10. Februar 2012 13:51 | |||||
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Bei der Salzburger Mozartwoche lassen sich die Wiener Philharmoniker gerne auf die erste Begegnung mit einem ihnen nicht vertrauten Dirigenten ein. Die Liste der Debütanten seit 1992 umfasst so illustre Namen wie Sándor Vegh, Frans Brüggen, Manfred Honeck, John Eliot Gardiner, Roger Norrington, Sir Neville Marriner oder Franz Welser-Möst. Heuer wird diese Ehre am
30. Jänner Yannick Nézet-Séguin zu Teil, der damit einen Höhepunkt seiner steilen Pultkarriere erreicht.
Internationales Aufsehen erregt hatte der 1975 in Montreal geborene Frankokanadier, als er 2008 Charles Gounods "Roméo et Juliette" mit so großem Erfolg bei den Salzburger Festspielen dirigierte, dass ihn diese für den kommenden Sommer nicht nur mit der Wiederaufnahme betrauten, sondern ihm zusätzlich auch noch Mozarts "Don Giovanni" übergaben, womit er zum meistbeschäftigten Operndirigenten des nächsten Salzburger Festspielsommers avancierte.
Rückte Nézet-Séguin in Salzburg in den Blickpunkt internationalen Interesses, so kam er doch keineswegs aus dem Nichts. Schon seit neun Jahren leitet er das 1981 gegründete Orchestre Métropolitain du Grand Montréal, das zwar noch im Schatten von Kent Naganos Montréal Symphony Orchestra steht, aber mit seinem Chef schon
14 CDs für das kanadische Label Atma eingespielt hat (darunter die drei letzten Symphonien von Anton Bruckner) , das freilich auf dem internationalen Markt kaum eine Rolle spielt.
Das wird sich aber jetzt für Yannick Nézet-Séguin ändern. 2008 wurde er zum Nachfolger von Valery Gergiev an der Spitze des Rotterdam Philharmonic Orchestra bestellt - und für diese Kombination interessiert sich jetzt mit gutem Grund ein Weltkonzern. Die Mutterfirma EMI brachte eben eine dank ihres impressíonistischen Farbenreichtums sehr imponierende Einspielung von Orchesterwerken Maurice Ravels auf den Markt; bei der Tochter Virgin Classics fungieren Nézet-Séguin und seine Rotterdamer Philharmoniker als Begleiter des exklusiv an dieses Label gebundenen Geigers Renaud Capucon.
Der erfolgreichste französische Violinvirtuose seiner Generation kombiniert die Violinkonzerte in D-Dur von Ludwig van Beethoven und Erich Wolfgang Korngold. Neigt er beim Olymp des Genres zu lyrischer Zurückhaltung, so lässt er den Ton bei Korngold üppig und sinnlich aufblühen.
Yannick Nézet-Séguin begnügt sich in beiden Fällen nicht mit der Rolle des Begleiters: Er ist seinem Star ein aufmerksamer, flexibel reagierender Partner, der die Klangfarbenpalette seines Orchesters gekonnt auffächert, Beethovens Größe streng ausspielt und bei Korngold haargenau die Balance zwischen schwelgerischem Ton und klug dosiertem Überschwang findet.
Ludwig van Beethoven: Violinkonzert D-Dur, op. 61;
Erich Wolfgang Korngold: Violinkonzert D-Dur, op.35.
Renaud Capucon (Violine); Rotterdam Philharmonic Orchestra; Dirigent: Yannick Nézet-Séguin.
Virgin Classics, 1 CD.
Ernst Naredi-Rainer