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von naredirainer am: 14.02.2011, 16:27 Uhr

 

Auch 45 Jahre nach seinem Tod gilt Hans Knappertsbusch als legendäre Pultgröße. Der 1965 in München verstorbene Dirigent, um den sich wegen seiner notorischen Probenunlust und seines Vertrauens auf die Inspiration bei der Vorstellung noch immer zahlreiche Legenden ranken, gilt nach wie vor als einer der bedeutendsten Wagner-Interpreten und hat mit nicht weniger als 55 weihevollen „Parsifal“-Dirigaten bei den Bayreuther Festspielen Maßstäbe gesetzt.


Bisweilen widmete er sich aber auch einem Repertoire abseits seiner Hausgötter Wagner, Strauss, Pfitzner, Brahms, Bruckner und Beethoven. In München, wo er von 1922 bis 1935 Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper war, brachte er 1957 im Prinzregententheater Claudio Nicolais „Lustige Weiber von Windsor“ heraus, die er im November 1930 erstmals in München einstudiert hatte. Zwar wurden in dieser Neuinszenierung des Oberspielleiters Heinz Arnold einige Dialoge umgeschrieben und etliche Musiknummern gekürzt oder gar radikal gestrichen (Frau Reichs Ballade vom Jäger Herne und Ännchens Arie („Wohl denn! Gefasst ist der Entschluss!“), aber die restliche Partitur des Gründers der Wiener Philharmoniker realisierte Knappertsbusch mit etwas behäbiger Gemütlichkeit und leicht derbem Witz.


Aufmerksam und sehr sängerfreundlich begleitet Knappertsbusch ein homogenes Ensemble von Rang, das beweist, dass einst auch die deutsche Spieloper zum Aufgabengebiet der führenden Mitglieder des Hauses gezählt hat, die sich nicht zu schade waren, neben Wagner und Verdi auch Nicolai zu singen. Annelies Kupper, die sonst zwischen Aida, Senta und Daphne eingesetzte lyrische Sopranistin, zündet als Frau Fluth ein erstaunlich brillantes Koloraturfeuerwerk ab, Lilian Benningsen beeindruckt als Frau Reich mit frischem Spielwitz und angesichts des jugendlichen Glanzes der Stimme von Liselotte Fölser kann man nur bedauern, dass sie Ännchens große Arie nicht singen darf.


Max Proebstl besaß zwar keinen wirklich schwarzen Baß, erweist sich aber in der Rolle des Falstaff als gefinkelter Komödiant. Karl Schmitt-Walter verströmt als eifersüchtiger Herr Fluth baritonale Eleganz, Richard Holm als Fenton kultivierte tenorale Lyrik. Der junge Kieth Engen macht als Herr Reich nachdrücklich auf sich aufmerksam und Paul Kuen entwickelt als Junker Spärlich köstliche Komik.


In dem technisch glänzend gelungenen Livemitschnitt der Aufführung vom 14. Dezember 1957 kommt nicht zuletzt markant zur Geltung, wie wortdeutlich und lebendig damals die Dialoge gesprochen worden sind.


Claudio Nicolai: „Die lustigen Weiber von Windsor“.

Max Proebstl, Karl Schmitt-Walter, Kieth Engen, Richard Holm, Paul Kuen, Annelies Kupper, Lilian Benningsen, Liselotte Fölser; Chor der Bayerischen Staatsoper, Bayerisches Staatsorchester; Dirigent: Hans Knappertsbusch.

Orfeo, 2 CDs.


 

Ernst Nardi-Rainer

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