, dessen leicht gaumigen Singstil der britische Tenor Mark Padmore in seiner äußerst expressiven Einspielung übernimmt. Der jetzt 48-jährige englische Tenor, der sich allem vor allem als Interpret barocker Musik einen Namen gemacht hat, erweist sich hier als einer der führenden Vertreter der britischen Tenortradition, zu deren Eigenheiten es nicht zuletzt gehört, die Stimme vor allem in der hohen Lage auf dem Atem zu führen, um ihr maximalen Glanz abzugewinnen. Padmore gestaltet wortdeutlich, sensibel und ausdrucksstark, nutzt das sehr differenziert eingesetzte Farbspektrum seiner Stimme, um tief in die zumeist düsteren Emotionen hinabzutauchen.
Da John Donne ein Zeitgenosse von Henry Purcell war, den Britten so sehr bewunderte, dass er einige seiner Melodien bearbeitete, lag es nahe, auch diese Arrangements aufzunehmen. Die 1953 nach Gedichten von Thomas Hardy entstandenen "Winter Words",
op. 52, sowie fünf Volksliedbearbeitungen Brittens runden das Programm ab, das sehr eindrucksvoll Zeugnis davon ablegt, wie gekonnt der Komponist für Stimmen schreiben konnte und wie sehr er dabei auf die Eigenheiten des Tenors seines Lebensgefährten einging. Roger Vignoles erweist sich einmal mehr als einer der besten Liedpianisten unserer Tage.
Benjamin Britten: "Befor live and after".
Mark Padmore (Tenor), Roger Vignoles (Klavier).
Harmonia mundi, 1 CD.
Ernst Naredi-Rainer