10. Februar 2012 14:23 | |||||
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Ein Mauerblümchendasein führte im 20. Jahrhundert Gaetano Donizettis Oper "Parisina d'Este": Zwischen 1964 und 1997 erlebte sie nur zehn Aufführungen, von denen fünf live mitgeschnitten wurden, darunter Montserrat Caballés Auftritt als Titelheldin am 6. März 1974 unter Eve Queler in der New Yorker Carnegie Hall (Hope)und Alexandrina Pendatchanskas Interpretation dieser Rolle am
19. Jänner 1997 im RTSI-Auditorium in Lugano unter Emmanuel Plasson (Dynamic).
Am 17. März 1833 am Teatro Pergola in Florenz uraufgeführt, machte "Parisina" zunächst durchaus erfolgreich die Runde. Genua, Neapel, Livorno, Rom, Ancona, Palermo, Reggio Emilia, Dresden, Wien (Kärntnertortheater), Mailand, Padua, Cremona, Madrid, Venedig, Turin, Messina, Marseille, Barcelona, Piacenza, Malta, Lissabon, Havanna, Novara, New Orleans, Vicenza, Paris, London, Verona, Nizza, Amsterdam, Lima, Santiago, Berlin, Budapest, New York, Buenos Aires und Bergamo spielten den Dreiakter, der 1871 in den Archiven verschwand. Warum, lässt sich nicht erklären. In größter Eile komponiert, weil das Libretto von Felice Romani nach einem Stoff von Lord Byron erst im letzten Moment eintraf, wirkt diese Partitur doch sorgfältig ausgearbeitet, dominieren die inspirierten Passagen gegenüber dem Routinehandwerk.
"Parisina d'Este" (der auf der Neuproduktion verkürzte Originaltitel verhindert eine allfällige Verwechslung mit Pietro Mascagnis 1913 uraufgeführter "Parisina" nach Gabriele d'Annunzio) spielt im 14. Jahrhundert und handelt von einer Eifersuchtstragödie, die mit dem Tod des tenoralen Liebhabers und der Titelheldin endet.
Die erste Studioproduktion der im selben Jahr wie Donizettis "Lucrezia Borgia" und "Torquato Tasso" entstandenen Oper hat gegenüber den eingangs erwähnten Livemitschnitten nicht nur die höhere technische Klangqualität zum Vorteil, sondern auch die Vollständigkeit, verzichtet sie doch auf Striche.
Am Pult des erstklassigen London Philharmonic Orchestra dirigiert David Parry das düstere Werk sorgfältig und routiniert, wenn auch nicht sonderlich temperamentvoll. Carmen Giannattasio, die 2002 Placido Domingos Operalia-Wettbewerb in Paris gewonnen hat, singt die Titelrolle mit Feuer und Intensität, sicheren Koloraturen und dramatischer Attacke. Vor allem im Piano aber zeigt sich, dass ihr die gestalterische Raffinesse von Montserrat Caballé nicht zu Gebote steht. José Bros hingegen demonstriert als ihr Liebhaber Ugo mit tenoralem Glanz hohe Belcanto-Kultur. Zum Opfer fällt er der Eifersucht des Herzogs Azzo, von dem sich zu spät herausstellt, dass er der Vater des jüngeren Rivalen ist: Dario Solari gibt dieser Figur mit etwas stumpfem Bariton Profil. In der zweiten Bariton-Rolle des Ernesto gefällt Nicola Ulivieri, der im Jahr 2002 als Titelheld von Mozarts "Don Giovanni" unter Philippe Jordan in der Grazer Oper reüssierte.
Gaetano Donizetti: "Parsina d'Este".
Carmen Giannnattasio, José Bros, Dario Solari, Nicola Ulivieri, Ann Taylor; Geoffrey Mitchell Choir; London Philharmonic Orchestra, Dirigent: David Parry.
Opera Rara (Österreich-Vertrieb: Preiser Records), 3 CDs.
Ernst Naredi-Rainer