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von naredirainer am: 13.01.2010, 16:36 Uhr

 

Unter den großen Countertenören der Gegenwart nimmt Philippe Jaroussky eine Ausnahmestellung ein: Er nimmt einerseits mehr CDs auf als seine Kollegen (seit 2001 mindestens zwei pro Jahr, in den letzten beiden Jahren sogar jeweils vier) und besitzt nicht zuletzt dadurch andererseits eine Popularität, dank der er, wie seine Deutschland-Tournee im Dezember zeigte, auch große Konzertsäle mühelos zu füllen vermag, obwohl er erst im Februar 2004 sein Deutschlanddebüt gegeben hatte.

Der junge Franzose, der am 13. Februar seinen 32. Geburtstag feiern wird, nützt erfreulicherweise seine Popularität, um seine immer größer werdende Fangemeinde mit Literatur abseits des Mainstreams bekannt zu machen. Sein jüngstes Soloalbum trägt (nach einer Arie des Farnaspe aus "Adriano in Siria") den Titel "La dolce fiamma" und widmet sich ausschließlich dem kaum bekannten Opernschaffen von Johann Christian Bach.

Der jüngste Sohn des Thomaskantors, 1735 in Leipzig geboren und zunächst von seinem Vater unterrichtet, machte in Berlin seine ersten Opernerfahrungen, die er dann in Mailand und Turin vertiefte, wo er 1760 vom Teatro Regio den Kompositionsauftrag zu seiner ersten Oper "Artaserse" erhielt. 1762 kam Bach nach London, wo er auch als Musikdramatiker Georg Friedrich Händel Konkurrenz machte, und wo ihn der junge Mozart kennen und bewundern lernte.

Im ausführlichen Booklet seines Recitals hält Jaroussky denn auch fest, dass er Johann Christian Bach für einen "der bedeutendsten Opernkomponisten zwischen Händel und Mozart" hält, sozusagen das Bindeglied zwischen Barock und Klassik.

In den auf dieser CD vorgestellten Opern- und Konzert-Arien erweist sich Johann Christian Bach als herausragender Meister der Vorklassik, der gekonnt und originell zu instrumentieren weiß und ebenso effektvolle wie kantable Melodien schreibt, die durchaus das Zeug zum Ohrwurm haben.

Philippe Jaroussky, 2008 mit dem "Echo Klassik"-Preis ausgezeichnet, setzt den betörenden Wohlklang seiner Stimme nicht als Selbstzweck ein, sondern widmet sich mit ebenso großer Sorgfalt wie Intensität der Verdeutlichung der von Bach meisterlich vertonten Affekte und Emotionen. Er schwärmt hinreißend und sensibel, reitet dramatische Attacken und fasziniert zumal als Großmeister der Melancholie. Dank seiner vorzüglichen Technik brilliert er mit atemberaubenden Koloraturen, endlos weit gespannten Kantilenen, subtil schattierten Farben und stupender messa di voce. Das Originalklangensemble La Cercle de l'Harmonie bietet ihm unter der Leitung von Jérémie Rhorer den adäquaten instrumentalen Rahmen für seine außerordentliche Vokalkunst.

"La dolce fiamma": Opern- und Konzertarien von Johann Christian Bach.
Philippe Jaroussky (Countertenor), Le Cercle de l'Harmonie, Leitung: Jérémie Rhorer.
Virgin Classics, 1 CD.

 

 

 

Ernst Naredi-Rainer

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