10. Februar 2012 14:22 | |||||
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Auf ihren Ohren sitzen die steirischen Konzertveranstalter. Hartnäckig nehmen sie nicht zur Kenntnis, dass der am 10. Juni 1843 in Graz geborene Heinrich von Herzogenberg nicht nur als enger steirischer Freund von Johannes Brahms Eingang in die Musikgeschichte gefunden hat. Er gehört vor allem zu jenen zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Komponisten, deren Wiederentdeckung sich wirklich lohnt. Um diese bemüht sich vor allem das verdienstvolle Raritätenlabel cpo.
Auf seiner bereits elften Herzogenberg-CD kombiniert es das 1876 komponierte Streichquartett d-moll, op. 18 mit dem 1892 entstandenen Streichquintett c-moll, op. 77. Das frühe Streichquartett ist ein Dokument der Abkehr von Richard Wagner und der Neudeutschen Schule, die dieses Genre als veraltet ansah. Das Streichquintett wiederum versteht sich als tönende Trauerarbeit: Der zweite Satz besteht aus "Variationen über ein Lied von Lisl". Lisl war Herzogenbergs Gattin Elisabeth von Stockhausen, die am 7. Jänner 1892 in San Remo gestorben war.
Können auch beide Werke eine Nähe zu Johannes Brahms nicht leugnen, so sind sie doch keineswegs epigonal. Handwerklich exzellent gearbeitet, verraten sie Formbewusstsein und Temperament. Sie wirken durchwegs inspiriert und vor allem das von persönlichem Leid geprägte Streichquintett dringt zu einer subjektiven Expressivität vor, die unmittelbar berührt.
Das in Köln beheimatete Minguet Quartett, das zwischen den beiden Einspielungen den Bratschisten getauscht hat (auf Irene Schwalb folgte Firmian Lermer) musiziert mit großem Engagement und auf hohem Niveau, das im Quintett auch der oberösterreichische Bratschist Peter Langgartner hält.
Heinrich von Herzogenberg: Streichquartett d-moll, op. 18; Streichquintett c-moll, op. 77.
Minguet Quartett, Peter Langgartner (Viola).
cpo, 1 CD.
Ernst Naredi-Rainer